Stern Trappist-1 "Hubble" findet Hinweise auf Wasser bei drei Exoplaneten

Der Zwergstern Trappist-1 gilt als Top-Kandidat für die Suche nach einer zweiten Erde. Tatsächlich könnten die äußeren Planeten des Systems erhebliche Mengen Wasser beherbergen.

Künstlerische Darstellung der Oberfläche eines Exoplaneten bei Trappist-1
ESO/ N. Bartmann/ spaceengine.org

Künstlerische Darstellung der Oberfläche eines Exoplaneten bei Trappist-1


Es war eine außergewöhnliche Meldung, die ein Internationales Forscherteam der Esa und der Nasa im Februar veröffentlichte: Außerhalb unseres Sonnensystems, nahe des Zwergsterns Trappist-1, hatten sie gleich sieben erdähnliche Planeten entdeckt. Die Expoplaneten haben nicht nur eine ähnliche Größe wie die Erde, sechs davon verfügen auch über vergleichbar moderate Temperaturzonen.

Generell kann Wasser dort in flüssiger Form vorkommen. Das wird von Astronomen stets als wichtige Voraussetzung für die Entstehung von Leben gewertet.

Nun haben sich die Hinweise auf Wasser verdichtet: Mit dem Weltraumteleskop "Hubble" haben Forscher um Vincent Bourrier vom Observatorium der Universität Genf die Exoplaneten erneut untersucht. Tatsächlich könnten sich bei drei der Planeten in der sogenannten habitablen Zone, jenem Bereich, der für Leben tatsächlich geeignet sein könnte, noch erhebliche Mengen Wasser auf der Oberfläche befinden, schrieben die Forscher in einer Mitteilung. Ähnliches hatten bereits die Entdecker vermutet, die aktuelle Analyse erhärtet die Hinweise.

Für ihre Analyse wählten die Forscher einen indirekten Weg und schauten sich die Evolution der sieben Planeten an. Sie wollten herausfinden, wie viel Wasser im Laufe der Zeit von den Planeten ins All gelangt ist. Und welche Mengen nun noch übrig sein könnten.

Dafür maßen sie mit dem Spektrograph von "Hubble", wie viel ultraviolette Strahlung von den Trappist-1-Exoplaneten zurückgeworfen wird, ein Indikator für die Wassermenge. "UV-Strahlung ist ein wichtiger Faktor in der atmosphärischen Entwicklung von Planeten", sagt Bourrier.

Fotostrecke

4  Bilder
Exoplaneten: Sieben auf einen Streich

Denn UV-Licht ist an einem Prozess beteiligt, der Photolyse genannt wird. Dabei werden Wassermoleküle in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Zudem sorgt das UV-Licht auch für eine aufgeheizte Atmosphäre. Das führt dazu, dass die durch die Aufspaltung entstandenen Wasserstoffmoleküle ins All entweichen können. Diese Gaswolken können vom "Space Telescope Imaging Spectrograph" gemessen werden.

Die Forscher glauben, dass auf diese Weise die innen liegenden Exoplaneten Trappist-1b und Trappist-1c in den vergangenen acht Milliarden Jahren die zwanzigfache Menge an Wasser verloren haben, die in sämtliche Ozeane auf der Erde passt. Hier wurde eine hohe Menge an ultravioletter Energie gemessen. "Solche Verluste durch die Atmosphäre spielen wohl eine wichtige Rolle in der Evolution dieser Planeten", schreibt Co-Autor Julien de Wit vom Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Deutlich günstiger seien die Bedingungen aber bei den außen liegenden Planeten e, f, und g - hier haben die Forscher geringere UV-Strahlungskonzentrationen gemessen. Dort könnte der Wasserverlust in die Atmosphäre deshalb im Laufe der Zeit sehr viel geringer gewesen sein, so die Forscher. Es sei hier sehr viel wahrscheinlicher, dass noch bedeutende Wassermengen vorhanden seien. Genau sagen können das die Astronomen mit den aktuellen Messmethoden aber nicht, dafür sind noch weitere Analysen notwendig. Solche Daten könnte der "Hubble"-Nachfolger liefern, das "James Webb"-Weltraumteleskop, das 2018 starten soll.

Immer wieder haben Wissenschaftler neue Planeten im All entdeckt. Das Trappist-1-System ist aber allein deshalb interessant, weil es mit 40 Lichtjahren, rund 370 Billionen Kilometern, zumindest nach astronomischen Maßstäben unserem Sonnensystem recht nah liegt. Unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, hat einen Durchmesser von ungefähr 100.000 Lichtjahren.

