Europäische Südsternwarte Neues Teleskop entzückt Astronomen

Die Europäische Südsternwarte hat ihr neues Superauge in Betrieb genommen: Das "VLT Survey Telescope" besitzt einen Spiegel mit 2,60 Metern Durchmesser - und eine 268-Megapixel-Kamera. Schon seine ersten Bilder sind atemberaubend.

ESO/ INAF-VST/ OmegaCAM

Das Very Large Telescope (VLT) auf dem Cerro Paranal in Chile gilt als eines der größten und modernsten optischen Teleskope auf Erden. Jetzt hat die Europäische Südsternwarte (Eso) ein weiteres Himmelsauge auf dem Berggipfel in der Atacamawüste in Betrieb genommen: das "VLT Survey Telescope" (VST).

Das neue Fernrohr besitzt einen Spiegel mit 2,60 Metern Durchmesser und eine Kamera mit der gewaltigen Auflösung von 268 Megapixeln. Das VST soll - anders als die vier großen Teleskope des VLT mit ihren 8,20 Meter großen Spiegeln - nicht möglichst detaillierte Aufnahmen kleiner Himmelsbereiche aufnehmen, sondern sich ums große Ganze kümmern. Nach Angaben der Eso ist das VST das größte Teleskop der Welt, das für Überblicksaufnahmen im Bereich des sichtbaren Lichts konstruiert ist. Damit ergänzt es das Vista-Teleskop, das 2008 auf dem Cerro Paranal in Betrieb genommen wurde und den Himmel im Infrarotbereich ablichtet.

Das Blickfeld des VST entspricht laut Eso einem Bereich des Nachthimmels, der doppelt so breit ist wie der Vollmond. Das Teleskop soll in den kommenden Jahren drei detaillierte Überblicksaufnahmen des Sternenhimmels über der Südhalbkugel liefern. Alle Daten würden öffentlich zugänglich gemacht.

Als Erstes hat das VST den Omega-Nebel und den Kugelsternhaufen Omega Centauri ins Visier genommen. Der Omega-Nebel, auch als Messier 17 oder NGC 6618 bekannt, ist eine turbulente Region im Sternbild Schütze, in der zahlreiche neue Sterne entstehen. Das VST verfügt über ein so großes Blickfeld, dass es den gesamten Nebel im Herzen der Milchstraße mitsamt seinen Außenbereichen erfassen konnte.

Das zweite jetzt veröffentlichte Bild ist nach Angaben der Eso "das vielleicht beste Porträt des Kugelsternhaufens Omega Centauri, das jemals entstanden ist". Auf dem Bild ist das gesamte gewaltige Objekt inklusive seiner schwach leuchtenden Randbereiche zu sehen - laut Eso insgesamt rund 300.000 Sterne.

Eso-Generaldirektor Tim de Zeeuw äußerte sich "hocherfreut über die beeindruckenden ersten Bilder" des VST und der seiner "OmegaCam". "Die einzigartige Kombination aus VST und Vista wird es erlauben, viele interessante Objekte für genauere Untersuchungen zu identifizieren."

Das VST-Programm wird gemeinsam von der Eso und Italiens Istituto Nazionale di Astrofisica (Inaf) durchgeführt. Das Inaf war für die Entwicklung und den Bau des Teleskops verantwortlich. Die 770 Kilogramm schwere "OmegaCam" mit ihren 32 CCD-Sensoren wurde von einem Konsortium aus niederländischen, deutschen und italienischen Instituten hergestellt.

