Minutenprotokoll So lief der Rekordsprung aus der Stratosphäre

Das Risiko war groß - doch Felix Baumgartner hat es geschafft. Millionen Menschen auf der ganzen Welt verfolgten gebannt den Rekordsprung des Österreichers aus der Stratosphäre. Lesen Sie dramatischen Stunden im Minutenprotokoll von SPIEGEL ONLINE nach.

Felix Baumgartner: Als erster Mensch durch die Schallmauer
AP/ Red Bull

Felix Baumgartner: Als erster Mensch durch die Schallmauer


Es war ein dramatischer Abend. Das Wetter spielte mit, der Österreicher Felix Baumgartner steigt mit einem Spezialballon auf gen Himmel, höher, immer höher - bis auf mehr als 39 Kilometer. Höher eigentlich, als geplant. Vielleicht sogar zu hoch? Der Moment, als der Extremsportler aus seiner Ballonkapsel springt, lässt dem Zuschauer den Atem stocken. Wird Baumgartner es schaffen?

Lesen Sie die Höhepunkte des geglückten Rekordversuchs nach im Minutenprotokoll:

+++ Extremsprung mit herunter geklapptem Visier +++

[21.37 Uhr] Der Mann des Tages ist zurück im Mission Control Center. In einem ersten Interview wirkt er euphorisch und erleichtert zugleich. "Ich habe sieben Jahre auf diesen Moment hingearbeitet. Und dann funktioniert plötzlich die Visierheizung nicht richtig", erzählt er. "Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein", schilderte Baumgartner die brenzlige Situation. "Dann haben wir uns aber dennoch für den Sprung entschieden."

+++ Wo steckt der Rekordspringer? +++

[20.44 Uhr] Bei der Landung machte Baumgartner einen guten Eindruck. Doch nun lässt der Abenteurer, der per Helicopter zur Startbase gebracht werden soll, auf sich warten.

+++ Großer Respekt für diese Leistung +++

[20.36 Uhr] Was wird Felix Baumgartner als nächstes versuchen? Die versammelten Journalisten auf der Airbase in Roswell sind voll des Lobes. Kein Mensch ist jemals höher aufgestiegen, das steht fest. Wie die ersten Messungen ergeben, hat der Österreicher tatsächlich nach einer halben Minute in einer Höhe von 30.480 Metern Schallgeschwindigkeit erreicht.

+++ Freudentränen nach Bilderbuchsprung +++

[20.20 Uhr] Kaum ist Baumgartner gelandet, eilen Mediziner zu dem waghalsigen Springer, die Crew und auch die Zuschauer in der Wüste New Mexikos brechen in Jubel aus. Baumgartners Mutter weint vor Erleichterung.

+++ Baumgartner landet wohlbehalten auf der Erde +++

[20.15 Uhr] Der Wahnsinn: Es hat alles funktioniert. Auch wenn der freie Fall kürzer war als geplant, drei von vier Rekorden hat er eingestellt, unversehrt landet Baumgartner wieder auf dem Erdboden. Und geht erst einmal in die Knie.

+++ Er fällt und fällt - noch ist er nicht unten +++

[20.11 Uhr] Mit 800 Stundenkilometern rauscht Baumgartner der Erde entgegen, seine Haltung ist stabil. Der Fall ist sehr kurz, der Hauptschirm geht auf. Wieder entbrennt großer Jubel bei den Menschen im Kontrollzentrum.

+++ Schallmauer wahrscheinlich genkackt+++

[20.07 Uhr] Wie ein kleiner weißer Punkt sieht es aus - Baumgartner rast nach unten. Er torkelt. Dann fängt er sich wieder. Jubel im Kontrollzentrum. Man kann ihm kaum folgen. Er sagt etwas, leider kann man ihn nicht verstehen.

+++ Jetzt braucht er einen Schutzengel +++

[20.06 Uhr] Er springt!

+++ Die Tür geht auf +++

[20.03 Uhr] Punkt 29 der Checkliste ist geschafft: Die Türe ist geöffnet. Jetzt wird bald der Gurt gelöst, der Sitz nach vorn gefahren. Unter der kleinen silbernen Kapsel öffnet sich eine große blaue Weite. "Alles okay?" Felix Baumgartners Daumen geht nach oben.

