Ende der Space-Shuttle-Ära "Atlantis" legt perfekte Landung hin

Wolkenloser Himmel, kein Hauch von Wind: Die "Atlantis" konnte unter traumhaften Bedingungen am Weltraumbahnhof Cape Canaveral landen. Es war die letzte Mission eines Space Shuttle - die USA müssen ab jetzt jahrelang ohne eigene bemannte Raumschiffe auskommen.


Cape Canaveral/Hamburg - Die "Atlantis" ist sicher zur Erde zurückgekehrt. Die US-Raumfähre ist am Donnerstag kurz vor 12 Uhr mittags deutscher Zeit am Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gelandet. Die Ära der Space Shuttle, die am 12. April 1981 mit dem Jungfernflug der "Columbia" begonnen hatte, ist damit nach mehr als 30 Jahren und 135 Missionen zu Ende gegangen. Insgesamt haben die Shuttle mehr als 870 Millionen Kilometer zurückgelegt, die Erde über 21.150-mal umrundet, 355 Menschen aus 16 Ländern ins All befördert und 1333 Tage im Orbit verbracht.

Das Kontrollzentrum im texanischen Houston hatte der "Atlantis"-Besatzung am Donnerstagmorgen wenige Minuten früher als geplant die Erlaubnis zum Wiedereintritt in die Erdatmosphäre gegeben. Die vier Astronauten an Bord waren einige Stunden zuvor mit dem Lied "God Bless America" geweckt worden.

Wenig später trat die "Atlantis" planmäßig in die Erdatmosphäre ein. Es war der gefährlichste Abschnitt der Reise, da die Raumfähre durch die starke Reibung mit den Atmosphärenteilchen enorm erhitzt wird. Die Raumfähre "Columbia" war im Februar 2003 beim Eintritt in die Atmosphäre auseinandergebrochen, weil ihr Hitzeschild beschädigt war.

Das Wetter machte bei der Landung der "Atlantis" keine Probleme. Die Bedingungen seien "niemals so perfekt für eine Landung" gewesen, sagte der Kommentator des Nasa-Fernsehsenders. "Der Himmel über dem Kennedy Space Center ist klar, ohne eine einzige Wolke oder eine Brise Wind." Kommandant Christopher Ferguson legte eine perfekte Landung hin - und hielt anschließend über Funk seine eigene Abschiedsrede über die Raumfähren: "Nach 30 Jahren Dienst für die Welt hat der Space Shuttle seinen Platz in der Geschichte verdient." Die Raumfähren hätten "unseren Blick auf die Welt und das Universum verändert".

Letzte Reise ins Museum

Der Blick zurück ist allerdings nicht nur von Wehmut geprägt, denn die Shuttle waren immer umstritten. Zwei Flüge endeten in Tragödien: 1986 explodierte die "Challenger" kurz nach dem Start, 2003 verglühte die "Columbia" nur 16 Minuten vor der Landung. Beide Katastrophen enthüllten auch Pannen und Misswirtschaft bei der Nasa und besiegelten das Ende der Shuttle, die zuletzt pro Mission rund 775 Millionen Dollar kosteten. Manche Kritiker argumentieren, dass das Programm schon viel früher hätte eingestellt werden müssen.

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Space Shuttle: Das Ende der Raumfähren
Der "Atlantis"-Flug ist nachträglich noch angehängt worden, quasi als Ehrenrunde. Da es keinen Reserve-Shuttle mehr gab, der bei einem Notfall im Orbit eine Rettungsmission hätte fliegen können, waren nur vier statt sieben Astronauten an Bord.

Die "Atlantis" hat eine stolze Geschichte: Seit ihrem Jungfernflug 1985 hat sie auf 32 Missionen fast 200 Millionen Kilometer zurückgelegt, 294 Tage im All verbracht und die Erde 4648-mal umkreist. Sie hat die Sonden "Magellan" und "Galileo" ausgesetzt und auch siebenmal an der russischen Raumstation "Mir" angedockt.

Dagegen war die letzte, zwölftägige Mission dieses Frachtkahns geradezu banal: "Atlantis" schaffte vier Tonnen Proviant, Material und Technik für Experimente zur Internationalen Raumstation. Für eines davon waren auch 30 Mäuse dabei, an denen Knochenschwund gemessen und ein neuer Abwehrstoff getestet werden soll. "Es ist uns eine Ehre, mit der Nasa bei ihrer letzten Mission mitzumachen", sagt Chris Paszty, der Wissenschaftsdirektor des Pharmakonzerns Amgen, der den Antikörper erfunden hat. Auf dem Rückweg brachte die "Atlantis" eine tonnenschwere, defekte Kühlpumpe zur Erde zurück - ein bloßer Mülltransport zwar, aber immerhin einer, den nur ein Space Shuttle erledigen konnte.

Die "Atlantis" kommt nach ihrer Rückkehr zur Erde ins Museum - ebenso wie ihre Schwesterschiffe "Endeavour", "Discovery" und "Enterprise". Auch die "Space Coast" in Florida steht vor einer ungewissen Zukunft, denn in den kommenden Jahren werden die USA keine eigene Möglichkeit mehr haben, Menschen ins All zu bringen. US-Astronauten müssen dann mit russischen "Sojus"-Kapseln zur ISS fliegen. Erst 2015 soll eine US-Raumkapsel einsatzbereit sein, an der die Nasa derzeit mit einer privaten Firma arbeitet. Die US-Regierung plant auch insgesamt, die Raumfahrt in Zukunft stärker zu privatisieren.

mbe/AFP/dpa

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insgesamt 124 Beiträge
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Jo B. 21.07.2011
1. So kann es gehen…
Was haben die USA früher gegenüber den Russen für eine große Klappe gehabt? Nun sind sie es, die das Bein nicht mehr zum Pinkeln hochbekommen!
Roana, 21.07.2011
2. Als Mitglied der Generation Space Age...
...aufgewachsen mit Mondlandung, Wernher von Brauns "Start in den Weltraum", "Raumpatrouille", Captain Kirk, Perry Rhodan und bezaubernder Jeannie ist das schon eine kleine Träne im Knopfloch wert. Für uns war in den 60ern klar: erst zum Mond, dann zum Mars und dann weiter hinaus in den Weltraum. Das hat sich leider zerschlagen und auch die Physik sagt uns heute, dass es wenig gibt, was uns helfen würde, unser Sonnensystem zu verlassen. Kein "Hyperspace plus Schlafende" von Hasso, keine Raumkreuzer, kein Beamen... Aber es gibt auch auf der Erde noch so viel zu tun...!!!
Jörg Starkmuth 21.07.2011
3. Kleine Korrektur
Die "Enterprise" ist schon lange im Museum. Sie war ein Testgerät, das nie im Weltraum war.
syramon 21.07.2011
4. Tja,
Zitat von Jo B.Was haben die USA früher gegenüber den Russen für eine große Klappe gehabt? Nun sind sie es, die das Bein nicht mehr zum Pinkeln hochbekommen!
im Moment ist kein Geld mehr da, zuviele Schulden. Man wird wohl später dann bei den Russen oder Chinesen einkaufen müssen.
brndnbg 21.07.2011
5. natürlich...
Zitat von Jo B.Was haben die USA früher gegenüber den Russen für eine große Klappe gehabt? Nun sind sie es, die das Bein nicht mehr zum Pinkeln hochbekommen!
das obligatorische ami-bashing, musste ja kommen.
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