Trappist-1 hat lediglich acht Prozent der Sonnenmasse und zwölf Prozent des Sonnendurchmessers. Er ist nicht einmal halb so heiß wie unsere Sonne - gerade noch heiß genug, damit sein Sonnenfeuer nicht erlischt.

joe



insgesamt 90 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
permissiveactionlink 01.09.2017
1. Nur 40 Lj entfernt !
Toll ! Die Voyager-Sonden haben sich in 40 Jahren gerade mal eben so um einen halben Lichttag von der Erde entfernt. wären zu Trappist1 also nur lächerliche 1.680.000 Jahre unterwegs. Schön, dass man zu diesen weltbewegenden Hubble-Erkenntnissen auch noch einen Kommentar abgeben kann, wo die Elemente Wasserstoff und Sauerstoff doch in beinahe jeder galaktischen Gaswolke vorkommen und in Riesenmengen bei jeder Supernova gebildet werden.Es würde mich eher wundern, wenn die da kein Wasser fänden ! Könnte, sollte, müsste, würde, hätte, hätte Fahrradkette ! Der Bericht über das Aussterben der Schuppentiere und das Auffinden von Schuppen getöteter Schuppentiere im Tonnenmaßstab (!!!) war SPON aber kein Diskussionsforum wert. Irgendwie geraten die Relationen des für uns Relevanten aus dem Lot. Als Hobbyastronom und Biologe macht mich das unendlich traurig ! Wir verwursten unsere seltensten Mit"geschöpfe" und träumen von fernen, unerreichbaren Welten mit Wasser. Falls es dort Leben gibt, hoffentlich kommen wir dann nie da hin !
Sissy.Voss 01.09.2017
2. Fast 8 Mrd Jahre alt
Das Trappist-1 System soll fast 8 Mrd. Jahre alt sein. Wenn das so ist, dann haben die Planeten dort ein paar Montage mehr Zeit gehabt, um Leben hervorzubringen, als die gute alte Erde. Wenn dann Wasserdampf das einzige ist, das auf die MÖGLICHKEIT von Leben hinweist, dann stehen die Chancen dort zum Empfang einen anständigen Kaffee zu bekommen verdammt gering. Aber gemach - gleich kommen die Optimisten und die Postapokalyptiker, wetten?
MannAusmNorden 01.09.2017
3. Ja wow... und was machen wir jetzt?
Also die Frage beantwortet sich alleine schon aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung: Es gibt genug Planeten dass wir auch mit einer 0,00001%-Warhscheinlichkeit nicht alleine sind. Die Frage ist nur: Was machen wir mit so einem Planeten? Bauen wir uns wirklich irgendwann ein "Generationenschiff" und fliegen da rüber? Was machen die Leute, wenn es unterwegs mal eine Kollision mit was großem gibt? Machen wir uns keine Illusionen: bevor wir nicht ein gigantisches Schiff bauen (Größenordnung 1 Million Menschen), das gut panzern (in einen Asteroiden einbauen) und die dann einfach los schicken a´la "so long and thanks for all the fish", wird es nix. Irgendwann wird es das vielleicht geben, aber ich gebe der Menschheit eher die Chance sich vorher selbst in die Vergessenheit zu bomben... so traurig es klingt, aber die Menschheit sollte sich erstmal darum kümmern.
jensrenner 01.09.2017
4. @2 Sissy.Voss
Falls das Leben dort ähnlich "intelligent" war wie auf der Erde, dann hat sich das Problem womöglich um das Jahr Jahr 7.000.002.100 von selbst erledigt, und der Planet hat nun seit rund 1 Mrd. Jahre wieder seine Ruhe. Fast schon wieder beruhigend zu wissen.
zeichenkette 01.09.2017
5.
Zitat von MannAusmNordenAlso die Frage beantwortet sich alleine schon aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung: Es gibt genug Planeten dass wir auch mit einer 0,00001%-Warhscheinlichkeit nicht alleine sind. Die Frage ist nur: Was machen wir mit so einem Planeten? Bauen wir uns wirklich irgendwann ein "Generationenschiff" und fliegen da rüber? Was machen die Leute, wenn es unterwegs mal eine Kollision mit was großem gibt? Machen wir uns keine Illusionen: bevor wir nicht ein gigantisches Schiff bauen (Größenordnung 1 Million Menschen), das gut panzern (in einen Asteroiden einbauen) und die dann einfach los schicken a´la "so long and thanks for all the fish", wird es nix. Irgendwann wird es das vielleicht geben, aber ich gebe der Menschheit eher die Chance sich vorher selbst in die Vergessenheit zu bomben... so traurig es klingt, aber die Menschheit sollte sich erstmal darum kümmern.
Was wir damit machen? Ganz einfach: Forschen. Man kann z.B. das von den Planeten reflektierte Licht isolieren, um über das Spektrum die Zusammensetzung der Atmosphäre herauszufinden. Aber klar, für alle, die immer nur wissen wollen "kann ich das essen?" und alles für sinnlos und uninteressant halten, was sie nicht essen, anfassen oder sonstwie benutzen können, ist das alles völlig sinnlos. Für andere ist das aber interessante und bahnbrechende Forschung, mit der wir mehr über das Universum herausfinden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.