+++ Jetzt wird es ernst, Felix! +++

[19.56 Uhr] Die Verbindung steht wieder. "Jetzt wird es ernst, Felix", sagt Joe Kittinger aus dem Kontrollzentrum. Mit einem feinen Rauschen baut sich derweil im Anzug Baumgartners der erforderliche Druck auf. Schritt 23 der Checkliste ist erreicht: "Schläuche der Sauerstoffversorgung ausschalten." Jetzt beginnt der Druckausgleich zwischen der Kapsel - und der Welt da draußen. Kann Baumgärtner jetzt die Tür der Kapsel öffnen?

+++ Der letzte Check für den Ausstieg +++

[19.49 Uhr] Das Kontrollzentrum funkt zum letzten Check. Unendlich langsam vergeht jedesmal die Zeit, bis Felix Baumgartner antwortet und die einzelnen Punkte bestätigt. Es pfeift und rauscht beklemmend. Bei Schritt 15: Sauerstoffversorgungshebel auf Position aus", bricht die Verbindung ab.

+++ Kein Zurück mehr: Ballon steigt auf 38.241 Meter Höhe+++

[19.48 Uhr Uhr] Die Ausstiegschecks sollten beginnen, doch Baumgartner bittet um einen Moment Zeit. Berater Kittinger blickt nervös auf seine Monitore. Ist die Höhe doch zu hoch für den geplanten Sprung?

+++ Ballon steht still bei 37.205 Metern ++++

[19.42 Uhr] Der magische Moment ist erreicht: Was geht in Baumgartner vor? Der Ballon steht still, jetzt beginnt der Ausstieg. Der Pilot sagte einmal: "Da ist durchaus auch Furcht wie vor jedem Absprung", hat Baumgartner in einem Interview gesagt. "Aber Springen ist mein Leben und von diesem, genau diesem Sprung habe ich mein Leben lang geträumt. Die Furcht ist deshalb kein Hindernis, sie sorgt nur dafür, dass wir es richtig machen."

+++ Letzte Vorbereitungen für den Sprung +++

[19.33 Uhr] Die geplante Höhe ist bereits überschritten - bald wird der Ballon stehen bleiben. Die Spannung steigt - in der Stratosphäre, wie auch auf der Erde. Im Kontrollzentrum sind alle ganz entspannt - für Baumgartner wird es ernst, er muss sich jetzt konzentrieren.

+++ Helden tragen keine Windel +++

[19.30 Uhr] Felix Baumgartner trinkt etwas - und das ist auch kein Problem: Für das kleine Geschäft trägt er eine Art Dauerkondom. Für das große Geschäft wäre eine Windel denkbar gewesen, doch das hat er abgelehnt: "Helden tragen keine Windeln".

+++ Die Kittinger-Marke ist geknackt +++

[19.21 Uhr] Der Heliumballon passiert spielend die 31.332 Meter-Marke. Aus dieser Höhe sprang damals Joseph Kittinger am 16. August 1960 in die Tiefe.

+++ Es wird wieder wärmer +++

[19.14 Uhr] Wurde es am Troposphärenrand mit minus 70 Grad richtig kalt, steigt die Temperatur in der Stratosphäre jetzt wieder an. Bei Kilometer 36 werden es minus 34 Grad Celsius kalt sein, wenn Baumgartner die Kapsel verlässt.

+++ Unerforschtes Terrain für Baumgartner +++

[19.07 Uhr] Extremspringer Baumgartner erreicht gleich die 30.000 Meter-Grenze - so hoch ist der Österreicher auch in seinen Probesprüngen nicht gekommen. Und er steigt und steigt und steigt...

+++ Ein großer Schritt +++

[18.53 Uhr] Was wird Felix Baumgartner sagen, in dem Moment, in dem er die Kapsel verlässt? Wird er überhaupt etwas sagen, wenn er sich im freien Fall in die Tiefe stürzt? Vorschläge gern im Forum...

+++ Ein Drittel ist geschafft +++

[18.37 Uhr] Baumgartner macht nach dem Test einen entspannten Eindruck, nicht mehr viel scheint ihn von seinem großen Traum zu trennen. Nach dem Absprung will er so schnell auf die Erde zurasen, dass das Ziel schon nach einer halben Minute erreicht ist: das Durchbrechen, Durchspringen, Durchfallen der Schallmauer. Nach weiteren fünf Minuten im freien Fall - auch das ein Rekord - solle sich dann der Fallschirm öffnen.

