Ferne Sonnensysteme Falsch rotierende Exoplaneten stellen Theorie in Frage

Neu entdeckte Himmelskörper stellen die Theorie von Planetensystemen auf den Kopf: Die Exoplaneten folgen auf ihren Umlaufbahnen nicht der Drehung ihrer Sonne, sondern kreisen in Gegenrichtung. Der Fund könnte sogar die Chancen senken, dass es erdähnliche Planeten gibt.

Stern und Exoplanet (Zeichnung): Gegenläufige Rotation
ESO / L. Calçada

Stern und Exoplanet (Zeichnung): Gegenläufige Rotation


Die Bewegungsrichtung eines Planeten auf seiner Umlaufbahn muss nicht zwangsläufig mit der Drehrichtung des von ihm umkreisten Sterns übereinstimmen. Das hat ein internationales Astronomenteam beobachtet, das 27 sogenannte Transitplaneten bei fremden Sonnen untersuchte.

Transitplaneten laufen von der Erde aus gesehen vor ihrem Stern vorüber und verdunkeln ihn dabei geringfügig. Sechs der observierten Planeten drehen sich aber in entgegengesetzter Richtung zum Mutterstern. Andere besitzen eine zu dessen Rotationsachse geneigte Umlaufbahn. Beides dürfte nach dem gängigen Entstehungsmodell aber nicht sein: Diesem zufolge werden Planeten in einer Scheibe aus Gas und Staub geboren, die gemeinsam mit ihrem Zentralgestirn um ein und dieselbe Drehachse rotiert. "Die neuen Ergebnisse widersprechen den gängigen Vorstellungen", erklärte Andrew Cameron von der Universität im schottischen St. Andrews.

Cameron und seine Kollegen hatten die 27 Exoplaneten mit dem Teleskop der Europäischen Südsternwarte in Chile untersucht. Bei den nun entdeckten Himmelskörpern auf Gegenkurs handelt es sich um sogenannte heiße Jupiter. Das sind Planeten, die mindestens so groß sind wie Jupiter in unserem Sonnensystem und sehr nahe an ihrem Mutterstern vorbeiziehen.

Erdähnliche Planeten chancenlos

Die Forscher vermuten, dass sie bei ihrer Entstehung nicht nur der Schwerkraft ihrer jetzigen Sonne ausgesetzt waren. Es könne "eine Art Tauziehen" mit weiter entfernten Planeten oder anderen Sonnen gegeben haben, berichten die Forscher auf dem National Astronomy Meeting der Royal Astronomical Society in Glasgow. Dies könne den Planeten auf "eine geneigte und langgestreckte Umlaufbahn bugsiert haben", die erst allmählich über Millionen Jahre durch die Schwerkraft des Muttersterns annähernd kreisförmig werde.

"Ein dramatischer Nebeneffekt dieses Prozesses wäre, dass sich in solchen Systemen keine kleineren erdähnlichen Planeten halten könnten", erklärte Didier Queloz vom Observatorium Genf. Denn durch die ständigen Veränderungen der Umlaufbahn würde der heiße Jupiter wie eine riesige Kugel in einer Art Weltraumbillard kleinere Planeten in seiner Nähe vernichten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es erdähnliche Planeten außerhalb des Sonnensystems gibt, könnte dadurch sinken.

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems wurden erstmals 1995 entdeckt. Inzwischen haben Astronomen mehr als 400 Exoplaneten aufgespürt.

hda/ddp/AFP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.