Eruption im All Sonnensturm stört Flugverkehr in Deutschland

Die heftigste Sonneneruption der vergangenen 30 Jahre zeigt erste Wirkung. Der Luftverkehr über Deutschland ist beeinträchtigt, die Esa erwägt die Abschaltung der Mondsonde "Smart-1", Experten befürchten Schäden an Mobilfunknetzen und Satelliten.




Sonneneruption (heller Bereich): Spektakuläres Feuerwerk vom  Gasriesen
SOHO/ NASA

Sonneneruption (heller Bereich): Spektakuläres Feuerwerk vom Gasriesen

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) kündigte an, die Kapazität der 100 deutschen Luftraum-Sektoren um etwa zehn Prozent zu drosseln, da der Sonnensturm die Radar- und Sprechfunkanlagen der Flugsicherung störe. Die Zahl der Flüge werde in den nächsten Tagen "auf eine Menge begrenzt, die sicher durch den Luftraum geführt werden kann", sagte DFS-Sprecher Axel Raab. Eventuell werde es dadurch zu Verspätungen kommen.

Experten befürchten Störungen in der Stromversorgung und der Handy-Kommunikation, Satellitenbetreiber sorgen sich wegen möglicher Schäden an ihren hochempfindlichen Geräten. So wird bei der Europäischen Weltraumorganisation Esa überlegt, den Bordcomputer der noch im Erdorbit befindlichen Mondsonde "Smart-1" vorübergehend in einen Schlafmodus zu versetzen und die Fluglage zu korrigieren.

Schäden an Satelliten möglich

Auch beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen, von wo aus vier Forschungssatelliten in der Erdumlaufbahn kontrolliert werden, bereitet man sich auf mögliche Schädigungen vor, sagte DLR-Chef Klaus Wittmann.

Gebremster Luftverkehr: Sonnensturm stört die Geräte der Flugsicherung
DPA

Gebremster Luftverkehr: Sonnensturm stört die Geräte der Flugsicherung

Bei der Sonneneruption der Stärke X17,2 handelte es sich nach Angaben der Nasa um die größte der vergangenen 30 Jahre und die drittgrößte, die jemals beobachtet wurde. Die beiden stärksten bisher gemessenen koronalen Massenauswürfe hatten jeweils eine Stärke von X20, waren allerdings nicht auf die Erde gerichtet. Eine Eruption, die 1989 im kanadischen Quebec einen neunstündigen Stromausfall und Schäden von mehreren hundert Millionen Dollar verursachte, lag in der Kategorie X15.

Fünf Mal schneller als normale Sonnenstürme

Die Sonne schleuderte am Dienstagvormittag deutscher Zeit den Teilchenstrom mit einer Geschwindigkeit von 7,5 Millionen Stundenkilometern in Richtung Erde - fünf Mal schneller als bei normalen Ausbrüchen. Zeitgleich registrierte das von Esa und Nasa betriebene Sonnenobservatorium "Soho" die zweitgrößte Eruption von Röntgenstrahlung seit Beginn der Messungen in den siebziger Jahren.

Sonneneruption, aufgenommen von der "Soho"-Sonde: Stärkste "Flare" der vergangenen 30 Jahre
SOHO/ NASA

Sonneneruption, aufgenommen von der "Soho"-Sonde: Stärkste "Flare" der vergangenen 30 Jahre

Obwohl der magnetische Sturm seit Tagen erwartet worden war, zeigten sich Wissenschaftler des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) von seiner Stärke überrascht. Nicht erwartet hatten die Experten auch einen riesigen Sonnenfleck, dessen Ausdehnung mehr als zehn Erd-Durchmesser umfasst. Außergewöhnlich ist er vor allem deshalb, weil die Sonne im Rhythmus von elf Jahren zwischen ruhigen und besonders aktiven Phasen schwankt und das letzte Maximum dieser Art bereits drei Jahre zurückliegt.

24 Stunden langer geomagnetischer Sturm

Der Grund für die Aktivitätsschwankungen unseres Zentralgestirns ist der Rhythmus des Transports heißen Gases in den Außenschichten der Sonne. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts befindet sich die Sonne in einer außergewöhnlich aktiven Phase, wie Forscher der Max-Planck-Gesellschaft beobachtet haben. Die Sonnenaktivität ist demnach nicht nur mehr als doppelt so hoch wie der langfristige Mittelwert, sondern auch höher als jemals zuvor in den vergangenen tausend Jahren.

Der Strom aus Gas und geladenen Partikeln wird laut Nasa voraussichtlich einen 24 Stunden langen geomagnetischen Sturm der Stärke fünf entfachen, der höchsten Stufe auf der Skala der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA). Wie groß die Schäden sein werden, hänge allerdings von der bisher unbekannten Ausrichtung des Magnetfelds innerhalb des solaren Teilchenstroms ab.



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