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Esa-Raumsonde: "Rosetta" meldet sich wieder zum Dienst

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"Rosetta": Esa-Sonde ist wieder wach Fotos
AFP / Esa Medialab / C.Carreau

Gut zweieinhalb Jahre verbrachte die Esa-Raumsonde "Rosetta" im Tiefschlaf, um Energie zu sparen. Nun ist sie wach - und macht sich bereit für eine Landung auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko. Ein solches Manöver gab es noch nie.

Berlin - Nach bangem Warten fing die 70-Meter-Antenne das schwache Signal doch noch auf: Die Esa-Sonde "Rosetta" hat sich nach rund zweieinhalb Jahren Tiefschlaf wieder auf der Erde zurückgemeldet - aus rund 807 Millionen Kilometern Entfernung. Und mit etwas Verspätung.

"Ich bin überzeugt, dass 'Rosetta' aufwacht", hatte Gerhard Schwehm, Missionsmanager bei der Esa, zuvor im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt. Nun hat er also recht behalten. "Die Raumsonde ist da. Sie ist wach und wir sind alle überwältigt", sagte er nach dem Empfang des Signals. Registriert wurde es im Goldstone Deep Space Communications Complex der US-Weltraumbehörde Nasa.

In den Stunden zuvor hatten sich die Systeme der Bordelektronik nach und nach wieder hochgefahren. Außerdem stoppte die Sonde die Drehung um die eigene Achse und orientierte sich zur Navigation wieder an den Sternen. Zum Aufwecken von "Rosetta" brauchte es kein spezielles Kommando, den Job übernahm ein interner Wecker. Weil die Energie noch immer knapp ist, werden Heiz- und Kommunikationstechnik einstweilen im Wechsel an- und ausgeschaltet.

3D-Modell der Raumsonde
Die "Rosetta"-Mission wird vom Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt geleitet. Hier wurde das Signal am Montagabend auch mit großer Begeisterung aufgenommen. Zuvor hatte es bange Minuten gegeben, weil sich "Rosetta" erst rund einer Dreiviertelstunde nach der ersten Möglichkeit meldete.

Bremsmanöver im Mai

In den kommenden Wochen und Monaten wird von Darmstadt aus der weitere Kurs der Sonde bestimmt. "Rosetta" ist seit März 2004 auf dem Weg zum Kometen Tschurjumow-Gerasimenko. Dort soll die Sonde eine Landeeinheit absetzen. Mehrfach hat sich "Rosetta" auf ihrem Weg zum Ziel Schwung an der Erde geholt. Eine stark elliptische Bahn um die Sonne führte das fliegende Observatorium in abgelegene Winkel des Sonnensystems, beinahe bis hinaus zum Jupiter.

Dort kommt nur noch wenig Strahlung von der Sonne an. Das ist ein Problem, weil "Rosetta" ihren Strom durch 64 Quadratmeter messende Solarzellen bekommt. Daher waren seit dem 8. Juni 2011 so gut wie alle Systeme an Bord ausgeschaltet. Nur ein Computer und einige Heizelemente blieben an - bis der Abstand zur Sonne wieder passte.

Das ist nun der Fall, die Pause ist zu Ende. Die nächste wichtige Etappe der Mission beginnt mit einem Bremsmanöver im Mai: Aktuell eilt "Rosetta" mit einem Kilometer pro Sekunde auf den Kometen zu, nach einem Bremsmanöver sollen es dann höchstens noch 200 Meter pro Sekunde sein.

Im August soll "Rosetta" dann in einen Orbit um ihr Ziel einschwenken. Dabei soll sich die Sonde dem Kometen auf bis zu zehn Kilometer nähern. Die Bahn muss dafür ständig korrigiert werden. In Darmstadt rechnet man mit einem Steuermanöver alle ein oder zwei Tage. Die Orbits sollen aber so gewählt werden, dass "Rosetta" auch nach sieben Tagen ohne Eingriff von der Erde noch nicht auf den Kometen stürzen würde, so Paolo Ferri, Chef des "Rosetta"-Missionsbetriebs bei der Esa.

Für den 10. November ist dann der Höhepunkt der Mission geplant: Die Sonde soll die Landeeinheit "Philae" auf der Oberfläche von Tschurjumow-Gerasimenko absetzen. Solch ein Manöver hat es bisher noch nicht gegeben. Ähnlich wie Asteroiden sind auch Kometen Überbleibsel aus der Frühzeit unseres Sonnensystems. Forscher gehen davon aus, dass sie sich in dessen äußeren Bereichen gebildet haben.

"Bei allen bisherigen Kometenmissionen hatte es sich lediglich um Vorbeiflüge gehandelt, die eine Momentaufnahme im Leben dieser eisigen Schatzkisten darstellten", so der "Rosetta"-Projektwissenschaftler der Esa, Matt Taylor. Mit der Sonde könne man nun die Entwicklung eines Kometen täglich und über den Zeitraum von mehr als einem Jahr verfolgen - "womit wir einzigartige Einblicke in die Vorgänge auf diesen Himmelskörpern und letztlich auch neue Hinweise auf deren Rolle bei der Entstehung des Sonnensystems erhalten werden".

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1. Bravo!
partey 20.01.2014
Ich ziehe meinen -virtuellen- Hut vor den ESA-Mitarbeitern und ich gratuliere Thomas Reiter, dass er diese Mission als ESA-Direktor erleben darf. Die ESA-Leute können wirklich stolz sein.
2. sehr interessant
hgg66 20.01.2014
toll, was man heute alles machen kann. Aber was bringt das? Welchen Nutzen bringt es der Menschheit, wenn sie weiß, wie das Weltall entstanden ist? Natürlich ist der Mensch neugierig und sucht allen Dingen auf den Grund zu gehen. Aber löst das auch nur eines unserer wirklich brennenden Problemen? Sei es jetzt Raumfahrt oder die Forschungen in Genf oder sonst wo - mir erschließt sich der Nutzen nicht - abgesehen von Teflon
3. Unglaublich
grafzet 20.01.2014
Wenn die Mission so verläuft wie geplant, dann alle Achtung vor den Beteiligten. Die Präzision, ein so kleines Objekt in den Weiten des Alls in derart nah zu studieren, wäre wirklich eine Meisterleistung.
4.
schwerpunkt 20.01.2014
Eine Maschine über diese räumlichen und zeitlichen Distanzen am Leben zu erhalten und zu derartig zu dirigieren, ist schon eine beeindruckende technische Meisterleistung (Gratulation und meinen Respekt dazu), welche nötig ist um derartige Informationen, wie sie z.B. auch Rosetta" finden sollen, zu gewinnen. Und die Aufforderungen an andere Länder, Nationen, Organisationen und Menschen es gleich zu tun oder gar besser. DAS wäre doch mal wirklich konstruktiver Wettbewerb. :-)
5.
schwerpunkt 20.01.2014
Zitat von hgg66toll, was man heute alles machen kann. Aber was bringt das? Welchen Nutzen bringt es der Menschheit, wenn sie weiß, wie das Weltall entstanden ist? Natürlich ist der Mensch neugierig und sucht allen Dingen auf den Grund zu gehen. Aber löst das auch nur eines unserer wirklich brennenden Problemen? Sei es jetzt Raumfahrt oder die Forschungen in Genf oder sonst wo - mir erschließt sich der Nutzen nicht - abgesehen von Teflon
Ja, das scheint ganz offensichtlich.
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