Essen im All: Deutscher Sternekoch verwöhnt Raumfahrer

Schwerelosigkeit statt "Schwarzwaldstube": Normalerweise werden die Gerichte von Sternekoch Harald Wohlfahrt in einem Edel-Restaurant in Süddeutschland kredenzt. Nun können sich auch die Bewohner der Internationalen Raumstation auf ein Mahl freuen.

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Weltraumnahrung de luxe: Schöner Schlemmen im All
Baiersbronn - Harald Wohlfahrt hat Könige und Staatsoberhäupter verwöhnt, Feinschmecker und Restaurantkritiker begeistert. Nun bewirtet der Drei-Sterne-Koch aus dem Schwarzwald auch noch Astronauten: Eine seiner Kreationen wird neuerdings in der Internationalen Raumstation (ISS) aufgetischt. Und den Astronauten schmeckt das überirdische Mahl des Sternekochs. Vor allem seine Kalbsbäckchen, so hört man, kommen gut an.

Der inzwischen zurückgekehrte erste europäische ISS-Kommandant, Frank De Winne, hatte das Menü vor seinem Abflug getestet - und für den Speiseplan empfohlen. "Gewünscht wurde nichts Feines, sondern etwas Deftiges, Rustikales", erzählt der Starkoch. Wohlfahrt kredenzte deswegen drei Gänge Hausmannskost:

  • Schwäbische Kartoffelsuppe als Vorspeise
  • geschmorte Kalbsbäckchen mit Pfifferlingen als Hauptspeise
  • zum Nachtisch ein Zwetschgenkompott in Sternanis-Gewürzsud

Entstanden ist die Idee vom Wohlfahrtschen Weltallmenü bei einem Besuch des einstigen Raumfahrers Ernst Messerschmid in Wohlfahrts Restaurant. Danach dauerte es anderthalb Jahre, ehe das edle "Fresspaket" Ende vergangenen Jahres tatsächlich abheben konnte.

"Wir mussten viele Hindernisse aus dem Weg räumen", erzählt Wohlfahrt. Anfangs habe er keine Ahnung gehabt, was im All überhaupt gegessen werde. Der Spitzenkoch ließ sich von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) schulen, wälzte nach Dienstschluss Fachliteratur und lernte zum Beispiel, dass der Geschmackssinn im All nicht ganz so gut funktioniert. Deshalb sollten die Speisen stark gewürzt sein. Problematisch ist allerdings Salz, weil es den im Weltraum ohnehin problematischen Knochenabbau beschleunigt. Speziell zugesetzt werden muss hingegen Vitamin D - weil es den Astronauten wegen des Mangels an Sonnenlicht fehlt.

Schon längst müssen Raumfahrer ihren Hunger nicht mehr mit faden Kohlehydratpasten und Energiedrinks stillen. "Man versucht, den Astronauten wirklich eine normale irdische Ernährung zu bieten", sagt Martina Heer. Sie ist wissenschaftliche Ernährungsberaterin bei der Esa. Allerdings müssten die Produkte so konserviert sein, dass sie mindestens ein Jahr haltbar seien. Dafür werden die meist aus den USA oder Russland stammenden Weltall-Speisen entweder gefriergetrocknet oder - wie im Falle der Wohlfahrtschen Menüs - in sterilen Konserven eingeschweißt.

In diesem Fall ist es wichtig, dass die Verpackung nicht zu viel wiegt. "Ein Kilo zur ISS zu transportieren, kostet rund 22.000 Dollar", erzählt Wohlfahrt. "Wir mussten also eine Konserve finden, die sehr leicht ist und trotzdem die Auflagen erfüllt, also etwa einem gewissen Druck standhält."

Gemeinsam mit einem Speziallabor wurden schließlich geeignete Metalldosen entwickelt. "Space Food" heißt es nun auf der Banderole, die auch den Inhalt des Wohlfahrtschen Menüs angibt. Die Astronauten müssen die Konserve nur noch zwischen zwei Wärmekontaktplatten erhitzen und können dann - mit den Füßen eingehakt - halb schwebend schlemmen.

Wissenschaftlerin Heer lobt das besondere Menü für die Schwerelosigkeit. Zwar sei der Kalorienbedarf nicht viel höher als auf der Erde, viele Astronauten hätten jedoch ein vermindertes Hungergefühl und nähmen daher zu wenig Energie und Nährstoffe zu sich. "Deswegen ist es wichtig und gut, wenn ein Koch in der Lage ist, ein attraktives Menü herzustellen, das Appetit macht." Außerdem sei ein gemeinsam verzehrtes, besonderes Mahl im All für die Seele gut.

Julia Gaschik, AFP

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