Erste Fotos: Atmosphäre wirbelt um Venus-Südpol

Die europäische Raumsonde "Venus Express" hat ihr erstes Foto zur Erde geschickt. Das Bild zeigt Wirbel in der Atmosphäre über dem Südpol der Venus - eine Stelle, die bisher noch nie beobachtet werden konnte.

Darmstadt - Zwei Tage nach dem Einschwenken in die Umlaufbahn hat das deutsche Kamerasystem an Bord der Esa-Raumsonde "Venus Express" erste Bilder unseres Nachbarplaneten zur Erde gesendet. Auf ihnen sind erstmals die Wolkenformationen über dem Südpol der Venus zu sehen.

"Es sind die ersten Aufnahmen, die es überhaupt vom Südpol der Venus gibt", sagte Horst Uwe Keller vom Kamerateam der Esa-Sonde. "Sonst schaut man bei der Venus nur auf eine dicke Dunstschicht, aber mit unserer Kamera erkennen wir Strukturen in den Wolken und ein spiralartiges Band um den Südpol herum."

Die Bilder hätten die Erwartungen der Experten bestätigt, denn das gleiche Phänomen war bereits vom Nordpol der Venus bekannt. "Die heiße Atmosphäre kühlt am Pol ab und sinkt abwärts. Dadurch ergibt sich wahrscheinlich das Spiralmuster", erklärt Keller im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das ist, also ob man einen Stöpsel aus einem vollen Waschbecken zieht."

Auch die sogenannte Superrotation der Venus-Atmosphäre trage zu der Erscheinung bei: Die gesamte Gashülle wirbelt schneller um die Längsachse der Venus als der Planet selbst. "In vier Tagen hat die Atmosphäre die Venus einmal umrundet", sagt Keller. Da die Gashülle an den Polen aber einen kürzeren Weg zurücklegen müsse als am Äquator, drehe sie sich schneller und trage so zur Entstehung der Spirale bei.

Von den Daten der "Venus Express"-Sonde erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die Erde. "Wir haben mit Erde, Mars und Venus drei Planeten unter intensiver Beobachtung", sagt Keller. "Die Frage ist, ob Venus und Mars vielleicht früher ähnlich lebensfreundlich waren wie die Erde und wie groß die Zone um einen Stern ist, in der auf Planeten Leben möglich ist."

Weiterhin erwarten die Wissenschaftler neue Einblicke in die Entstehung des Treibhauseffekts, der auf der Venus zu den extremen Oberflächentemperaturen von bis zu 500 Grad geführt hat. Bisher ist es weitgehend ein Rätsel, warum die Venus heute eine lebensfeindliche Gluthölle ist, obwohl sie der Erde in vielerlei Hinsicht ähnelt. "Wir wollen herausfinden, wann und warum es zu diesem Treibhauseffekt gekommen ist", sagt Keller vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, das die "Venus Monitoring Camera" an Bord der Raumsonde entwickelt hat.

"Venus-Express" war im November letzten Jahres gestartet. Diese Woche war ein riskantes Bremsmanöver geglückt, und die Sonde schwenkte in eine Umlaufbahn um die Venus ein.

Die ersten Aufnahmen sind aus einer Entfernung von 200.000 Kilometern entstanden. "Das entspricht zwei Dritteln der Distanz zwischen Erde und Mond", sagte Keller. Wenn "Venus Express" Anfang Mai ihre endgültige Umlaufbahn erreicht hat, wird die Bildqualität vom Südpol drei Mal besser sein als derzeit - die Raumsonde soll den Nachbarplaneten dann in einer Höhe von nur 200 Kilometern umkreisen.

mbe/dpa

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