Exoplaneten Forscher spekulieren über Wasserwelten im All

Ein neu entdecktes Planetenpaar fasziniert die Astronomen. Das Duo kreist um den Stern Kepler-62. Die Planeten sind nur wenig größer als die Erde und könnten komplett von Wasser bedeckt sein - beste Voraussetzungen für Leben.

CFA

Von


Ein einziges Pixel, mehr sah "Voyager 1" nicht von der Erde. Die Sonde war im Februar 1990 eigens gedreht worden, um beim Flug hinaus aus dem Sonnensystem noch einmal unsere Heimat zu knipsen - aus mehr als sechs Milliarden Kilometern Entfernung. Unter dem Namen "Pale Blue Dot", also hellblauer Punkt, wurde das Foto weltberühmt.

Nun sind Astronomen von zwei neu entdeckten Exoplaneten fasziniert, die aus der Ferne ganz ähnlich aussehen könnten. Allerdings sind sie 1200 Lichtjahre von der Erde entfernt. Das heißt, dass es vergleichbare Fotos von ihnen niemals geben wird. Das Nasa-Teleskop "Kepler" ist den Planeten indirekt auf die Spur gekommen, weil sie auf dem Weg um ihren Stern diesen regelmäßig kurz verdecken. Dabei flackert er von der Erde aus gesehen leicht. Transitmethode heißt das Verfahren, mit dem nach solch verräterischen Signalen gefahndet wird.

"Kepler" hat schon mehr als 170.000 Sterne näher untersucht und dabei mit der Methode zahlreiche Exoplaneten entdeckt. Doch Kepler-62 im Sternbild Leier und seine Nachbarschaft erscheinen nun besonders interessant: Der Himmelskörper ist etwas kleiner und kühler als unsere Sonne. Um ihn könnten gleich zwei erdähnliche Planeten kreisen.

Im Fachmagazin "Science" berichten William Borucki vom Nasa Ames Research Center und Kollegen, dass sie um den Stern insgesamt fünf Exoplaneten entdeckt haben. Zwei von ihnen, Kepler-62e und f, liegen wahrscheinlich in der lebensfreundlichen Zone - also dort, wo es flüssiges Wasser geben könnte. Denn das ist die Voraussetzung für Leben, zumindest so, wie wir es kennen.

Korpulente Geschwister der Erde

Auf einer Nasa-Pressekonferenz wurden die Ergebnisse des Teams am Donnerstag vorgestellt. Es geht um die kleinsten bisher bekannten Planeten im lebensfreundlichen Bereich eines fernen Sternensystems. Beide Himmelskörper sind wohl etwas korpulente Geschwister unseres Heimatplaneten: Der Radius von Kepler-62e liegt bei 1,6 Erdradien; bei Kepler-62f sind es 1,4. Die Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass es sich um Gesteinsplaneten handelt.

Ganz sicher sein können sie sich freilich nicht - denn die Masse der beiden lässt sich wegen der großen Entfernung nicht bestimmen. Also braucht es Tricks, um Kepler-62e und f besser zu verstehen. Lisa Kaltenegger vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, die auch am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge arbeitet, und ihr dortiger Kollege Dimitar Sasselow haben dazu Simulationen angestellt.

"Wir wissen nicht, ob Leben sich überall entwickelt. Aber wenn es das tut, dann wären diese beiden Planeten großartige Kandidaten für Leben", schreibt Kaltenegger in einer Mail an SPIEGEL ONLINE. In einer kommenden Ausgabe des Fachmagazins "Astrophysical Journal" berichten die Forscher, dass womöglich die gesamte Oberfläche der Planeten mit Wasser bedeckt sein könnte. Denn dieses Bild bietet sich, wenn man im Modell für die neu gefundenen Planeten dieselbe chemische Zusammensetzung annimmt wie auf der Erde.

Direkter Nachweis von Leben bisher nicht möglich

Allerdings bräuchte Kepler-62e zur Kühlung eine Atmosphäre mit vergleichsweise vielen Wolken - weil er noch immer recht nah an seinem heißen Zentralgestirn liegt. Das heißt, er erhält von dort mehr Strahlungsenergie als die Erde von der Sonne. Kaltenegger sagt, sie halte die Wolkenbildung aber für durchaus wahrscheinlich, weil bei höheren Temperaturen mehr Wasserdampf in der Atmosphäre landet.