+++ Check für die Exit-Position +++

[18.24 Uhr] Baumgarnter probt den Ausstieg, alle Punkte werden zusammen mit Kittinger durchgespielt: ... Schritt 9: "Schalte Sauerstoffversorgung in der Kapsel aus", Schritt 10: "Fahre Lichtschutz am Helm herunter", Schritt 11: "Hänge die Luftversorgung vom Druckanzug ab". Dann - nicht simuliert: Baumgartner schaltet für einen Moment die Sauerstoffversorgung in der Kapsel aus. Es wird wirklich ernst... Schritt 24: "Öffne die Türe und tritt auf die Schwelle."

+++ Flughöhe der Concorde erreicht +++

[18.17 Uhr] Felix Baumgartner befindet sich nun auf 16.153 Metern Höhe. Die Concorde, das einzige Überschallflugzeug der zivilen Luftfahrt im Dauereinsatz, war in etwa 16 Kilometern Höhe unterwegs. Zum Vergleich: Das Höhenforschungsflugzeug HALO des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erreicht maximal 15,5 Kilometer Flughöhe. Andere Verkehrsflugzeuge reisen meist in 10 bis 13 Kilometern Höhe.

+++ Doppelt so schnell wie geplant +++

[18.11 Uhr] Derzeit steigt der Ballon mit sechs Metern in der Sekunde - doppelt so schnell wie geplant. Die Experten im Kontrollzentrum geben aber Entwarnung: Kein Grund zur Sorge.

+++ Der Ballon flattert, minus 52 Grad Celsius +++

Felix Baumgartner passiert mit seinem Ballon die erste 10-Kilometer-Marke. Langsam wird es draußen ungemütlich, die Hülle des Ballons flattert. Der Pilot sitzt drinnen in seiner Kapsel und checkt die Temperaturwerte. Sein Blick wirkt äußert konzentriert - ist da eine Schweißperle auf seiner Stirn?

+++ Gefahr droht: Kapsel erreicht Jetstream-Höhe +++

[17.52 Uhr] Der Heliumballon hat eine Höhe von 8400 Metern erreicht. Wegen des hier herrschenden Jetstreams kann es gefährlich werden - durch die wettersteuernde Strömung entstehen Winde, die durchaus ruppig werden können.

+++ Coach Kittinger kommuniziert mit Baumgartner +++

[17.46 Uhr] Stickstoffdruck, Schleusen-Funktion, Komfort-Index: Felix Baumgartner gibt erste Daten an die Kommandozentrale durch. Er funkt hierzu mit Josef Kittinger. Der frühere U. S. Air Force Pilot hält den bisherigen Rekord im freien Fall. Im Jahr 1960 war er aus 31.333 Metern Höhe aus einem Ballon gesprungen. Er ist mittlerweile Baumgartners Sonderberater, er hat ihn trainiert.

+++ Auf die ersten 300 Meter kommt es an +++

[17.39 Uhr] Der Ballon steigt schneller als geplant. Gerade zu Beginn muss alles glatt gehen, in den ersten 300 Metern hat Baumgartner sonst keine Möglichkeit auszusteigen.

+++ Der Start gelingt, der Ballon steigt +++

[17.31 Uhr] Der Start gelingt: Der Ballon steigt, die Kapsel hängt dran - Jubel in Roswell. Baumgartners Mutter steht am Boden - sie wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

+++ Besondere Choreografie +++

[17:29 Uhr] Erst wenn der Ballon beginnt, langsam zu steigen, kann die Kapsel angehängt werden. Die Silberkugel darf nicht auf die Startbahn schlagen oder über sie geschleppt werden, das könnte ihre empfindliche Technik beschädigen.

+++ Blauer Himmel über New Mexiko +++

[17.25 Uhr] Gute Neuigkeiten aus der Kommandozentrale im Mission Control Center: Die Wetterlage in der mexikanischen Wüste ist augenblicklich perfekt für den Start des Extremsportlers, erklärt Meteorologe Don Day. Angeblich soll es sogar schon in zehn Minuten losgehen.

+++ Ein historischer Tag +++

[17.16 Uhr] Einen besseren Tag hätte Felix Baumgartner sich nicht aussuchen können: Exakt vor 65 Jahren gelang einem Menschen zum ersten Mal das Durchbrechen der Schallmauer. Der Pilot Chuck Yeager schaffte die Barriere mittels eines experimentellen Raketenflugs. Felix Baumgartner will der erste Mensch sein, dem dies im freien Fall gelingt - ohne schützende Hülle.

