Entdeckung am Kraterrand Der Mond entblößt sein Inneres

Eine japanische Raumsonde hat auf der Oberfläche des Mondes Gesteine gefunden, die es dort normalerweise nicht gibt. Forscher vermuten, dass gewaltige Meteoritentreffer die Substanz aus dem Inneren des Erdtrabanten dorthin befördert haben.

Mondoberfläche mit Einschlagskratern: Olivin an die Oberfläche befördert
AFP

Mondoberfläche mit Einschlagskratern: Olivin an die Oberfläche befördert


London - Wie unser Mond in seinem Inneren beschaffen ist, darüber wussten Astronomen bisher eher wenig. Das lag auch daran, dass niemand Materialproben aus dem Mondmantel untersuchen konnte. Die "Apollo"-Astronauten und sowjetische Roboter brachten nur Gestein von der Oberfläche zurück Erde. Auch Mondmeteoriten, die auf der Erde landeten, lieferten einige Hinweise auf ihre Zusammensetzung.

Die Mondkruste, so viel glaubte man zu wissen, ist im Schnitt siebzig Kilometer dick - und damit zweimal so mächtig wie die Erdkruste. Sie besteht hauptsächlich aus dem Silikatmaterial Feldspat. Über die Regionen darunter gab es hingegen nur ganz selten Hinweise: Vulkanausbrüche auf dem Mond hatten eisenreiche Schmelzen an die Oberfläche befördert, die nicht aus der Mondkruste stammen können.

Nun haben Forscher bei der Auswertung von Daten der japanischen Raumsonde "Kaguya" Informationen über die Struktur des Mondmantels unter der Kruste sammeln können. Darüber berichten die Wissenschaftler um Satoru Yamamoto vom Center for Global Environmental Research im japanischen Ibaraki im Fachmagazin "Nature Geoscience".

An Kratern ist die Mondkruste dünner

"Kaguya" hatte über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren aus 100 Kilometern Höhe auf dem Mond Daten aufgezeichnet. Interessante Beobachtungen machte sie dabei am Rand von Einschlagskratern. Die Spektralanalyse zeigte, dass dort oft Ansammlungen des Minerals Olivin zu finden sind. Die Verbindung ist auch ein wichtiger Vestandteil des Erdmantels. Die Zentren der Mondkrater seien hingegen frei von Olivin gewesen, erklärten die Forscher.

Nach ihrer Meinung stammt das Olivin aus dem Inneren des Monds und ist ein Ergebnis der Kraterbildung. Dafür spreche die Tatsache, dass die Kruste im Bereich der Krater mit dreißig bis fünfzig Kilometern deutlich dünner sei als anderswo, schreiben die Wissenschaftler. Beim Einschlag eines Meteoriten dürfte ein Großteil der Kruste an der Aufschlagstelle weggesprengt worden sein. Anschließend wurde der freigelegte Mantel nur im Inneren des Kraters wieder von Lava bedeckt.

Theoretisch könnte das olivinreiche Material freilich auch aus geringeren Tiefen der unteren Kruste stammen - und in geschmolzenem Zustand aufgestiegen sein. Nach einer genaueren Analyse haben die Wissenschaftler diese Variante allerdings ausgeschlossen: Die Zusammensetzung der Gesteine des Kraterrands stimmt nicht mit den Bestandteilen der unteren Kruste überein.

Für die Raumsonde "Kaguya" ist die Entdeckung ein später Erfolg. Denn den im September 2007 gestarteten Flugkörper gibt es bereits nicht mehr. Die japanischen Wissenschaftler hatten ihn im vergangenen Sommer kontrolliert abstürzen lassen. Nach dem Ende der Mission hatten sie bereits eine Karte zu Rohstoffvorkommen auf dem Mond präsentiert. Außerdem hatten die Wissenschaftler mit Hilfe der gesammelten Daten nachweisen können, dass es auf der Oberfläche des Erdtrabanten eins ein gewaltiges Magmameer gegeben haben muss.

chs/ddp



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