Saturnmond Enceladus Dem Nordpol so nah

So hat man Enceladus noch nie gesehen: Zum ersten Mal hat die Sonde "Cassini" den Nordpol des Saturnmondes aus nächster Nähe fotografiert - die Bilder offenbaren erstaunliche Strukturen.

NASA/ JPL/ SSI

In einem Abstand von knapp 1800 Kilometern ist die "Cassini"-Sonde am 14. Oktober an Saturnmond Enceladus vorbeigeflogen - und hat in den vergangenen zwei Tagen die bisher detailliertesten Fotos der Nordpolarregion des Mondes zur Erde geschickt.

Enceladus' Oberfläche ist mit Eis bedeckt. Doch darunter brodelt es. Am Südpol des Saturnmondes haben Forscher Eisvulkane entdeckt, die im Takt der Gezeiten Wasserdampf und Eispartikel ausstoßen. Unter der Oberfläche des Mondes verbirgt sich ein salziger Ozean, in dem Analysen zufolge heißes Wasser sprudelt.

Bereits frühere Aufnahmen von der "Voyager"-Mission hatten darauf hingedeutet, dass Enceladus' Nordpol mit Kratern übersät ist. Der Blick aus der Nähe bestätigt diese Vermutung und offenbart weitere Details. "Die nördlichen Regionen sind durchzogen von spinnenartigen Netzen aus hauchdünnen Rissen, die sich durch die Krater ziehen", sagt Paul Helfenstein, der die Cassini-Bilder an der Cornell University auswertet.

Die dünnen Risse seien überall auf Enceladus zu finden. Nun könne man sehen, dass sie sich bis in den Norden des kleinen Saturnmondes ziehen.

Fotostrecke

3  Bilder
Saturnmond Enceladus: Cassini am Nordpol
In den kommenden Tagen sollen weitere Fotos der Sonde die Erde erreichen. Aufgrund der großen Entfernung von, je nach Konstellation, etwa 1000 Millionen Kilometern, dauert es einige Zeit, bis alle Daten die Erde erreicht haben.

Das nächste Mal wird "Cassini" den Saturnmond Enceladus am 28. Oktober 2015 aus der Nähe aufnehmen. Bis auf 49 Kilometer soll sich die Sonde dann dem Südpol des Mondes nähern und in seinen eisigen Dampf an der Oberfläche eintauchen.

Die Forscher erhoffen sich davon weitere Informationen über den Ozean des Mondes - etwa über seine chemische Zusammensetzung sowie die Häufigkeit und Stärke der Ausbrüche seiner Vulkane. Beides soll weitere Hinweise liefern, inwiefern Leben auf dem Mond denkbar ist. Am 19. Dezember 2015 wird die Sonde Enceladus zum letzten Mal genauer inspizieren.

Trainieren Sie Ihr Gedächtnis!

jme



insgesamt 6 Beiträge
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schwerpunkt 16.10.2015
1.
Enceladus hat sich zu einem der spannedesten Objekte unseres Sonnensystems gemausert, angesichts dessen, dass er mit einer der vielversprechendsten Kandidaten für außerirdisches Leben geworden ist. Dazu kommt, dass dieses, sofern vorhanden, wesentlich einfacher nachzuweisen wäre, wie auf dem anderen Kandidaten, dem Juptermond Europa, durch dessen dicken Eispanzer sich man erst mal durcharbeiten müsste, um dann zum Grund eines vermuteten Zig kilometertiefen Ozeans zu tauchen. Durch die Cryovulkane auf Enceladus, könnte das organische Material des möglichen Lebens praktisch direkt in einen "Detektor" gespuckt werden. Wenn dort gar nichts zu finden ist, ist das auch eine Aussage. Nämlich die, dass der Ozean dort zumindest nicht vor Leben sprudelt.
Cugel 16.10.2015
2. 49 Kilometer!
Fast liest man beiläufig darüber hinweg, aber man ist ja auch verwöhnt heutzutage. 49 Kilometer Distanz! Zu einem 500 Km-Trumm, in einer Milliarde Kilometern Entfernung. Und das, wo da oben doch eh alles herumeiert und -torkelt. Eine unglaubliche Leistung der Bahningenieure!
Cugel 17.10.2015
3. Berichtigung
Laut ESA-Veröffentlichung wird Cassini in 4999 Km Entfernung an Enceladus vorbeifliegen, nicht 49.
truthonly 18.10.2015
4. Berichtigung 2.0
Zitat von CugelLaut ESA-Veröffentlichung wird Cassini in 4999 Km Entfernung an Enceladus vorbeifliegen, nicht 49.
Der sogenannte Enceladus Flyby 'E-22' wird am 19.12.2015 in einer Distanz von 4999km stattfinden. Flyby 'E-22', am 28.10.2015, wird in einer Distanz von 48km staitfinden, somit ist die Angabe von 49km im Artikel fast richtig. http://saturn.jpl.nasa.gov/mission/flybys/enceladus20151028/
truthonly 18.10.2015
5. Berichtigung 2.0
Der sogenannte Enceladus Flyby 'E-22' wird am 19.12.2015 in einer Distanz von 4999km stattfinden. Flyby 'E-21', am 28.10.2015, wird in einer Distanz von 48km staitfinden, somit ist die Angabe von 49km im Artikel fast richtig. http://saturn.jpl.nasa.gov/mission/flybys/enceladus20151028/
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