Entwarnung Weltraumschrott verfehlt Raumstation

Die Astronauten des Space Shuttle "Atlantis" hatten sich auf ein heikles Manöver vorbereitet: Aus Angst vor herumfliegendem Weltraumschrott wollten sie die Raumstation ISS auf eine neue Bahn ziehen - doch die Trümmer fliegen vorbei. Es ist nicht die einzige positive Nachricht aus dem All.

Space Shuttle "Atlantis" an der ISS: Weltraumschrott könnte Mission stören
REUTERS/ Nasa

Space Shuttle "Atlantis" an der ISS: Weltraumschrott könnte Mission stören


Cape Canaveral - Die Astronauten des Space Shuttles "Atlantis" haben am Montag erfolgreich den Transportcontainer Raffaello and die Internationale Raumstation ISS gekoppelt. Der rund sechs Meter lange Container enthält tonnenweise Nachschub für die ISS.

Unterdessen gab die US-Raumfahrtbehörde Nasa Entwarnung für ein Stück Weltraumschrott, dass sich der Station und dem Shuttle näherte. Nach Angaben des Kontrollzentrums sei das Trümmerteil des Satelliten "Cosmos 375" keine Bedrohung für die ISS oder den Shuttle. Es seien keine Bahnkorrekturen nötig, um dem Weltraumschrott auszuweichen.

Bisher lief alles reibungslos: Am Freitag startete der Space Shuttle "Atlantis" seine letzte Mission ins Weltall. Bis zum Schluss war es ein Bangen, doch nach einer dreiminütigen Verzögerung hob die "Atlantis" bilderbuchmäßig ab. Neun Minuten später war sie im Weltall und erreichte schließlich die Umlaufbahn. Dort vollführte es einen Rückwärtssalto vor den Kameras der Internationalen Raumstation ISS, damit die Ingenieure die Außenhaut des Shuttles nach Beschädigungen absuchen können. Der Shuttle hatte am Sonntag an die Raumstation angedockt. Er soll voraussichtlich am 20. Juli zur Erde zurückkehren.

Doch wenige Stunden nach dem geglückten Manöve dass der ISS gefährlich nahe kommen könnte. Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert: Erst vor wenigen Tagen hatte sich die Besatzung der ISS in einer "Sojus"-Kapsel in Sicherheit bringen müssen, weil ein Trümmerstück zu spät bemerkt worden war. Hätte sich die Bedrohung bestätigt, hätte die "Atlantis" die Raumstation mit ihren Schubdüsen aus der Gefahrenzone bewegen müssen.

Doch nun herrscht beste Stimmung im All: Als die "Atlantis" am Sonntag an der ISS andockte, läutete die Besatzung an Bord der Internationalen Raumstation die Schiffsglocke zur Begrüßung. "Atlantis legt an", rief Astronaut Ronald Garan. "Ein letztes Mal, willkommen an Bord der Internationalen Raumstation."

"Das ist es!"

"Es ist großartig hier zu sein", antwortete Shuttle-Kommandant Christopher Ferguson, der die kleine Vierer-Crew auf dem letzten Flug der Shuttle-Ära anführt - die nach über 30 Jahren mit der Rückkehr der "Atlantis" zur Erde endgültig zu Ende sein wird. So schwangen sowohl im All als auch am Boden eine Menge Emotionen mit, als sich "Atlantis" der Raumstation näherte. "Das ist es", erklärte Flugdirektor Kwatsi Alibaruho, als er sein OK für den letzten Andockvorgang der Shuttle-Ära gab.

Es war das 46. Kopplungsmanöver einer Raumfähre mit einer Raumstation. Neun Mal machte ein Shuttle in den neunziger Jahren an der russischen Raumstation Mir fest - wobei die "Atlantis" das allererste Andockmanöver flog. Auch auf diese Erfahrungen aufbauend wurde in internationaler Zusammenarbeit in zwölfeinhalb Jahren mit der ISS der größte Raumkomplex in der Geschichte der Menschheit gebaut. Die Space-Shuttle-Flotte der Nasa leistete einen entscheidenden Beitrag dabei, die einzelnen Komponenten ins All zu bringen und zu montieren.

Dieses Mal liefert die "Atlantis" vier Tonnen Versorgungsgüter an die Raumstation, ein Vorrat für ein Jahr. Die kommenden sechs Tage werden die zehn Astronauten an Bord der ISS mit dem Ausladen beschäftigt sein.

Bei der letzten Reise eines Shuttles schickte die Nasa nur eine kleine Mannschaft ins All. Im Falle eines Defekts müssten die Astronauten diesmal wohl monatelang an Bord der ISS ausharren und warten, bis sie von russischen "Sojus"-Kapseln abgeholt werden. Bisher stand immer ein Shuttle für den Notfall bereit, das zügig zu einer Rettungsmission starten konnte. Doch weil die "Endeavour" und die "Discovery" nun nur noch als Museumsstücke dienen, ist dies nicht länger der Fall.

Die Crew soll über eine Woche an Bord der ISS bleiben. Der letzte Flug der "Atlantis" sollte ursprünglich zwölf Tage dauern, doch derzeit sieht es so aus, als würde die Nasa den Flug um einen Tag verlängern, um den Astronauten mehr Zeit für ihre Aufgaben zu geben - und das Ende der Shuttle-Ära um wenigstens einen Tag hinauszuzögern.

boj/cib/dpa/dapd

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