Esa-Mission "ExoMars" Softwarefehler ließ "Schiaparelli" abstürzen

Viel zu schnell ist die Marssonde "Schiaparelli" auf dem Planetenboden aufgeschlagen. Offenbar lag das an einem Kommunikationsfehler zwischen Navigationsteil und Höhenmessgerät.

Erstes Foto nach der Bruchlandung von "Schiaparelli"
MRO /NASA/JPL-Caltech/MSSS

Erstes Foto nach der Bruchlandung von "Schiaparelli"


Der Absturz der Marssonde "Schiaparelli" ist nach Einschätzung der Europäischen Raumfahrtagentur Esa von einem Kommunikationsfehler ausgelöst worden. Bei der Landung der Sonde habe es zwischen einem Radar-Höhenmessgerät und der Navigation ein Verständigungsproblem gegeben, sagte der Esa-Direktor für Missionsbetrieb, Rolf Densing, in Darmstadt. "Die beiden Software-Teile haben nicht richtig miteinander kommuniziert."

Das erste europäisch-russische Mars-Landegerät ist beim Aufprall auf der Oberfläche des Roten Planeten am vergangenen Mittwoch wahrscheinlich explodiert.

Das Höhenmessgerät habe zwar Informationen gesendet, das Navigationsteil sich aber abgeschaltet, sagte Densing. Der Fehler sei wahrscheinlich in einer Höhe von zwei bis vier Kilometer vom Mars entfernt passiert. Ersten Schätzungen zufolge ist der Lander aus dieser Höhe mit etwa 300 Kilometern pro Stunde auf die Marsoberfläche gekracht.

Landung ohne Bremse

"Die Navi-Software hat gedacht, die Landung wäre bereits vollzogen. Dann haben die Bremsraketen nur noch die minimal vorgewählte Zeit von etwa drei Sekunden gefeuert." Eigentlich hätten es rund 60 Sekunden sein müssen. Dass das Landemodul nicht richtig abgebremst wurde, hatten Experten bereits vermutet, nachdem die ersten Daten verfügbar waren.

An welchem Software-Fehler der Absturz genau liegt, müsse noch geklärt werden. Ein Zwischenbericht der Hersteller werde in etwa einer Woche erwartet, eine Abschlussbewertung in rund zwei Wochen.

Mit dem Milliardenprojekt "ExoMars" suchen Europa und Russland nach Spuren von Leben auf dem Roten Planeten. 2020 wollen sie einen Rover zum Mars schicken. Der Forschungssatellit "Trace Gas Orbiter" (TGO), der im März gemeinsam mit "Schiaparelli" zum Mars gestartet war, kreist unterdessen um den Mars. "TGO" soll künftig nach Spuren von Methan in der Atmosphäre suchen. Wird das Gas nachgewiesen, könnte dies ein Hinweis auf biologische Aktivität sein.

Video: War die Mission trotz Absturz ein Erfolg?

SPIEGEL ONLINE

jme/dpa

insgesamt 94 Beiträge
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gerd0210 26.10.2016
1. Kommt mir bekannt vor
Kenn ich auch von meinem Navi, erst nach vier km Fahrt weiß es endlich, wo sich mein Auto befindet. Und dann kommt der Hinweis: "Kehren Sie wenn möglich um". Zum Glück passiert das nur auf der Erde. Auf dem Mars endet so etwas in einem Krater.
Philipster 26.10.2016
2. kein Problem,
selbst auf der Erde schafft es Tesla & Goggle nicht, unfallfrei zu fahren. Und bevor die das schaffen, klappt die Landung auf dem Mars allemal
rainerwäscher 26.10.2016
3. Beta-Tester
Unter Softwarefehler können wir uns alle etwas vorstellen. Das kennen wir aus dem Büro. Bisher war noch jede neue Software bei uns voller Fehler. Auf der Erde ist das nicht so schlimm, da viele Anwender als Bete-Tester fungieren. Die Software-Entwickler haben sich so daran gewöhnt, dass sie vergessen haben, dass es auf dem Mars keine Beta-Tester gibt.
velence 26.10.2016
4. Milliarden in den Sand gesetzt
Wenn man die Steuerzahler in Europa und Russland nach dem Sinn dieser Marserkundung fragen würde, bekäme man wohl ein Schulterzucken als Antwort. Das hier verprasste Geld wäre auf unserem Planeten sinnvoller angelegt. Wir werden nie einen Nutzen aus dieser Forschung ziehen können.
Thomas Schnitzer 26.10.2016
5.
Nunja, einerseits ein schönes Argument dafür, extrem gründliche Integrationstests vor dem produktionalen Einsatz zu machen. Andererseits weiß ich als Entwickler aus Erfahrung, dass man wirklich nicht immer alles zu 110 % testen kann, und es immer irgendwelche übersehenen Kleinigkeiten gibt. Zum Glück wusste man das auch im Projektteam, und hat deshalb nur den Test-Betonklotz versenkt. Nun kann man reagieren, und es bei teurerer Fracht besser machen.
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