Panne beim ISS-Außeneinsatz "Wie ein Goldfisch im Wasserglas"

Beim Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation lief Luca Parmitano plötzlich Wasser in den Helm, die Mission musste abgebrochen werden. Jetzt erzählt der Astronaut von dem beklemmenden Vorfall.

Zurück in der ISS (16. Juli):    Die Crew befreit Luca Parmitano von dem mit Wasser vollgelaufenen Helm
AFP/NASA TV

Zurück in der ISS (16. Juli): Die Crew befreit Luca Parmitano von dem mit Wasser vollgelaufenen Helm


Bevor Astronauten einen Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation ISS haben, absolvieren sie zahlreiche Testläufe. Sie bereiten sich auf mögliche Probleme vor, die bei der Mission im Orbit, rund 400 Kilometer über der Erde, auftreten können. Auch vor dem Einsatz am vergangenen Dienstag sprach die ISS-Crew den geplanten Weltraumspaziergang von Luca Parmitano und Christopher Cassidy genau durch und diskutierte über mögliche Gefahren.

"Tja, wer hätte das gedacht: Was passiert ist, stand nicht auf der Liste der Dinge, über die wir gesprochen haben", sagt der 43-jährige US-Astronaut Cassidy.

Etwa eine Stunde nach ihrem Ausstieg meldete Parmitano, dass Wasser in seinem Helm sei. Der Außeneinsatz wurde daraufhin abgebrochen. Bei seinem ersten ISS-Außeneinsatz am 9. Juli hatte Parmitanos Anzug noch tadellos funktioniert.

Parmitano erzählte jetzt, dass das Wasser in seinen Helm tropfte, bis dicke Tropfen seine Augen und seine Nase bedeckten. Es sei schwer gewesen, noch etwas zu sehen, und er konnte nichts mehr hören, sagt der Italiener. Auf dem Weg zurück zur Luftschleuse habe er auf sein Gedächtnis vertrauen müssen. "Stellen Sie sich vor, Sie müssen mit geschlossenen Augen, den Kopf in einem Goldfischglas, herumlaufen." Es sei schon unangenehm gewesen, mit dem Gesicht so lange unter Wasser zu sein.

Als die beiden Astronauten schließlich sicher im Inneren der ISS waren und Parmitanos Helm abgenommen werden konnte, seien gut 1,5 Liter Wasser darin gewesen.

War es Wasser aus dem Kühlsystem?

Nasa-Mitarbeiter sagten, der Italiener hätte ersticken oder ertrinken können, und lobten, wie ruhig er während der kritischen Situation gewesen sei.

Sowohl die Astronauten auf der ISS als auch Ingenieure auf der Erde suchen noch nach der Ursache des Vorfalls. Der Trinkbehälter war wahrscheinlich nicht das Problem, er enthält auch nur einen knappen Liter Wasser.

Die andere Möglichkeit: Das Leck befindet sich irgendwo im Kühlsystem des Anzugs. Dort kreisen knapp vier Liter Wasser. Der Italiener hatte bereits erzählt, dass das Wasser in seinem Helm seltsam schmeckte.

Parmitano sagt nun allerdings, die lange Unterwäsche, die die Wasserröhrchen enthalte, sehe in Ordnung aus.

Für die weiteren geplanten Außeneinsätze in diesem Jahr spielt die Fehlfunktion keine Rolle: Die kommenden vier Missionen übernehmen Kosmonauten - und die Russen tragen andere Anzug-Modelle.

wbr/AP

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