+++ Der Heliumballon wird bereits befüllt+++

[17.05 Uhr] Am Boden in Roswell rührt sich kein Windchen. Plötzlich läuft alles parallel: Mitarbeiter beginnen, den Ballon zu befüllen, langsam bläht sich seine gigantische Hülle auf. Bis er seine Größe von 170 Metern erreicht hat, soll es ungefähr eine halbe Stunde dauern.

+++ Start auf 17.50 Uhr festgesetzt +++

[16.45 Uhr] Felix Baumgartner sitzt schon seit Stunden eingezwängt in der silbernen Kapsel. Er scheint ruhig, sollte das Abheben heute nicht klappen, wollen die Organisatoren - bezahlt wird die gesamte Aktion durch einen österreichischen Getränkehersteller - es morgen noch einmal versuchen.

+++ Messbälle checken die Windstärke +++

[16.38 Uhr] Noch wurde nicht mit dem Befüllen des Ballons begonnen. Fortlaufend wird die Windstärke kontrolliert - dieses Mal darf der empfindlichen Hülle nichts passieren. Bei einem ersten Versuch am Dienstag hatte eine Böe den bereits aufgeblasenen 550.000 Euro teuren Ballon auf den Boden gedrückt und beschädigt. Der Start musste verschoben werden.

So liefen die Vorbereitungen (Stand 16.30 Uhr):

Felix Baumgartner sitzt in der Spezialkapsel seines Heliumballons. Den weißen Druckanzug hat er längst angelegt. Zur Vorbereitung reinen Sauerstoff geatmet. Techniker eilen über die Startbasis in New Mexiko, nun soll der 170 Meter hohe Heliumballon befüllt werden, der Baumgartner in die Stratosphäre befördern soll. Wenn der Start gelingt, wird Felix Baumgartner in seinem Ballon 36 Kilometer hoch in den Himmel steigen. Gut drei Stunden später soll er die perfekte Höhe für seinen Sprung erreicht haben. Und dann will er springen.

Fünf Minuten wird er dann, sollte alles klappen, ungebremst gen Erde rasen. Er wäre der erste Mensch, der im freien Fall - ohne Flugzeug oder Rakete - die Schallmauer durchbricht.

Ein erster Versuch am Dienstag war wegen schwieriger Wetterverhältnisse abgesagt worden. Fünf Jahre hatte er für den Sprung trainiert - doch der Wind am Dienstagabend wehte zu heftig für einen sicheren Start, hieß es bei der Live-Übertragung des Startversuchs in Roswell im US-Staat New Mexiko.

Bangen vor dem freien Fall

Sollte bei dem Versuch trotz der fünf Jahre langen Vorbereitung etwas schiefgehen, steht die medizinische Versorgung sofort bereit. Während der gesamten Mission hat Baumgartner sieben Ärzte zur Verfügung, sowohl am Boden als auch in einem Helikopter in der Luft. Und schiefgehen könnte bei dem Experiment einiges. So könnte schon ein kleines Loch in Baumgartners Anzug fatale Folgen haben. Da die Luft in der extremen Höhe dünn ist, wird es für den Österreicher auch knifflig sein, seine Fluglage stabil zu halten. Wolfgang Köstler von der Wiener Akademie für Flugmedizin etwa sagte österreichischen Medien, Baumgartner habe lediglich eine 50-prozentige Chance, dass alles glattgehe.

nik



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 193 Beiträge
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Seite 1
fxe1200 14.10.2012
1. Sagen Sie Ihre Meinung!
...lieber nicht!
inovatech 14.10.2012
2. was für ein Hype
Was ist denn da los ? Ich denke mal, zig-tausende würden das auch mal gerne in ihrer Freizeit versuchen. Das Ganze Getöse ist ja fast so groß als würde der erste Mensch auf dem Mars landen.
--rio 14.10.2012
3. Welcher
Fernsehsender überträgt denn?
Fangio 14.10.2012
4.
Zitat von --rioFernsehsender überträgt denn?
Red Bull Stratos bei ServusTV (http://www.servustv.com/cs/Satellite?pagename=Stratos/Layout)
_Netizen 14.10.2012
5.
Zitat von --rioFernsehsender überträgt denn?
n-tv ist live dabei.
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