Exoplanet: Neue Super-Erde begeistert Astronomen

Ein internationales Forscherteam will einen besonders lebensfreundlichen Planeten in einem nahen Sternsystem aufgespürt haben. Auf der Suche nach einer zweiten Erde halten sie den Himmelskörper GJ 667Cc für den bisher spannendsten Kandidaten.

Ferner Planet (Zeichnung): Leben in der Nachbarschaft? Zur Großansicht
Uni Göttingen

Ferner Planet (Zeichnung): Leben in der Nachbarschaft?

Washington/Göttingen - Die Aussicht, dass es dort draußen im All eine zweite Erde geben könnte, fasziniert uns Menschen. Und weil täglich neue Exoplaneten aufgespürt werden, ist solch ein Fund wohl nur eine Frage der Zeit. Vielleicht kennen wir auch die zweite Erde sogar schon, schließlich sorgten zuletzt immer wieder Berichte für Schlagzeilen, wonach Forschern genau solch ein Fund geglückt ist. Doch ebenso regelmäßig fanden sich dann aber andere Wissenschaftler, die die Erkenntnisse des ersten Teams anzweifelten.

Oft sind viele Annahmen nötig, um einen Planeten als lebensfreundlich zu deklarieren - neben der Entfernung zum zentralen Stern ist das zum Beispiel die Zusammensetzung der Atmosphäre und die Wolkenbildung. Bei einem Fund, den Forscher um Guillem Anglada-Escudé von der Universität Göttingen nun im Fachblatt "The Astrophysical Journal Letters" vorstellen, soll das anders sein: "Diese Super-Erde bietet gute Voraussetzungen für die Existenz von flüssigem Wasser und von Leben, wie es auch auf der Erde vorkommt", schwärmt Anglada-Escudé.

"Für unseren Planeten muss man keine weiteren Annahmen treffen", sagt der Forscher im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE weiter. Konkret geht es geht um einen Himmelskörper, der um den Stern mit der Katalognummer GJ 667C kreist. Dieser ist 22 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt, gehört also zu unserer kosmischen Nachbarschaft.

Der nun entdeckte Planet GJ 667Cc hat mindestens die 4,5-fache Masse unserer Erde. Er umkreist seine Sonne in nur 28 Tagen. Weil diese als Zwergstern der M-Klasse aber wesentlich kleiner ist als unsere, befindet sich der nun entdeckte Planet damit gerade in der richtigen Entfernung für Temperaturen, bei denen Wasser flüssig ist. Flüssiges Wasser gilt als Grundvoraussetzung für das uns bekannte Leben.

Forscher ordnen den Fund als sogenannte Super-Erde ein. So werden Exoplaneten bezeichnet, die nicht sehr viel größer sind als die Erde - und wahrscheinlich aus Gestein bestehen. Ob es auf dem Exoplaneten tatsächlich Wasser oder gar Leben gibt, ist völlig unklar.

Hin- und Hertaumeln beobachtet

Nach Ansicht der Forscher um Anglada-Escudé dürfte der Planet etwa 90 Prozent der Lichtmenge abbekommen, die die Erde erreicht. Allerdings ist die Strahlung des Zentralgestirns insgesamt etwas in den Infrarotbereich verschoben. Das bedeutet, dass mehr Wärmestrahlung vom Planeten aufgenommen wird. Zusammen genommen ergebe sich damit ungefähr dieselbe Energieversorgung wie bei der Erde.

Nach Angaben von Guillem Anglada-Escudé ist es nicht klar, ob der Planet seinem Zentralgestirn stets nur eine Seite zuwendet - so wie der Mond es bei der Erde tut. Das könnte dazu führen, dass es eine extrem heiße und eine extrem kalte Seite gibt. Doch der Forscher sieht diese Gefahr nicht: "Wir vermuten, dass es eine Atmosphäre gibt, die für eine Verteilung der Wärme sorgt."

