Explosionsserie: Sonne zündete Silvester-Salve

Von Martin Paetsch

Pünktlich zu Silvester hat die Sonne ein spektakuläres Feuerwerk entfacht: Wie ein jetzt veröffentlichtes Video zeigt, hat der Gasball eine Serie von drei imposanten Ausbrüchen ins All geschleudert.



Sonneneruption zum Jahreswechsel: Imposante Eruptionen
SOHO/ ESA/ NASA

Sonneneruption zum Jahreswechsel: Imposante Eruptionen

Den Beobachtern auf der Erde musste es vorkommen, als sei die Sonne in Feierlaune: Am 30. und 31. Dezember, so stellten Solarphysiker bei der Auswertung von Daten des Weltraumteleskops Soho fest, schleuderte das Gestirn in schneller Folge drei gigantische Gaswolken ins All. Jeder der so genannten koronalen Massenauswürfe setzte Milliarden Tonnen von geladenen Teilchen frei, die mit hoher Geschwindigkeit von der Sonne wegrasten.

Das europäisch-amerikanische Sonnenteleskop hatte die spektakuläre Salve mit seinem Lasco-Instrument aufgezeichnet: Dieses Gerät, Koronograf genannt, deckt die helle Sonnenscheibe mit einer Blende ab - nur so kann es die Vorgänge in der solaren Atmosphäre, der Korona, aufs Bild bannen. Aus den einzelnen Fotos des Koronografen entstand ein Video der Explosionsserie, das jetzt veröffentlicht wurde.

Besonders der zweite Massenauswurf, der ganze neun Stunden anhielt, hat es den Forschern angetan: Im Video folgen der blasenförmigen Gaswolke deutlich zu erkennende Plasmastränge, die wie in Zeitlupe durch den Weltraum treiben. Dank der dauerhaften Sonnenfetzen können die Wissenschaftler das komplexe Magnetfeld der Explosion besonders gut studieren. Sie rechnen die kosmische Zündelei zu den ungewöhnlichsten Ereignissen, die das Sonnenteleskop in seiner neunjährigen Laufbahn aufgezeichnet hat.

Ausgangspunkt des solaren Schnellfeuers war der Sonnenfleck 715 - ein Aktivitätszentrum, das sich wegen seiner niedrigeren Temperatur dunkel von der Umgebung abhebt. Über solchen Regionen spannen sich oft starke lokale Magnetfelder, in denen heiße, elektrische geladene Gase gefangen sind. Kollabiert ein solches Feld, kann es wie ein losgelassenes Gummi emporschnellen und enorme Plasmamengen ins All katapultieren. Schon vorher war Fleck 715 den Solarphysikern suspekt, zum Jahreswechsel stellte er sein stürmisches Potenzial dann tatsächlich unter Beweis.

Die Explosionsfolge war jedoch nur das Vorspiel zum eigentlichen Silvesterknall. Am Neujahrstag um 1.40 Uhr mitteleuropäischer Zeit entfachte die Sonne einen weiteren Sturm: Der Ausbruch der höchsten Kategorie war theoretisch stark genug, um in der irdischen Umlaufbahn Satelliten und am Boden den Funkverkehr lahm zu legen. Zum Glück blieben den Feiernden auf der Erde böse Überraschungen aus dem All erspart: Der heiße Neujahrsgruß der Sonne raste am Blauen Planeten vorbei.

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