Esa präsentiert sensationelle Mars-Fotos: Eis am Südpol, Dampf in der Atmosphäre

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Die Esa hat sich nach dem Fehlschlag der "Beagle 2"-Mission spektakulär zurückgemeldet. Die Bilder des Orbiters "Mars Express" sind die faszinierendsten, die jemals vom Roten Planeten zu sehen waren. Mit dem Beweis für frühere Wasservorkommen gelang den Europäern ein wissenschaftlicher Coup.



Staub-Kaskade: Sand wird vom Marswind in einen Krater geweht
ESA

Staub-Kaskade: Sand wird vom Marswind in einen Krater geweht

Die Ministerin hatte nicht übertrieben. Eine "Sensation" und einen "gigantischen Erfolg für die europäische Raumfahrt" nannte Edelgard Bulmahn, in der Bundesregierung für Forschung zuständig, die ersten Ergebnisse der "Mars Express"-Mission. In der Tat gelang der zuletzt nicht eben erfolgsverwöhnten europäischen Raumfahrtagentur eine Überraschung: Gleich mit den ersten Bildern des Orbiters konnte die Esa auf dem Mars gefrorenes Wasser inklusive exakter Lage und Menge nachweisen. Sogar Wasserdampf entdeckten die Forscher in der Atmosphäre des Roten Planeten.

Die Strukturen auf der Oberfläche des Mars, von der Esa-Sonde in faszinierenden Bildern präsentiert, werteten Esa-Wissenschaftler gar als Beweis für einstige Flüsse. Sollten sie mit dieser Einschätzung Recht behalten, wäre es sehr wahrscheinlich, dass auf dem Mars früher auch Leben existierte.

Die lang angekündigte Pressekonferenz zu den ersten Mars-Fotos begann dagegen erwartungsgemäß. Die Esa hatte Spektakuläres versprochen - und kein einziger TV-Sender konnte sich zu einer Live-Übertragung durchringen. Die bildungsbeauftragten Öffentlich-Rechtlichen fanden Europas Weltraumforschung gar so spannend, dass der Nachrichtenkanal Phönix lieber eine Podiumsdiskussion zum prickelnden Thema "Ist der Osten noch zu retten?" übertrug.

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Sensationelle Bilder: Esa-Sonde entdeckt Wassereis auf dem Mars

Der Kontrast zur Nasa hätte schärfer nicht sein können. Während die Amerikaner seit Wochen sehenswerte Bilder von Mars-Rovern bei wissenschaftlich eher mäßig interessanten Aktionen zeigen, verkaufte die Esa seit dem Fehlschlag des "Beagle 2"-Landers den Wert ihrer "Mars Express"-Mission unter Wert.

Selbst die Veröffentlichung der neuen, atemberaubenden Fotos geriet zur Anti-Show. Mangels fehlender Live-Bilder im Fernsehen musste die Esa aufs Internet ausweichen: Auf einer gut versteckten Seite ruckelten unscharfe Bilder einer schlecht beleuchteten Vorführung mit Ton- sowie Totalaussetzern und lustigen kleinen Computerpannen.

Erst nach einer endlos scheinenden Reihe von Reden durfte Gerhard Neukum, unter dessen Leitung die hochauflösende 3D-Stereokamera (HRSC) an Bord von "Mars Express" entwickelt wurde, die versprochenen Bilder zeigen. Lange dauerte es, bis der entscheidende Satz fiel: "Wir können sicher sagen, dass es auf der Oberfläche des Mars Wasser gegeben hat." Schon beim ersten Überflug des Südpols habe das "Mars Express"-Instrument "Omega" - eine Kombination aus Kamera und Infrarot-Spektrometer - Wassereis und gefrorenes Kohlendioxid entdeckt, nebst exakter Position und Volumen.

"Omega"-Bild vom Mars-Südpol: Der Ausschnitt rechts zeigt den Bereich des sichtbaren Lichts, in der Mitte ist gefrorenes Kohlendioxid und links Wassereis zu sehen
ESA

"Omega"-Bild vom Mars-Südpol: Der Ausschnitt rechts zeigt den Bereich des sichtbaren Lichts, in der Mitte ist gefrorenes Kohlendioxid und links Wassereis zu sehen

Mit einer Auflösung von bis zu zehn Metern pro Bildpunkt, in einzelnen Gebieten gar bis zu zwei Meter, hat "Mars Express" 1,87 Millionen Quadratkilometer des Roten Planeten fotografiert - eine Fläche, die der von Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Portugal und Österreich zusammen entspricht. In den kommenden zwei Jahren soll der gesamte Planet auf diese Weise dreidimensional kartiert werden. "Das ist eine Fläche, so groß wie die gesamte Landmasse der Erde", erklärte Neukum. Ein spezielles Radar wird derweil die Tiefenschichten des Mars-Bodens auf Wasservorkommen abtasten. Außerdem soll untersucht werden, wie sich die dünne Atmosphäre des Planeten zusammensetzt.

Bisher seien insgesamt 100 Gigabyte an Daten verarbeitet worden, sagte Neukum. Auf den Bildern sind unter anderem tiefe Schluchten zu erkennen, deren Entstehung eindeutig auf die Aktivität großer Mengen von Wasser zurückzuführen sei. Auch die in einem Flussbett erkennbaren dunklen Sedimente seien von Wasser dorthin transportiert worden.

Allein die US-Weltraumbehörde Nasa konnte sich über den europäischen Erfolg nicht recht freuen. Die Entdeckung von Wasser auf dem Mars sei keine große Neuigkeit, mäkelte Orlando Figueroa, Mars-Programmdirektor der Nasa. Die US-Sonde "Mars Odyssey", die den Roten Planeten seit 2001 umrunde, habe bereits große Mengen gefrorenen Wassers im Norden und Süden des Roten Planeten entdeckt. "Wir waren überrascht, wie viel es war und wie dicht unter der Oberfläche", sagte Figueroa dem US-Sender CNN. "Deshalb ist es keine Neuigkeit, aber wir sind froh, dass ihr Satellit in der Lage ist, zu sagen, wo es ist."

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