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Exoplanet: Großer Cousin der Erde entdeckt

Bei der Suche nach erdähnlichen Planeten sind Astronomen erneut erfolgreich gewesen. In relativ geringer Entfernung zu unserem Sonnensystem entdeckten sie einen Felsplaneten, der unsere Erde mehr ähnelt als alle anderen bisher entdeckten Himmelskörper.

Neuentdeckter Planet (Zeichnung): Heißer Felsbrocken
REUTERS/ NSF

Neuentdeckter Planet (Zeichnung): Heißer Felsbrocken

Die Jagd nach erdähnlichen Planeten außerhalb des Sonnensystems war erneut erfolgreich. Mehr als 120 sogenannte extrasolare Planeten kennen Astronomen bereits, aber jetzt ist ein ganz besonderes Exemplar hinzugekommen. Denn die meisten der fernen Himmelskörper sind Gasriesen, auf denen also nicht einmal theoretisch erdähnliche Bedingungen herrschen könnten. Alle sind außerdem sehr schwer, größer als der Uranus, der die fünfzehnfache Erdmasse hat. Der Neuzugang, der die Sonne Gliese 876 umkreist, ist aber vermutlich ein Planet aus Stein - und er wiegt nur etwa siebeneinhalb mal so viel wie die Erde.

"Das ist der kleinste extrasolare Planet, der bis jetzt gefunden wurde", erklärte Paul Butler vom Carnegie Institute in Washington DC. "Es ist der große Cousin der Erde."

Gliese 876 ist nur etwa 15 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt, und es ist bereits bekannt, dass er von zwei Planeten von der Größe Jupiters umkreist wird. Wie meistens bei der Entdeckung von Exoplaneten, fand man den "Erdcousin", weil sein Zentralgestirn durch die Schwerkraft seiner Trabanten zum Wackeln gebracht wird.

Ums Zentralgestirn in weniger als 50 Stunden

Jack Lissauer, theoretischer Astronom bei der Nasa, erklärt: "Wir hatten ein Modell dafür, wie die beiden Planeten miteinander interagieren, aber als wir uns den Unterschied zwischen dem Zwei-Planeten-Modell und den tatsächlichen Daten angesehen haben, fanden wir eine Signatur, die als dritter Planet interpretiert werden konnte." Dieser dritte Planet scheint Gliese 876 mit hohem Tempo zu umkreisen: 46,5 Stunden braucht er für einen Umlauf.

"Damit haben wir zum ersten mal Belege für einen felsigen Planeten, der eine normale Sonne umkreist", erklärte Geoffrey Marcy von der University of California in Berkeley. Die drei anderen felsigen Exoplaneten, die man bisher entdeckt hat, umkreisen Pulsare, also schnell rotierende, superschwere Neutronensterne.

200 Grad Celsius auf der Oberfläche

Gliese 876 dagegen ist ein roter Zwerg: Eine kleine, vergleichsweise kühle Sonne, die nur etwa ein Drittel der Masse unseres Zentralgestirns hat. Auf der Oberfläche des neuen Planeten dürfte es trotzdem etwa 200 Grad heiß sein, denn er ist dem Stern sehr nah. Er kreist nur etwa 3 Millionen Kilometer über der Sonnenoberfläche, das ist ein deutlich geringerer Abstand als der zwischen unserer Sonne und ihrem nächsten Trabanten Merkur.

Dass es auf dem heißen Felsbrocken Leben gibt, ist also eher unwahrscheinlich. Die Tatsache, dass er überhaupt existiert, nährt aber die Hoffnung, dass man eines Tages auch bewohnbare Planeten finden könnte. Steve Vogt von der University of California in Santa Cruz, ein Mitglied des Entdeckerteams, kommentierte: "Wir verschieben die Grenzen dessen, was wir entdecken können, immer weiter, wir kommen dem Punkt immer näher, an dem wir 'Erden' finden könnten." Ein Artikel, in der die Entdeckung detailliert beschrieben wird, wurde zur Veröffentlichung beim "Astrophysical Journal" eingereicht.

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