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Falsche Umlaufbahn: Russland verliert Militärsatelliten

Der Satellit "GEO-IK-2" sollte die Erde vermessen. Doch der russische High-Tech-Späher wurde auf eine falsche Umlaufbahn geschossen. Jetzt gibt die Bodenkontrolle die Sonde verloren - es nicht der einzige Rückschlag für das russische Raumfahrtprogramm.

"GEO-IK-2" im August 2010: Ein Ingenieur inspiziert den Hightech-Satelliten Zur Großansicht
REUTERS

"GEO-IK-2" im August 2010: Ein Ingenieur inspiziert den Hightech-Satelliten

Erneuter Rückschlag für das russische Weltraumprogramm: Das Land hat einen Satelliten verloren, der Anfang Februar ins All geschossen wurde. Der anderthalb Tonnen schwere Satellit "GEO-IK-2" sollte im Dienst des Militärs die Konturen der Erdoberfläche und die Bewegung der Erdplatten vermessen. "Der Satellit ist verloren, er wird nicht die vorgesehenen Aufgaben erfüllen können", sagte Russlands stellvertretender Verteidigungsminister Vladimir Popovkin gegenüber russischen Medien.

Der Satellit "GEO-IK-2" verschwand bereits kurz nachdem er Anfang Februar vom nordrussischen Weltraumbahnhof Plesetsk ins All geschossen worden war. Bald jedoch wurden Signale des Satelliten aufgefangen, er schwebte auf einer falschen Umlaufbahn. Eigentlich sollte er die Erde in etwa 1000 Kilometer Höhe umkreisen, doch so hoch kam er nicht.

Experten der Bodenkontrolle hofften dennoch, den Satellit neu einstellen zu können, so dass er seine geplanten Aufgaben wahrnehmen könnte. Diese Hoffnung wurde nun enttäuscht.

Trümmer im All

Die russische Raumfahrt macht schwere Zeiten durch. Erst Anfang Dezember waren drei Satelliten beim Absturz einer Rakete ins Meer gestürzt. Der russische Präsident Medwedew hatte daraufhin drei hochrangige Weltraummanager gefeuert. Zudem habe der Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Anatoli Perminow, eine Rüge erhalten, teilte der Kreml mit.

Experten zufolge hatte die Rakete zu viel Treibstoff an Bord. Die Satelliten waren für das russische Navigationssystem Glonass bestimmt. Mit dem ambitionierten Glonass-Projekt für militärische und zivile Zwecke will Russland dem amerikanischen GPS-System Konkurrenz machen.

Die neuen Satelliten mit einer Masse von je 1415 Kilogramm und einer Lebensdauer von sieben Jahren sollten eigentlich nun in Dienst gestellt werden. Damit hätte Russland über die geplanten 24 aktiven plus zwei Reservesatelliten verfügt.

Auch alte russische Satelliten hatten zuletzt Ärger gemacht. Eine abgeschaltete Sonde hatte vor zwei Jahren einen US-Kommunikationssatelliten gerammt. Hunderte Trümmerteile treiben seither durch das All.

boj/Reuters

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1. Macht hier jemand Politik?
jadole 25.02.2011
"Der anderthalb Tonnen schwere Satellit "GEO-IK-2" sollte im Dienst des Militärs die Konturen der Erdoberfläche und die Bewegung der Erdplatten vermessen." Was macht denn das Militär mit diesen Daten, die mir höchst geowissenschaftlich vorkommen? Will man eine driftende Erdplatte zusätzlich beschleunigen, um damit Gegner zu rammen? Scherz beiseite. Hat jemand eine Ahnung, was das Militär damit anfangen kann?
2. keine Überraschung
castelrock 25.02.2011
nicht wunderlich wenn alle Spezialisten schon längst nach USA oder nach Europa geflüchtet sind
3. <->
silenced 25.02.2011
Zitat von jadole"Der anderthalb Tonnen schwere Satellit "GEO-IK-2" sollte im Dienst des Militärs die Konturen der Erdoberfläche und die Bewegung der Erdplatten vermessen." Was macht denn das Militär mit diesen Daten, die mir höchst geowissenschaftlich vorkommen? Will man eine driftende Erdplatte zusätzlich beschleunigen, um damit Gegner zu rammen? Scherz beiseite. Hat jemand eine Ahnung, was das Militär damit anfangen kann?
Man kann damit sicher eine Menge Unfug machen, zum Beispiel Erdbeben auslösen oder Flutwellen verursachen ... die Möglichkeiten sind im Grunde genommen grenzenlos. Stellt sich nur die Frage ob Aufwand und Nutzen gegeben sind und ob man sowas unbemerkt durchziehen kann. Möglich ist es sicher, es hat nur noch keiner gemacht. ;)
4. Notwendige Technik
idiotina 25.02.2011
Zitat von jadole"Der anderthalb Tonnen schwere Satellit "GEO-IK-2" sollte im Dienst des Militärs die Konturen der Erdoberfläche und die Bewegung der Erdplatten vermessen." Was macht denn das Militär mit diesen Daten, die mir höchst geowissenschaftlich vorkommen? Will man eine driftende Erdplatte zusätzlich beschleunigen, um damit Gegner zu rammen? Scherz beiseite. Hat jemand eine Ahnung, was das Militär damit anfangen kann?
Es ist doch selbstverständlich, daß überall auf der Welt von Militärs solche Satelliten genutzt werden. Bei der Kontinentalverschiebung handelt es sich um ein wichtiges Phänomen, daß bei der Berechnung von Zielkoordinaten für Lasergelenkte Raketen und andere solcher Instrumente berücksichtigt werden muss. Dabei geht es oft um Zentimeter. Allerdings erscheint mir der Satellit mit anderthalb Tonnen auch extrem schwer, da ist es nicht verwunderlich, daß er die notwendige höhere Umlaufbahn nicht erreichen konnte.
5. zu schwer?
knubbel74 25.02.2011
Zitat von idiotinaEs ist doch selbstverständlich, daß überall auf der Welt von Militärs solche Satelliten genutzt werden. Bei der Kontinentalverschiebung handelt es sich um ein wichtiges Phänomen, daß bei der Berechnung von Zielkoordinaten für Lasergelenkte Raketen und andere solcher Instrumente berücksichtigt werden muss. Dabei geht es oft um Zentimeter. Allerdings erscheint mir der Satellit mit anderthalb Tonnen auch extrem schwer, da ist es nicht verwunderlich, daß er die notwendige höhere Umlaufbahn nicht erreichen konnte.
Weil? Ist es nicht möglich das Startgewicht von 1.5t auf eine Geschwindigkeit von 11km/s zu bekommen? Bei dir klingt das, als ob 1.5t einfach zu schwer wären, sind sie aber nicht. Es kann warscheinlich mehrere Möglichkeiten geben, warum ein Satellit nicht die vorgesehene Umlaufbahn erreicht. Aber anscheinend sind ihre Raketen empfindlich in Punkto Steuerelektronik.
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