Über die Atmosphäre ließen sich nur dann mehr Details herausfinden, wenn der Planet von der Erde aus gesehen sein Zentralgestirn verdecken würde - die Strahlung des Sterns würde von der Atmosphäre des Planeten gestreut. Ob es zu einem solchen Transit kommt, wollen die Forscher jetzt herausfinden. Statistisch stehen die Chancen nicht besonders gut. Am ehesten müsste sich das Phänomen aber auf der Südhalbkugel beobachten lassen.

Nach Analysen der Wissenschaftler gibt es in dem Planetensystem noch mindestens einen weiteren Planeten, der den Stern in nur 7,2 Tagen umrundet. Möglicherweise existiert in dem System sogar noch eine weitere Super-Erde sowie ein großer Gasplanet, die dem Stern in größerem Abstand umkreisen.

Auf Planeten schließen die Forscher aus dem regelmäßigen Hin- und Hertaumeln des Zwergsterns, das entsteht, wenn die Schwerkraft seiner Begleiter an ihm zerrt. Die Wissenschaftler hatten für ihre Arbeit Daten der Europäischen Südsternwarte in Chile, des "Keck"-Observatoriums in Hawaii und vom "Magellan II"-Teleskop in Chile genutzt.

Die Entdeckung überraschte die Astronomen, da das Dreifachsternsystem GJ 667 im Vergleich zu unserer Sonne nur wenige schwerere chemische Elemente wie Eisen, Kohlenstoff und Silizium besitzt, aus denen Gesteinsplaneten wie die Erde aufgebaut sind. "Dieser Stern wurde als ziemlich unwahrscheinliche Heimat für Planeten angesehen", erklärt Co-Autor Steven Vogt von der University of California in Santa Cruz.

M-Klasse-Zwerge wie GJ 667C gehören zu den häufigsten Sternen in der Milchstraße. Für die Forscher legt die Entdeckung des neuen Planeten deswegen nahe, dass es in unserer Galaxie von potentiell bewohnbaren Gesteinsplaneten nur so wimmelt.

Wie sagte doch Pete Worden, Direktor des Ames Research Center, vor einigen Wochen auf einer Nasa-Pressekonferenz? Man wisse jetzt, "dass im Universum Planeten in Hülle und Fülle" vorhanden seien. "Es ist noch gar nicht so lange her, da ahnten wir Menschen nicht einmal, dass es Planeten außerhalb des Sonnensystems gibt."

