Fernster Zwergplanet Forscher entdecken Außenseiter im Sonnensystem

Astronomen haben am Rand unseres Sonnensystems einen neuen Zwergplaneten entdeckt. Er ist mindestens 80-mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde. Und vielleicht ist er nicht allein.

Ziemlich klein und sehr weit weg: "2012 VP113" gehört trotzdem zu unserem Sonnensystem
DPA/ Carnegie Institution for Science/ Scott S. Sheppard

Ziemlich klein und sehr weit weg: "2012 VP113" gehört trotzdem zu unserem Sonnensystem


Einen richtigen Namen hat er noch nicht, dafür ist "2012 VP113" eine kleine Sensation - und zwar buchstäblich: Der neu entdeckte Zwergplanet ist mit etwa 450 Kilometern Durchmesser ziemlich klein. Und er ist der fernste bekannte Zwergplanet in unserem Sonnensystem. Jedenfalls zurzeit. Denn seine Entdeckung lässt die Wissenschaftler vermuten, dass es noch einen weiteren Planeten am Rande unseres Sonnensystems gibt.

"2012 VP113" kommt der Sonne nie näher als rund zwölf Milliarden Kilometer. Das ist rund 80-mal so weit, wie die Erde von der Sonne entfernt ist. Chadwick Trujillo vom Gemini-Observatorium auf Hawaii und Scott Sheppard von der Carnegie Institution in Washington stellen ihre Entdeckung im britischen Fachjournal "Nature" vor.

Sie vermuten, dass "2012 VP113" größtenteils aus Eis besteht - und von seiner Schwerkraft in eine annähernd runde Form gezwängt wird. Die ist eine wichtige Voraussetzung, um ihn den Zwergplaneten zuzuordnen.

Etwas weniger weit von der Sonne entfernt zieht Sedna seine Bahnen, der bislang als fernster Zwergplanet galt. Bis zum Fund von "2012 VP113" sei nicht klar gewesen, ob es sich bei Sedna um einen Einzelgänger handele, argumentieren die Entdecker. Rund 600 Millionen Kilometer sind die beiden voneinander entfernt.

Versteckt sich da draußen ein riesiger Planet?

Die Autoren haben hochgerechnet, dass es in dieser Region, der sogenannten inneren Oortschen Wolke, sogar rund 900 Himmelskörper mit Durchmessern von mehr als tausend Kilometern geben könnte. Oder sogar noch größere: "Einige dieser Objekte könnten in der Größe sogar mit Mars oder Erde konkurrieren", sagt Sheppard.

Die Ähnlichkeit der Umlaufbahnen der kleinen Planeten Sedna und "2012 VP113" lege nahe, dass es viel weiter außen einen noch unbekannten Planeten mit mindestens der zehnfachen Erdmasse gebe. Dieser könnte mit seiner Schwerkraft Objekte wie die beiden Zwergplaneten aus ihrer ursprünglichen Bahn werfen und in die innere Oortsche Wolke katapultieren. Neben der Suche nach diesem äußeren Planeten wollen die Wissenschaftler nun klären, wie Sedna und "2012 VP113" in ihre Umlaufbahnen kamen.

Die Entdeckung ist ein Motivationsschub für die Forscher: "Die Suche nach diesen entfernten Objekten der inneren Oortschen Wolke sollte fortgeführt werden, weil sie uns viel darüber verraten können, wie unser Sonnensystemsich gebildet und entwickelt hat", erläutert Sheppard in einer Mitteilung der Carnegie Institution.

Das Sonnensystem lässt sich einteilen in die inneren Gesteinsplaneten Merkur, Venus, Erde und Mars, die äußeren Gasriesen Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun sowie den Kuiper-Gürtel aus Tausenden eisigen Objekten, zu denen auch der zum Zwergplaneten degradierte Pluto zählt. Der Kuiper-Gürtel reicht etwa bis zur 50-fachen Entfernung der Erde zur Sonne.

isa/dpa



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