Esa-Prognose Absturz von Raumlabor "Tiangong 1" in der Nacht zum Montag erwartet

Es ist wohl das letzte Radarbild der chinesischen Raumstation "Tiangong 1": Laut jüngster Vorhersage der Europäischen Raumfahrtagentur soll das 8,5-Tonnen-Trumm in der Nacht zum Montag abstürzen.


Das chinesische Raumlabor "Tiangong 1" wird voraussichtlich zwischen 22 Uhr und 5 Uhr Mitteleuropäischer Zeit am 2. April in Einzelteilen auf die Erdoberfläche herabfallen. Am wahrscheinlichsten sei ein Absturz gegen 3.00 Uhr, teilte die Europäische Raumfahrtagentur (Esa) am Sonntagabend in ihrer letzten Prognose mit. Der größte Teil der ursprünglich samt Treibstoff 8,5 Tonnen schweren Raumstation wird demnach verglühen. Etwa 1,5 bis 3,5 Tonnen können als kleine Teile auf Land oder Meer treffen, wie Esa-Experte Holger Krag im Vorfeld sagte.

Nach dem Eintritt in die Atmosphäre werden laut Krag die Einzelteile des Weltraummülls auf einem Abschnitt von rund tausend Kilometern Länge niederstürzen. Weil aber "Tiangong 1" noch mehrere Male in 160 Kilometern Höhe mit 27.000 Kilometern pro Stunde die Erde umrunde, sei eine genauere Vorhersage auch wenige Stunden vor dem Absturz unmöglich.

Sicher sei aber nach wie vor, dass der Weltraumschrott in einem Band von 43 Grad nördlicher Breite (dort liegt etwa Marseille) und 43 Grad südlicher Breite (dort liegt etwa die Südspitze Australiens) auf die Erde treffe. Deutschland wäre davon nicht betroffen.

Band des wahrscheinlichen Einschlags
© Mapbox © OpenStreetMap

Band des wahrscheinlichen Einschlags

Das Fraunhofer Institut twitterte am Sonntag, man habe wahrscheinlich die letzten Bilder der Station geschossen. Bei der nächsten Messung werde Tiangong wahrscheinlich schon vom Radar verschwunden sein:

Die chinesische Raumfahrtbehörde hatte zuletzt angegeben, dass sie den Absturz ihres Weltraumlabors für Montag erwarte. Sie bekräftigte, dass für Menschen keine Gefahr bestehen werde. Niemand müsse befürchten, dass die Station "wie in einem Science-Fiction-Film wild auf die Erde stürzen wird". Vielmehr werde sie sich in einen "prächtigen Sternschnuppenregen verwandeln, der durch den sternenklaren Himmel zur Erde braust".

Reibung bremst das Raumlabor

Im März 2016 war der Funkkontakt zum Raumlabor abgebrochen - "Tiangong 1" ließ sich nicht mehr steuern und auch nicht mehr kontrolliert in die Erdatmosphäre manövrieren.

Die Reibung bremst Tiangong-1 seitdem immer weiter ab, sodass das Raumschiff kontinuierlich an Höhe verliert. Ursprünglich lag die Bahnhöhe bei etwa 370 Kilometern, aktuell sind es nur noch 160 Kilometer.

China, das ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm unterhält, hatte "Tiangong 1" im September 2011 im Weltall ausgesetzt. Auf dem Außenposten im All koppelten mehrere bemannte und unbemannte Raumschiffe an, doch seit 2013 hat kein Taikonaut mehr die Raumstation betreten. Im September 2016 schickte China den Nachfolger "Tiangong 2" ins All. Bis 2022 soll daraus eine große, ständig bemannte Raumstation entstehen.

oka/AFP/dpa

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multi_io 01.04.2018
1. Man kann es eingrenzen
Aufgrund des immer kürzeren Zeitfensters für den Absturz kann man über den Groundtrack in diesem Zeitfenster den Einschlagsort sehr wohl schon genauer eingrenzen als nur "irgendwo zwischen 43 Grad Nord und Süd". Die USA beispielsweise sind als Einschlagsgebiet schon ausgeschlossen, obwohl große Teile davon in diesem Breitengrad-Bereich liegen. Siehe hier: http://www.satflare.com/track.asp?q=37820#TOP
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