Über einen Mangel an Problemen braucht sich US-Präsident Barack Obama nicht zu beklagen: Finanzkrise, Widerstände gegen die Krankenversicherung, das Hickhack um General Motors. Nächste Woche wird noch ein weiteres hinzukommen: die Zukunft der Weltraumbehörde Nasa. Ein Expertengremium hat in den vergangenen Wochen in Obamas Auftrag untersucht, wie es mit der Nasa weitergehen soll. Am Montag soll der Bericht vorliegen - und dann steht Obama vor einer schweren Entscheidung.
Die Probleme hat er sich nicht einmal selbst eingebrockt. Es war sein Vorgänger George W. Bush, der Anfang 2004 die Rückkehr von US-Astronauten zum Mond bis zum Jahr 2020 ankündigte. 108 Milliarden Dollar soll das ambitionierte Vorhaben kosten. Doch nach Einschätzung der Expertenkommission reicht das Geld vorn und hinten nicht. Bis 2020 sind womöglich 30 Milliarden Dollar zusätzlich vonnöten. Dass diese Mittel bewilligt werden, gilt als unwahrscheinlich. Im April war bekanntgeworden, dass die Pläne für eine dauerhafte bemannte Mondbasis auf der Kippe stehen.
Riesenfuß und Mini-Schuh
Das Weiße Haus hat die Experten beauftragt, nach Raumfahrt-Optionen zu suchen, die mit dem geplanten Budget vereinbar sind. Bushs Mondpläne könnten sich womöglich als unrealistisch erweisen. "Wenn man ein Vorhaben umsetzen will, braucht man das entsprechende Geld dafür", sagt die ehemalige US-Astronautin Sally Ride, die Mitglied des Expertengremiums ist. Das Budget sei äußerst knapp.
Noch drastischer formuliert es Howard McMurdy von der American University in Washington: "Das Problem gleicht der Aufgabe, einen Fuß der Größe 14 in einen Schuh der Größe zehn zu bekommen." Das Vorhaben sei kaum zu schaffen. Viele Annahmen des Bush-Plans von 2004 hätten sich als falsch erwiesen.
Sofern die US-Regierung nicht deutlich mehr Geld für die Weltraumbehörde ausgeben will, wird ihr wohl nichts anderes übrigbleiben, als die ambitionierten Pläne zeitlich zu strecken - oder gleich ganz einzudampfen. Denkbar ist auch, Flüge von Astronauten zur Raumstation ISS an private Anbieter auszulagern.
Die Nasa hat bereits eine Menge Geld in das sogenannte Constellation-Program investiert. Allein die Entwicklung der neuen "Ares"-Raketen hat schon sieben Milliarden Dollar verschlungen. Am Donnerstag ist ein erster Test des Triebwerks von "Ares I" geplant. Die Rakete soll frühestens 2015 US-Astronauten ins All befördern. Für Flüge zum Mond ist freilich eine deutlich leistungsstärkeres Geschoss vonnöten: "Ares V" heißt der an "Saturn V" erinnernde Koloss, mit dem die Mondlandefähre in einen Orbit gelangen soll.
Verzicht auf "Ares I" und "Ares V"?
Bei dem ersten Test wird "Ares I" nicht abheben. Das Triebwerk wird auf der Testrampe in Promontory (Bundesstaat Utah) bleiben und einfach nur eine Menge Lärm verbreiten. Womöglich bleibt "Ares I" sogar für immer am Boden - je nachdem, wie Präsident Obamas Entscheidung ausfällt.
Nach Informationen des "New Scientist" wird das Expertengremium in der nächsten Woche unter anderem folgende drei Optionen vorstellen, die sämtlich auf "Ares I" und "Ares V" verzichten und einen Weiterbetrieb der Raumstation ISS bis 2020 beinhalten:
Das große Ziel, bemannte Missionen zum Mars, soll offenbar nicht aufgegeben werden. Allerdings wird es wohl eher zu einer Vision, deren Umsetzung unklar ist.
hda/AP
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