Etat-Überraschung Nasa-Budget wächst rapide

Positive Überraschung für die Nasa: Mitten in der Finanzkrise hat US-Präsident George W. Bush den Etat der Weltraumbehörde großzügig aufgestockt. 2009 soll die Nasa rund 15 Prozent mehr Geld bekommen als in diesem Jahr.


Washington - In der US-Wirtschaft herrscht Untergangsstimmung, doch bei der Nasa dürften die Sektkorken knallen: Die US-Regierung hat das Budget der Weltraumbehörde deutlich aufgestockt. 2009 wird sich ihr Etat auf rund 20,2 Milliarden Dollar (15 Milliarden Euro) belaufen, wie das Weiße Haus bekanntgab. Das seien rund 2,6 Milliarden US-Dollar mehr als 2008 - ein Plus von rund 15 Prozent.

US-Präsident Bush (2004 im Nasa-Hauptquartier): Mehr Geld für die Weltraumbehörde
DPA

US-Präsident Bush (2004 im Nasa-Hauptquartier): Mehr Geld für die Weltraumbehörde

Die Etat-Anhebung soll bis 2010 weitere Flüge zur Internationalen Raumstation (ISS) möglich machen. Zudem soll das "Alpha Magnetic Spectrometer"-Programm vorangetrieben werden. An diesem 1,5 Milliarden Dollar teuren Projekt zur Beobachtung und Vermessung der Materie im Weltraum sind mehrere europäische Staaten beteiligt, darunter auch Deutschland. Peter Hintze (CDU), Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, nannte die Entscheidung der US-Regierung einen "Durchbruch für die europäische und deutsche Weltraumforschung".

Zuvor kursierten unter Wissenschaftlern Ängste, dass die Finanzkrise zu drastischen Einschnitten bei der Weltraumforschung führen könnte. Vor allem gemeinsame Missionen der Nasa und der europäischen Weltraumbehörde Esa "können von den USA sehr leicht abgeblasen werden", sagte Gregor Morfill, Leiter des Münchner Max-Planck-Instituts für Extraterrestrische Physik, erst Anfang der Woche im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Auch der europäischen Raumfahrt sagte Morfill große Schwierigkeiten voraus. Dass die Weiterentwicklung des Automated Transfer Vehicel (ATV) – des neuen europäischen Raumfrachters – eine reelle Chance hat, könne er sich unter den derzeitigen Umständen kaum vorstellen. Mit dem unbemannten ATV namens "Jules Verne" wurden im März 2008 erstmals Material und Proviant zur Internationalen Raumstation gebracht. Nach der Weiterentwicklung sollen mit dem Frachtmodul bis zu drei Astronauten ins All transportiert werden können.

Die Esa gab sich dagegen bisher von der Wirtschaftskrise gänzlich unbeeindruckt. Ende November wolle sie den Rat der Forschungsminister um zusätzliche Mittel für ihre unbemannte Marsmission "ExoMars" ersuchen, sagte der Planetenforscher Colin Pillinger. Der Brite arbeitete einst im Apollo-Programm der USA und hat später die europäische Marssonde "Beagle 2" mitentwickelt. Er äußerte Zweifel, ob die Bitte um mehr Geld für die "ExoMars"-Sonde, die 2013 starten soll, unter den jetzigen Umständen erfolgreich sein könnte. Die aktuelle Entscheidung der US-Regierung könnte nun zumindest ein positives Signal setzen.

Sven Titz/mbe/dpa



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