Kepler-62f wiederum liegt am anderen Ende der lebensfreundlichen Zone. Das bedeutet: Für flüssiges Wasser wäre auf dem Planeten ein gehöriger Treibhauseffekt nötig, verursacht von einer stark CO2-haltigen Atmosphäre. Andernfalls würde Kepler-62f wohl als riesiger Schneeball durchs All rasen.

Ein direkter Nachweis von Leben auf den neu entdeckten Planeten ist bisher nicht möglich. Das ließe sich zum Beispiel mit einem spektroskopischen Blick auf die Atmosphären klären. Doch dazu sind bestehende Teleskope nicht präzise genug. Gerade hat die Nasa beschlossen, dass sie im Jahr 2017 eine Sonde namens "Tess" ("Transiting Exoplanet Survey Satellite") auf den Weg schicken will. Sie soll näher an der Erde gelegene Exoplaneten finden. Und die wiederum könnte sich ab 2018 dann das "James Webb Space Telescope" mit seinem Spektrometer vornehmen.

Doch Kepler-62e und f werden auch dann weiterhin unbehelligt ihrer Bahnen ziehen. Sie sind zu weit von uns entfernt, um auch nur als bläuliches Pixel zu taugen.

Dem Autor auf Twitter folgen:

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 52 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Wirbelwind 18.04.2013
1. 1200 Lichtjahre
1200 Lichtjahre. Das Licht, welches wir heute aus diesem Sonnensystem empfangen, wurde also emittiert, als hierzulande gerade tiefstes Mittelalter war. Faszinierend. Aber ohne Warpantrieb oder dergleichen werden wir wohl nie näheres erfahren.
chagall1985 18.04.2013
2. Mal eine sehr interessante Frage
Zitat von sysopCFAEin neu entdecktes Planetenpaar fasziniert die Astronomen. Das Duo kreist um den Stern Kepler-62. Sie sind nur wenig größer als die Erde und könnten komplett von Wasser bedeckt sein - beste Voraussetzungen für Leben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/exoplaneten-kepler-62e-und-f-astronomen-spekulieren-ueber-wasserwelt-a-895089.html
Wie lange brächte die Enterprise D mit Warp 9,5 bis zu dem Planeten? Ok wollen wir mal realistisch bleiben! Wie lange bräuchte die erste Enterprise mit Warp 5 dahin?
piiter 18.04.2013
3. Sag niemals nie.
Zitat von sysopCFAEin neu entdecktes Planetenpaar fasziniert die Astronomen. Das Duo kreist um den Stern Kepler-62. Sie sind nur wenig größer als die Erde und könnten komplett von Wasser bedeckt sein - beste Voraussetzungen für Leben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/exoplaneten-kepler-62e-und-f-astronomen-spekulieren-ueber-wasserwelt-a-895089.html
Vor 100 Jahren war unsere Milchstraße das Universum, die größten Teleskope sahen nur Nebel statt fremde Galaxien. Wer erdreistet sich zu sagen, diese Planeten könnten niemals direkt beobachte werden ? Ganz im Gegenteil, technisch wären heute schon Doppelteleskope mit einer Parallaxe von mehreren AE möglich. Damit würde man sogar Wolken auf besagten Planeten sehen.
donrealo 19.04.2013
4. Stimmt,
"Beamen" fällt ja leider aus, da auch durch c beschränkt
Anindo 19.04.2013
5. ...
Diese Nachrichten über die Planetenentdeckungen implizieren immer, dass es nur wenige Planeten gibt, die als Exo-Planet bezeichnet werden können. Wahrscheinlich gibt es aber zig Millionen Planeten alleine in der Milchstraße, auf denen gar ähnliche Verhältnisse herrschen wie auf der Erde herrschen. Die Teleskope finden nur deshalb so wenige, weil es schwierig ist, Planeten überhaupt zu finden. Die emitieren kein Licht und sind nur kleine Schatten, die ab und zu über ihre Sonnen oder Zwerge huschen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.