Exoplaneten Planet umkreist Stern in Grüner Zone

Sie sind ein seltener Fund: drei ungewöhnlich kleine Planeten, von denen einer seinen Stern gar in einem Abstand umkreist, der gemäßigte Temperaturen ermöglicht. Forscher erhoffen nun Einsichten in die Bedinungen, unter denen Leben im All entstehen kann.


Drei ähnlich große Planeten kreisen um einen recht kleinen Stern, um den sich ein Band aus Trümmern, Bröckchen und planetarem Staub zieht. Die Eckdaten, die die Astronomen der Europäischen Südsternwarte (Eso) den Illustratoren geben konnten, muten wenig spektakulär an. Doch ihre Messungen sind eine echte Neuigkeit.

"Zum ersten Mal haben wir ein System entdeckt, das aus mehreren Planeten von der Masse des Neptuns besteht", sagte Christophe Lovis vom Observatorium Genf. Für Exoplaneten, Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, ist das ungewöhnlich klein. Und da einer der drei neptunartigen auch noch innerhalb der sogenannten Grünen Zone um die Sonne kreist, sind der Stern HD 69830 und seine Begleiter plötzlich heiße Kandidaten für neue Erkenntnisse über Leben im All.

Alle bislang bekannten ähnlichen Systeme schließen mindestens einen Gasriesen wie Jupiter oder Saturn ein. Nicht so bei HD 69830: Dessen äußerster Planet schwebt innerhalb eines Entfernungsbereichs um den Stern, in dem es Wasser in flüssiger Form geben könnte.

Der 41 Lichtjahre von der Erde entfernte - und damit recht nahe - Stern HD 69830 machte bereits im vergangenen Jahr von sich reden, als Astronomen entdeckten, dass er von einem ausgedehnten Asteroidengürtel umgeben ist. Fast qualifizierte sich das nahe System damit für die Top-Liste der Nasa. Die hatte jüngst ihre Kriterien für die Suche nach Leben im All definiert: Erdähnliche Planeten, die sonnenähnliche Sterne umkreisen, Wasservorkommen besitzen könnten und nicht allzu weit von der Erde entfernt sind.

Ruckeln des Sterns verriet seine Planeten

Mehr als zwei Jahre lang beobachteten Eso-Forscher den Stern HD 69830, der von der Erde aus mit bloßem Auge gerade noch zu erkennen ist. Über die neuen Funde berichten Lovis und seine Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Nature".

Sie registrierten winzige Veränderungen in der Geschwindigkeit des Sterns, die typischerweise von der Gravitation anwesender Planeten verursacht werden. Nach der Analyse dieser Veränderungen gelang es den Wissenschaftlern, für jeden der Himmelskörper eine Art Steckbrief zu schreiben.

Sehen kann man die drei Begleiter von der Erde aus nicht - die von der Eso veröffentlichte Animation zeigt daher auch nur eine grobe künstlerische Umsetzung der bekannten Parameter: So könnte es dort aussehen, muss es aber nicht.

Demnach ist der innerste der Planeten etwa zehnmal so schwer wie die Erde, umrundet seinen Stern in nur knapp neun Tagen und besteht wahrscheinlich ähnlich wie der Planet Merkur aus Gestein. Der zweite Planet hat eine ähnliche Zusammensetzung, benötigt für eine Runde um den Stern knapp 32 Tage und besitzt ungefähr zwölf Mal soviel Masse wie die Erde.

Der äußerste Planet schließlich ist mit etwa 18 Erdenmassen der schwerste des Trios und umkreist den Stern in 197 Tagen. Er besitzt wahrscheinlich einen Kern aus Eis und Gestein, der von einer ausgedehnten Gasatmosphäre umgeben ist. Seine Entfernung zum Zentralstern lasse auf Bedingungen schließen, unter denen flüssiges Wasser möglich sei, schreiben die Forscher.

Leichtgewichtige unter den Exoplaneten

Mit ihren eher geringen Massen gehören die drei neu entdeckten Planeten zu den kleinsten der mehr als 170 Planeten, die Astronomen bislang außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt haben. Ihre ungewöhnlich geringe Größe, das Vorkommen mehrerer Planeten in einem Sonnensystem sowie die zusätzliche Anwesenheit des bereits früher entdeckten Asteroidengürtels erinnern stark an unsere eigenes Sonnensystem, schreibt der Astronom David Charbonneau von der Harvard University in einem Kommentar in "Nature".

Zwar rechnen die Forscher nicht damit, auf einem der Planeten Leben zu finden. Die ungewöhnlichen Eigenschaften des Systems könnten jedoch dabei helfen, die Bedingungen, die zur Bildung solcher Planeten nötig seien, besser zu verstehen.

stx/ddp

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