chs/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 47 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Klasse-M Planeten...
Layer_8 02.02.2012
...scheints ja zuhauf zu geben. Interessant, 22 Lichtjahre entfernt, ein 28-Tage-Jahr. Bräuchte jetzt nur noch den Planetenradius, um bei 4,5-facher Erdmasse mein Gewicht dort zu ermitteln. Naja die Massendichte täte es ja auch. 22 Lichtjahre weit nur. Das ist doch ein Klacks, im Fall dass wir unsere Erde weiter ruinieren
2. Spekulatius gibts auch noch nach Weihnachten ...
phobos81 02.02.2012
Zitat von sysopEin internationales Forscherteam will einen besonders lebensfreundlichen Planeten in einem nahen Sternsystem aufgespürt haben. Auf der Suche nach einer zweiten Erde halten sie den Himmelskörper GJ 667Cc für den bisher spannendsten Kandidaten. Exoplanet: Neue Super-Erde begeistert Astronomen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,812977,00.html)
Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, wurde nur das taumeln des Muttergestirns beobachtet aus dem dann überhaupt die Existenz, die Entfernung zum Muttergestirn und Masse abgeleitet wurde. Leider hört es dann auch schon auf an messbaren Informationen über diese (wohl) fremde Welt. Die sonstigen Annahmen beruhen "nur" auf Modellen ausgehend auf bisherigem wissen über Planetenentstehung. Das heißt es könnte auch alles (mal wieder) ganz anders sein und die Natur hat doch noch vollkommene Überraschungen für uns parat, was diesen Planeten angeht. Ohne eine Spektralanalyse der Atmosphäre (die wie im Artikel gesagt, ziemlich unwahrscheinlich ist) sind das alles nur Mutmaßungen die auf (zugegebenermaßen ziemlich nachvollziehbaren und in sich kohärenten) anderen Mutmaßungen basieren. Aber selbstverständlich soll den Planetenforschern das fantasieren erlaubt sein! ;) PS: Es ist wirklich eine Schande das die USA unendlich viel Geld für Sachen wie Krieg und Militär und Banken und deren Boni und ... etc. etc. ausgibt aber kein Geld da ist für die NASA und ihr James-Webb Teleskop welches eine Gesamtzivilisatorische Bedeutung für den gesamten Planeten hätte, der sich nicht einmal abschätzen ließe!
3.
Hajojunge 02.02.2012
Zitat von Layer_8...scheints ja zuhauf zu geben. Interessant, 22 Lichtjahre entfernt, ein 28-Tage-Jahr. Bräuchte jetzt nur noch den Planetenradius, um bei 4,5-facher Erdmasse mein Gewicht dort zu ermitteln. Naja die Massendichte täte es ja auch. 22 Lichtjahre weit nur. Das ist doch ein Klacks, im Fall dass wir unsere Erde weiter ruinieren
22 Lichtjahre, das ist ja gleich nebenan, jedenfalls nach kosmischen Maßstäben. Mit heutiger Raketentechnik bräuchten wir ca. 450 000 Jahre, um dorthin zu gelangen. Schwer vorstellbar, daß es eine menschliche Kultur gäbe, die solch ein Ziel kontinuierlich verfolgen könnte. Plus Rückfahrt. Niemals vergessen : c = 300 000 km/s, pro Sekunde also 7,5 x um die Erde.
4. öffentliches Interesse
MtSchiara 02.02.2012
Seit alle paar Tage irgendwo ein weiterer Planet entdeckt wird, hat das Interesse an diesen Meldungen jenseits der Astronomenzunft etwas nachgelassen. Spannend wird es für die Öffentlichkeit wohl erst dann wieder werden, wenn es mit einer neuen Generation von Teleskopen möglich ist, Temperatur und Zusammensetzung der Atmosphären zu ermitteln. Sollten sie gewisse Anomalien aufweisen, wird diskutiert werden, ob diese abiotisch erklärbar sind oder man Leben auf dem Planeten annehmen muß.
5. öffentliches Interesse
MtSchiara 02.02.2012
Zitat von phobos81Es ist wirklich eine Schande das die USA unendlich viel Geld für Sachen wie Krieg und Militär und Banken und deren Boni und ... etc. etc. ausgibt aber kein Geld da ist für die NASA und ihr James-Webb Teleskop welches eine Gesamtzivilisatorische Bedeutung für den gesamten Planeten hätte, der sich nicht einmal abschätzen ließe!
Seit alle paar Tage irgendwo ein weiterer Planet entdeckt wird, hat das Interesse an diesen Meldungen jenseits der Astronomenzunft etwas nachgelassen. Spannend wird es für die Öffentlichkeit wohl erst dann wieder werden, wenn es mit einer neuen Generation von Teleskopen möglich ist, Temperatur und Zusammensetzung der Atmosphären zu ermitteln. Sollten sie gewisse Anomalien aufweisen, wird diskutiert werden, ob diese abiotisch erklärbar sind oder man Leben auf dem Planeten annehmen muß.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Exoplaneten
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 47 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Exoplanetenjagd: Der neue Erdzwilling Kepler 22b

