Technik-Test bei der Esa: Rrrrrrrrums!

Qinetiq/ ESA

Warum jagt man ein Geschoss knapp unterhalb der Schallgeschwindigkeit in zehn Tonnen Eis? Weil sich so die Technik für zukünftige Weltraummissionen testen lässt. Bis die kosmische Kanonenkugel praktisch zum Einsatz kommt, dauert es aber noch.

Europa ist ein ziemlich kühles Plätzchen. Höchstens minus 150 Grad lassen sich an der Oberfläche des Jupitermondes messen. Der ferne Himmelskörper ist von einer dicken Kruste aus Wassereis bedeckt. Und was darunter liegt, das fragen sich Forscher schon seit langem. Denn unter der frostigen Oberfläche könnte ein tiefer Ozean aus flüssigem Wasser schlummern - und, zumindest theoretisch, auch Leben eine Heimat bieten.

Im "Future Missions Preparation Office" der europäischen Weltraumagentur Esa macht man sich Gedanken um Raummissionen, die in ferner Zukunft einmal auf den Weg gebracht werden könnten. Wie der Name schon sagt. Und natürlich wäre da auch Europa ein attraktives Ziel. Die Idee: Ein Art Geschoss könnte mit ungeheurer Wucht die oberste Schicht der Eiskruste zerstoßen - und so weiter unten liegendes Material für Analysen zugänglich machen. So ein Flugkörper müsste Zehntausende von Kilometern in der Stunde schnell sein. Zumindest ein paar Meter Eis ließen sich so wohl beim Aufschlag pulverisieren.

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Jupitermond Europa: Kalte Kruste, flüssige Tiefen
Bei einem Test in einem britischen Militärforschungszentrum ließ sich kürzlich zumindest erahnen, mit welcher Wucht so ein Aufprall erfolgen würde. Ein Dutzend Feststoffraketen hatten einen 40 Zentimeter langen und 20 Kilogramm schweren Einschlagkörper für den Versuch auf knapp unter die Schallgeschwindigkeit beschleunigt. Beim Aufschlag auf Eis wurde der tonnenschwere Block in Sekundenbruchteilen schwer beschädigt. Die Tests sollen dabei helfen, dass im Inneren des Forschungsgeschosses - gut gefedert - wissenschaftliche Ausrüstung transportiert werden kann. Das Innenleben habe gearbeitet "wie erwartet und auch der Aufprallschutz hat den Einschlag überlebt", so Marie-Claire Perkinson vom Raumfahrtkonzern Astrium.

Der Einschlagkörper wurde mit dem unvorstellbaren Wert der 24.000-fachen Erdbeschleunigung abgebremst. Zum Vergleich: Raumfahrer müssen bei der Rückkehr zur Erde normalerweise mit drei- oder vierfacher Erdbeschleunigung zurechtkommen.

Eins muss allerdings gesagt werden: So spektakulär die Bilder des Tests auch sind - ein weiteres Geschoss wurde auf 200 Tonnen Sand abgefeuert -, eine Mission zur Oberfläche von Europa steht in den kommenden Jahren noch nicht an. Die aus Kostengründen abgeblasene Nasa-Mission "Jupiter Icy Moons Orbiter" hätte sich den Jupitermond aus der Nähe ansehen sollen. Auch die anschließend von Amerikanern und Europäern gemeinsam ins Auge gefasste "Europa Jupiter System Mission" hatte ähnliches vor. Und auch diese Pläne mussten zu den Akten gelegt werden.

Nun soll die Esa-Sonde "Juice" nach 2030 zumindest mehrmals an Europa vorbeifliegen. Doch bis auf der Eiskruste einmal eine Sonde von der Erde landet - ganz sanft und mit einem Bohrer versehen oder als wuchtiges Geschoss - wird noch viel Zeit vergehen.

chs

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