Verschollene Marssonde Hier liegt "Beagle 2"

Mehr als elf Jahre gab es keine brauchbaren Informationen, jetzt scheint das Schicksal der Marssonde "Beagle 2" geklärt. Neue Fotos belegen, dass ihr die Landung auf dem Roten Planeten geglückt ist - sie dann aber den Dienst quittiert hat.

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NASA/ JPL-Caltech/ Univ. of Arizona/ Univ. of Leicester

Viel mehr Popkultur war kaum möglich. Die Britpopper von "Blur" hatten das musikalische Landesignal komponiert, vom Künstler Damien Hirst stammte das Testbild für die Kameras. Als zu Weihnachten 2003 die Forschungssonde "Beagle 2" auf dem Mars aufsetzen sollte, war die öffentliche Begeisterung in Großbritannien groß. Sonst war das Land in der Raumfahrt sehr zurückhaltend - doch diesmal fühlte man sich ganz vorn bei der Erforschung des Sonnensystems.

Ein Team um Colin Pillinger von der Open University in Milton Keynes hatte die mit 30 Millionen Euro extrem billige Mission bei der Europäischen Raumfahrtorganisation (Esa) durchgedrückt. Zum ersten Mal würde eine europäische Sonde den Abstieg auf einen fremden Planeten wagen. Es ging um nicht weniger als die Suche nach Leben.

Der Euphorie folgte die Ernüchterung: "Beagle 2" war zusammen mit dem Orbiter "Mars Express" zum Roten Planeten geflogen, doch nach dem Abkoppeln von der Muttersonde meldete sich der Lander nicht auf der Erde. Sein Schicksal wurde nie endgültig geklärt - bis jetzt. Am Freitagvormittag hat die britische Weltraumagentur Bilder veröffentlicht, mit denen sich die Landung von "Beagle 2" rekonstruieren lässt.

Die Fotos stammen von der "HiRise"-Kamera des "Mars Reconnaissance Orbiter" der US-Weltraumbehörde Nasa. Sie belegen, dass "Beagle 2" den Mars wohl tatsächlich erreicht hat, nur fünf Kilometer vom Zentrum der geplanten Landezone entfernt, in einem weiten Becken nahe des Marsäquators.

Eine Art von Erfolg - mit elf Jahren Verspätung

Nach dem Aufsetzen sollte sich die Sonde öffnen wie eine elegante Taschenuhr - zunächst die Solarmodule zur Energieversorgung, dann der Greifarm für die wissenschaftlichen Experimente. Dazu ist es nie gekommen. Offenbar wurden nur einer oder zwei der vier Sonnenkollektoren automatisch ausgefahren. Damit war die für die Kommunikation nötige Antenne verdeckt - und "Beagle 2" blieb stumm. Über die genauen Gründe könne man nur spekulieren, so die beteiligten Forscher. Klar ist aber: Der Fehler lässt sich nicht beheben.

Zur Präsentation der Ergebnisse hatte die UK Space Agency ins ehrwürdige Ambiente des Kohn Centre der Royal Society in London geladen: dunkle Holzvertäfelung, großformatige Gemälde an den Wänden, dezente Deckenbeleuchtung - die perfekte Umgebung für eine Art Erfolgsmeldung. Wenn auch mit mehr als elf Jahren Verspätung. "'Beagle 2' ist nicht länger verschollen", erklärte David Parker, Chef der britischen Weltraumagentur. Auf den Bilder sei zu erkennen, dass es keinen Crash gegeben habe. Man muss freilich sehr genau hinsehen, um als Laie überhaupt etwas auf den Fotos zu erkennen.

Schon seit Tagen hatte es in der britischen Presse Spekulationen über das Schicksal von "Beagle 2" gegeben. In den Berichten war von einem Absturz die Rede gewesen. Das scheint aber falsch, folgt man der Interpretation von Experten wie dem Planetenforscher John Bridges von der University of Leicester.

Erste Erfolgsmeldung 2005 ließ sich nicht halten

Er berichtete von der schwierigen Suche nach der Sonde. "Beagle 2" hatte nur einen Durchmesser von knapp zwei Metern, deswegen war sie so schwer zu finden. Die "HiRise"-Kamera kann aus einer Höhe von 300 Kilometern im Idealfall Objekte aufspüren, die 30 Zentimeter groß sind. Diese erscheinen dann auf Bildern in der Größe von einem Pixel.

Entsprechend knifflig ist es, ein Objekt von dem Ausmaßen eines Gartentisches auszumachen. Es gilt, fünf oder sechs leicht anders gefärbte Bildpunkte in einem Datenmeer von Milliarden Pixeln zu finden, die die Sonde aus dem Zielgebiet übertragen hat.

2005 sah es schon einmal so aus, als sei "Beagle 2" entdeckt worden. Pillinger, der Vater des Projekts, wollte die Sonde auf Bildern des Nasa-Orbiters "Mars Global Surveyor" gefunden haben. Aus Pillingers Sicht waren Hauptfallschirm, Airbags und Spuren eines großen Einschlags in einem Krater zu sehen. Allerdings konnte der "Mars Reconnaissance Orbiter" die Entdeckung nicht bestätigen.

Nun hat das doch noch funktioniert, scheint es. Fallschirme, Airbags und ein Hitzeschild sollten den Sturz von "Beagle 2" auf die Marsoberfläche abbremsen. Und wie es aussieht, haben sie tatsächlich funktioniert. Auf dem Bild findet sich der Hauptfallschirm ganz in der Nähe der Sonde auf der Marsoberfläche. Auch eine Abdeckung und ein Hilfsfallschirm sind zu sehen.

"Zumindest sind wir auf dem Mars gelandet", kommentiert Esa-Chef Jean-Jacques Dordain die Aufnahmen. Pillinger kann sich über die Meldung vom Freitag allerdings nicht mehr freuen. Er ist im Mai 2014 gestorben. Seine Ehefrau Judith hat ebenfalls an der Sonde mitgearbeitet. Sie sagte der BBC, ihr Mann habe Fußball-Analogien geliebt. Der Umstand, dass "Beagle 2" den Mars tatsächlich erreicht habe, sei vergleichbar mit einem Lattentreffer. Und der sei immer noch besser, als ganz am Tor vorbeizuschießen.

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
j.vantast 16.01.2015
1. Geiz ist geil
Vielleicht hätten die Briten dann doch lieber etwas mehr als nur 30 Millionen investieren sollen? Oder lag es an der Elektronik? Die Briten sind ja eher berühmt dafür das Elektrik und Elektronik aus GB ehr unterirdische Qualität haben (Lucas- King of Darkness).
c218605 16.01.2015
2. Unsinn
Es gibt unzaehlige teure und wesentlich peinlichere Fehlversuche. Cliamet Orbiter ist 1999 sogar in der Atmosphaere des Mars verbrannt weil statt Meter in Meilen gerechnet wurde.
tailspin 16.01.2015
3. Doch noch fuer etwas gut
Irgendwelche Alien Archaeologen werden das Ding mal finden und als singulaere Hinterlassenschaft einer entwickelten ausgestorbenen Kultur bewerten.
eisbaerchen 16.01.2015
4. Nun ja,
Geld wurde schon unsinniger versenkt...
leo19 16.01.2015
5. Die Sonde ist sicher von den grünen Männlein abgeschaltet worden.
Die wollen nicht, dass die Menschen den Mars in Besitz nehmen. Und schon garnicht die Briten mit Dudelsackklängen aufmarschieren.
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