mbe

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insgesamt 9 Beiträge
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alaxa 14.06.2011
1. 2,60m ?
Soo klein? Selbst Mt. Palomar hatte schon einen 5m-Spiegel! Hat die EU kein Geld mehr? Man stelle sich diese Megapixel-Kamera vor im Zusammenspiel mit einem 5m-Spiegel! Wir werden noch "Fernrohre" entwickeln, mit denen wir die Menschheitsgeschichte im Nachhinein beobachten können! Es ist ja schließlich so, dass man, je weiter man sehen kann, umso tiefer in die Vergangenheit blicken kann. Und wenn das Universum entprechend gekrümmt ist, siehe da: Wir können vielleicht sogar sehen, wie Mose durchs Rote Meer gewandert ist.
Morngwath 14.06.2011
2. Das Ding soll nur suchen
Zitat von alaxaSoo klein? Selbst Mt. Palomar hatte schon einen 5m-Spiegel! Hat die EU kein Geld mehr? Man stelle sich diese Megapixel-Kamera vor im Zusammenspiel mit einem 5m-Spiegel! Wir werden noch "Fernrohre" entwickeln, mit denen wir die Menschheitsgeschichte im Nachhinein beobachten können! Es ist ja schließlich so, dass man, je weiter man sehen kann, umso tiefer in die Vergangenheit blicken kann. Und wenn das Universum entprechend gekrümmt ist, siehe da: Wir können vielleicht sogar sehen, wie Mose durchs Rote Meer gewandert ist.
Das Teleskop ist auch nicht zur genauen Beobachtung eines Himmelskörpers gedacht, sondern zur Durchmusterung des Himmels im sichtbaren Bereich (daher auch das Survey im Titel). Insofern muss der Spiegel nicht so groß sein. Wenn die damit was interessantes entdecken, können die Astronomen das VLT bzw. VLTI darauf richten.
unclevanya 14.06.2011
3. Fortschritt für die Sterne...
Wie üblich beim SPIEGEL, werden alle möglichen Zahlen genannt.... nur nicht, was dieser neue Spaß kostet, obwohl doch sonst jedem Bürger noch der letzte Penny vorgerechnet wird, - um ihn ihm abzuknöpfen... wahrscheinlich für Scherzartikel für große Jungs wie diesen, mit dem man möglichst weit weg schauen kann von dem, was auf der Erde so passiert, - die unter unseren Augen gerade nach Strich & Faden platt gemacht wird, - hauptsächlich von der Wisssenschaft (in Kooperation mit Banken, Industrie & Politik). - Aber niemand sieht's, weil alles mit dem Flug zu fremden Sternen beschäftigt ist, - denen dann dasselbe blüht wie der armen, verhunzten Erde. - Ob Gott das wirklich so gemeint hat ?
Haywood Ublomey 14.06.2011
4. 2,60m!
Zitat von alaxaSoo klein? Selbst Mt. Palomar hatte schon einen 5m-Spiegel! Hat die EU kein Geld mehr? Man stelle sich diese Megapixel-Kamera vor im Zusammenspiel mit einem 5m-Spiegel! Wir werden noch "Fernrohre" entwickeln, mit denen wir die Menschheitsgeschichte im Nachhinein beobachten können! Es ist ja schließlich so, dass man, je weiter man sehen kann, umso tiefer in die Vergangenheit blicken kann. Und wenn das Universum entprechend gekrümmt ist, siehe da: Wir können vielleicht sogar sehen, wie Mose durchs Rote Meer gewandert ist.
Ein 5m-Spiegel würde überhaupt nichts bringen. Es geht beim VST um das Gesichtsfeld, nicht um Details. Für Weitblick und Details gibt es schließlich das VLT mit seinen vier 8,20m-Spiegeln. Das hat aber auch auch ein Gesichtsfeld wie ein Stecknadelkopf in einer Armlänge Entfernung. ;-) Naja, ein bißchen mehr ist es natürlich, je nach Betriebsart 1 bis 30 Bogenminuten. Einfach mal in http://de.wikipedia.org/wiki/VLT nachgucken … Oder den kommentierten Artikel etwas genauer lesen. ;-)
danduin, 15.06.2011
5. Asteroiden abwehr
Kann man mit solchen Teleskopen auch Asteroiden entdecken, die in der Nähe auftauchen? Könnte man nicht ein System von kleineren Teleskopen aufbauen die den Himmel automatisch absuchen, und rechtzeitig die Menschen warnen?
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