Experimente gefährdet Nasa klagt über Mondstaub-Mangel

Zur Vorbereitung ihres neuen Mondprogramms braucht die Nasa dringend künstlichen Mondstaub. Vor Jahren hatte sie den Spezialsand tonnenweise gelagert, doch mangels Verwendung wurde er großzügig an Schulen verschenkt.


Apollo-15-Mission: Astronaut James Irwin auf echtem Mondstaub
AP/ NASA

Apollo-15-Mission: Astronaut James Irwin auf echtem Mondstaub

Der Plan von Präsident George Bush, mehr als 30 Jahre nach dem legendären Apollo-Projekt wieder Menschen auf den Mond zu schicken, wirbelte eine Menge Staub auf. Künstlicher Mondstaub, ein bei der Vorbereitung der Missionen dringend benötigtes Material, war jedoch kaum darunter.

Die Nasa hat ihren 25 Tonnen umfassenden Vorrat nämlich in den neunziger Jahren längst an Schulen und Forschungsinstitute verteilt. Offenbar hatte niemand damit gerechnet, dass man den Spezialsand eines Tages noch einmal selbst benötigen würde. Ausrüstung und neue Materialien müssen möglichst schon auf der Erde beweisen, dass ihnen das Material keine Probleme bereitet. "Bush will zum Mond, und Houston hat ein Problem", witzelte das "Wall Steet Journal" über den Mondstaub-Mangel.

Der dringend benötigte Stoff ist nicht mit herkömmlichem Sand aus dem Baumarkt vergleichbar. Die extremen Bedingungen auf dem Erdtrabanten machen Mondstaub, auch Regolith genannt, zu etwas ganz Besonderem. Auftreffende Mikrometeoriten zermalmen die Mineralien immer feiner. Wegen der hohen Energie, die beim Aufprall freigesetzt wird, schmelzen einzelne Körner - es entstehen glasige Erstarrungsprodukte, so genannte Agglutinate.

Der 67-jährige Geologe James Carter von der University of Texas in Dallas gilt als Koryphäe in Sachen Mondstaub. Es war sein Regolith-Imitat, dass die Nasa 1993 in großen Mengen aufkaufte, insgesamt 25 Tonnen zum Preis von 3,30 Dollar pro Kilogramm. Der in einer Mühle außerhalb von Phoenix aus Vulkanasche hergestellte Staub ähnelte seinem Vorbild auf den ersten Blick nur wenig, er war schwarz statt weiß, kam echtem Regolith aber ansonsten ziemlich nah.

Präsident Bush: Will Astronauten auf den Mond schicken
AP

Präsident Bush: Will Astronauten auf den Mond schicken

Dummerweise sind von den 25 Tonnen aber nur noch ein paar Kilogramm übrig. Der Staub mit dem Namen JSC-1 - JSC steht für Johnson Space Center -, wurde in 23-Kilo-Paketen kostenlos an Forschungsinstitute, Universitäten und Schulen verschickt. Auch Besucher am Houston Space Center bekamen JSC-1 als Souvenir überreicht.

Nun macht man sich bei der Nasa auf die Suche nach Nachschub. Ende Januar veranstaltete das Johnson Space Center eigens einen Mondstaub-Workshop. Natürlich kommt Carter erneut als Lieferant in Frage. Möglicherweise entscheidet man sich aber auch für mehrere Hersteller. Bei den Apollo-Missionen hatte die Nasa mit insgesamt 34 verschiedenen Regolith-Imitaten gearbeitet.

Die Herstellung künstlichen Mondstaubs ist laut Carter alles anderes als einfach. Details über sein Verfahren wollte er gegenüber dem "Wall Street Journal" nicht nennen. Derzeit versucht er, seine Technik zum Patent anzumelden. "Nicht aus finanziellen Gründen", wie er betont. "Für mich ist das eine intellektuelle Herausforderung."



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