Testen Sie Ihr Wissen!
Methoden der Planetenjagd
Die Suche nach der zweiten Erde
ESO
Die Entdeckung der ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems galt als wissenschaftliche Sensation. 1992 wiesen Forscher die ersten Exoplaneten im Orbit um den Pulsar PSR B1257+12 nach. 1995 fanden Michel Mayor und Didier Queloz erstmals einen Planeten in der Umlaufbahn eines Sterns, der unserer Sonne ähnelt. Zuvor war unter Forschern heftig umstritten, ob es überhaupt Planeten in den Tiefen des Alls gibt - oder ob unser Sonnensystem das einzige seiner Art ist. Inzwischen sind jedoch rund 600 Exoplaneten in mehr als 480 Systemen bekannt.
Die größte Hürde
Mit heutigen Teleskopen können Exoplaneten nur unter größten Schwierigkeiten direkt beobachtet werden, da ihr Heimatstern sie bei weitem überstrahlt. Astronomen sind deshalb auf indirekte Methoden angewiesen, die in den vergangenen Jahren immer weiter verfeinert wurden und die Entdeckung immer kleinerer Planeten erlauben. Das begehrteste Objekt ist eine "zweite Erde": ein Felsplanet, der in Größe und Masse der Erde ähnelt und seinen Stern in der sogenannten Grünen Zone umkreist, in der die Existenz von flüssigem Wasser auf der planetaren Oberfläche möglich ist.
Radialgeschwindigkeitsmessung
Die Messung der Radialgeschwindigkeit ist das älteste Verfahren zum Nachweis extrasolarer Planeten. Wenn ein Planet einen Stern umrundet, zwingt er ihm eine leichte Taumelbewegung auf: Der Stern schlingert wie ein Hammerwerfer. Dadurch bewegt er sich minimal auf den Betrachter zu und von ihm weg. Durch den Doppler-Effekt wird das Licht dabei abwechselnd kurzwelliger und langwelliger.

Anfangs war diese Methode noch so grob, dass mit ihr nur große Gasplaneten vom Kaliber des Jupiters entdeckt werden konnten, die ihren Stern zudem in einem engen Orbit umrunden. Leben ist auf diesen glühend heißen Giganten aber kaum möglich. Erst seit kurzem können Wissenschaftler mit dieser Methode auch kleinere Planeten von der Größe der Erde entdecken - vorzugsweise im Orbit um Rote Zwergsterne. Sie sind wesentlich kleiner und kühler als unsere Sonne, weshalb erdähnliche Planeten sie in einer engen Bahn umkreisen und dennoch lebensfreundlich sein können.
Transitmethode
Die Transitmethode kann angewandt werden, wenn ein Planet von der Erde aus gesehen direkt vor seinem Heimatstern vorbeizieht. Dabei verdeckt er einen Teil des Sternenlichts. Anhand der Abdunkelung können Astronomen auf die Existenz des Planeten schließen. Und nicht nur das: Die Transitmethode erlaubt auch gewisse Rückschlüsse auf die Atmosphäre eines Planeten. Während des Transits werden je nach Zusammensetzung der Gashülle verschiedene Wellenlängen des Sternenlichts unterschiedlich stark absorbiert. Auf diese Weise konnten Forscher in der Atmosphäre von HD 209458b Wasserstoff, Sauerstoff und möglicherweise sogar Wasserdampf nachweisen.
Gravitationslinseneffekt
Beim Gravitationslinseneffekt, auch "gravitational microlensing" genannt, wird das Licht eines Himmelskörpers durch ein Objekt im Vordergrund verstärkt. Der Effekt wird von Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie beschrieben: Die Schwerkraft eines Objekts mit großer Masse, etwa eines Sterns oder einer Galaxie, krümmt die Raumzeit und lenkt das Licht ab - so, als ob eine gigantische optische Linse im Raum schweben würde. Auf diese Weise können auch lichtschwache Objekte sichtbar werden, die Astronomen sonst verborgen blieben. Mit dieser Methode wurden bereits mehrere Exoplaneten entdeckt.