"Goce" verglüht Esa-Satellit zerbricht nahe Falklandinseln

Der Esa-Satellit "Goce" war fast dreimal so lange unterwegs wie geplant, doch nun war der Treibstoff verbraucht. Nach mehr als als vier Jahren ist "Goce" über dem südlichen Atlantik in der Atmosphäre verglüht.

Esa-Satellit "Goce" (künstlerische Darstellung): Ursprünglich sollte die Mission nur eineinhalb Jahre dauern
DPA/ESA

Esa-Satellit "Goce" (künstlerische Darstellung): Ursprünglich sollte die Mission nur eineinhalb Jahre dauern


Frascati - Eine erfolgreiche Mission ist zu Ende: Der Satellit "Goce" ist nach vierjährigem Aufenthalt in der Atmosphäre verglüht. Er sei um 01.23 Uhr MEZ über dem südlichen Atlantik südlich der Falklandinseln zerborsten, teilte die Europäische Raumfahrtbehörde Esa im italienischen Frascati mit. Der fünf Meter lange und 1,1 Tonnen schwere Satellit zerbrach in mehrere Teile. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa ein Viertel der Masse die Erdoberfläche erreichte.

"Wir werden nie wissen, wie viele Teile es waren", sagte Robert Meisner, Esa-Sprecher für Erdbeobachtungen. Wie erwartet habe es keine Schäden gegeben.Dutzende Satelliten endeten bereits ähnlich, ohne dass es Unfälle gab.

"Goce" (Die Abkürzung steht für Gravity Field and Steady-State Ocean Circulation Explorer) hatte ein neues Bild der Erde gezeichnet. Mit Messungen des Schwerefelds in zuvor unerreichter Genauigkeit lieferte er erstmals ein weltweites einheitliches und zentimetergenaues Höhenprofil. Unter anderem können damit unterschiedliche Höhenangaben von Bergen vereinheitlicht und Probleme bei Bauvorhaben besser gelöst werden.

Die Daten dokumentieren auch den Anstieg des Meeresspiegels und Strömungsveränderungen, die für Klimamodelle wichtig sind. "Goce" registrierte zudem für das menschliche Ohr unhörbare Infraschallwellen, die das schwere Erdbeben im März 2011 in Japan ausgelöst hatte.

In immer gleicher Höhe über der Erde ermittelte der Satellit die unterschiedliche Erdanziehung mit feinen Beschleunigungsmessern, die kleinste Veränderungen der Gravitationsbeschleunigung aufspüren. Das Ergebnis: Die Erde ist nur annähernd eine Kugel. In zehntausendfacher Übersteigerung sieht sie vielmehr aus wie eine Kartoffel. Die unterschiedliche Stärke des Schwerefeldes bewirkt auf den Ozeanen Wölbungen und Eindellungen.

Präzise Vermessung der Erdoberfläche

Der Meeresspiegel bietet keineswegs einen einheitlichen Höhen-Nullpunkt. Die Länder orientieren sich an lokalen Meereshöhenmessungen an Küsten und haben daher keinen gemeinsamen Nullpunkt. Die Franzosen beziehen sich auf den Pegel in Marseille, die Engländer auf jenen in Newlyn und die Deutschen auf Amsterdam.

Die US-Mission "Grace" hatte bereits ähnliche Ergebnisse erbracht. Die Genauigkeit von "Goce" ist aber weit größer. Mitte nächsten Jahres wollen die Wissenschaftler die letzte Auswertung vorlegen. Die Höhengenauigkeit soll dann nach Angaben der koordinierenden Technischen Universität München bei zwei Zentimetern liegen.

"Goce" sollte ursprünglich nur eineinhalb Jahre in der Umlaufbahn kreisen. Dass sein Treibstoff länger hielt, hängt mit der Sonne zusammen. Ist das Zentralgestirn relativ aktiv, dehnt sich die Erdatmosphäre leicht aus. Das beeinträchtigt den Satelliten in gut 250 Kilometern Höhe: Er wird leicht abgebremst und benötigt mehr Energie, um seine Bahn zu halten. Da die Sonne in den vergangenen Jahren aber sehr ruhig war, konnte der Trabant treibstoffsparend fliegen.

Im Oktober ging der Sprit endgültig aus. Seitdem warteten die Forscher auf den Wiedereintritt in die Atmosphäre - doch auch hier ließ sich der Satellit mehr Zeit als erwartet: Anstatt nach zwei verglühte er nun erst nach drei Wochen.

nik/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Moewi 11.11.2013
1.
Zitat von sysopDPA/ESADer Esa-Satellit "Goce" war fast dreimal so lange unterwegs wie geplant, doch nun war der Treibstoff vrebraucht. Mehr als vier Jahre hat er das Schwerefeld der Erde vermessen - und dabei ein neues Bild der Welt gezeichnet. Jetzt ist er in der Atmosphäre verglüht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/esa-satellit-goce-in-erdatmosphaere-verglueht-a-932848.html
Einer der beiden Textblöcke ist offensichtlich zu viel des Guten. Bitte korrigieren!
Ratzbär 11.11.2013
2. Wiederholung
Der letzte Absatz wiederholt quasi nur das im vorhergehenden Absatz gesagte und könnte m. E. nach gestrichen würden.
sudiso 11.11.2013
3.
schade nur das man die dinger verglühen lässt anstatt sie einzusammeln und wiederzuverwerten. allein die forschungs- und produktionskosten wären eine rückführung wert. aber so werden millionen steuergelder in das all geschossen-......
Markus Landgraf 11.11.2013
4. Raumfahrt und Brötchen
Zitat von sudisoschade nur das man die dinger verglühen lässt anstatt sie einzusammeln und wiederzuverwerten. allein die forschungs- und produktionskosten wären eine rückführung wert. aber so werden millionen steuergelder in das all geschossen-......
Hmm, ich glaube, wenn Sie Goce zurück geholt und auseinandergenommen hätten, hätten Sie nicht ein einziges Eurostück gefunden. Die Steuergelder, die in der Raumfahrt ausgegeben werden, werden hier auf dem Erdboden sinnvoll ausgegeben und finden sich in den Lohntüten von den Ingenieuren und Technikern von Astrium, OHB, Thales, ..... , von wo aus sie Dann zum Bäcker wandern, denn Ingenieure lieben Brötchen zum Frühstück.
Markus.U 11.11.2013
5. Einsammeln - Schnapsidee!
Das einsammeln und zurückführen ist so aufwändig, dass es billiger ist, die Dinger verglühen zu lassen und bei Bedarf einen neuen Satelliten zu bauen. Und der Vorwurf, dass im All Millionen (wenn, dann eher Milliarden) verbraten werden ist auch Quatsch. Der Mehrwert ist ein in der Geschichte nur mit der industriellen Revolution vergleichbarer Innovationsschub in der Elektronik, im Computing, im Motorenbau und der Feinmechanik (uvm).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.