Ferne Welten: Bisher kleinster Exoplanet entdeckt

Rund 400 Lichtjahre von der Erde entfernt haben Forscher eine spektakuläre Entdeckung gemacht: den bisher kleinsten bekannten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Er ist knapp zweimal so groß wie unsere Erde.

Paris - Wenn Astronomen heutzutage einen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdecken, dann sorgen die Nachrichten darüber normalerweise längst nicht mehr für so viel Aufmerksamkeit wie noch vor ein paar Jahren. In der " Enzyklopädie der extrasolaren Planeten" finden sich derzeit 337 Fundobjekte. Gewiss, wenn zum Beispiel einer von ihnen abgebildet werden kann, dann ist die Aufregung groß, doch im Großen und Ganzen hat sich eine gewisse Routine bei der Exoplaneten-Jagd eingestellt.

Und doch lässt die Nachricht vom Dienstagmittag aufhorchen: Ein internationales Forscherteam hat mit dem französischen Satelliten "Corot" den bisher kleinsten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems nachgewiesen. Corot-Exo-7b ist nur knapp zweimal so groß wie die Erde und kreist 400 Lichtjahre von uns entfernt um einen sonnenähnlichen Zentralstern.

Lebensfreundlich ist der neu entdeckte Planet nicht: Er ist seinem Zentralgestirn sehr nahe und hat nach Ansicht der Forscher deswegen eine Temperatur von mehr als tausend Grad Celsius. Eine Umrundung um seine Sonne absolviert der neu entdeckte Himmelskörper in der schwindelerregenden Zeit von nur 20 Stunden.

Die meisten der bisher entdeckten Planeten sind riesige Gasplaneten vom Stil unseres Jupiters. Corot-Exo-7b könnte nach den bisherigen Erkenntnissen ein Gesteinsplanet sein, vergleichbar der Erde. Möglich wäre auch ein mit Lava bedeckter Himmelskörper - oder ein zur Hälfte aus Wasser und zur Hälfte aus Stein bestehender Planet mit einer extrem heißen und dichten Wasserdampf-Atmosphäre.

"Die Entdeckung eines so kleinen Planeten ist eine echte Sensation. Damit haben sich die Erwartungen, die wir in Corot gesetzt haben, voll erfüllt", sagt Heike Rauer. Sie ist Projektleiterin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das die Software von Corot entwickelt hat und auch an der wissenschaftlichen Auswertung der Daten beteiligt ist.

Corot sucht nach extrasolaren Planeten mit der Transitmethode (siehe Kasten). Dabei misst das Weltraumteleskop über eine längere Periode die Helligkeitsschwankungen von Sternen. Schuld an solch einer Schwankung kann ein Planet sein, der vor dem Stern vorbeizieht und ihn minimal verdunkelt. Weil solche Helligkeitsänderungen verschiedene Gründe haben können, muss jeder Planetenkandidat aber durch mehrere Nachfolgemessungen bestätigt werden. Diese Nachfolgebeobachtungen werden von einem Netzwerk großer erdgebundener Teleskope übernommen, unter anderem auch von der Thüringer Landessternwarte in Tautenberg.

Bei den Prüfmessungen für Corot-Exo-7b haben die Forscher auch herausgefunden, dass dieser auch noch einen großen Bruder hat - allerdings aus Gas. Dieser hat die 14fache Erdmasse und ist damit ein sogenannter heißer Neptun. Er umkreist die gemeinsame Sonne innerhalb von acht Tagen. Der große Bruder zieht von der Erde aus gesehen nie vor seiner Sonne vorbei, weswegen er mit der Transitmethode nicht nachgewiesen werden konnte. Erst seine Gravitationswirkung auf den Stern brachte die Forscher auf die richtige Spur.

chs

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