Fernwartung geglückt "Hubble"-Teleskop arbeitet wieder

Erleichterung bei der Nasa: Der Neustart des ausgefallenen Weltraumteleskops "Hubble" ist geglückt. Erstmals seit Wochen hat das Superauge wieder ein Foto zur Erde gefunkt - von zwei kollidierten Galaxien.


Garching/Hamburg - Wenige Tage nach dem Neustart seiner Reserveelektronik hat sich das "Hubble"-Weltraumteleskop mit einem schillernden Galaxienfoto zurückgemeldet. Das fliegende Observatorium nahm dafür das Galaxienpaar Arp 147 im Sternbild Walfisch (Cetus) ins Visier, das - in astronomischen Maßstäben - vor kurzer Zeit eine kosmische Kollision durchlebt hat. Eine der beiden 400 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernten Galaxien war dabei durch die andere hindurchgeflogen, wie das europäische "Hubble"-Zentrum am Donnerstag in Garching bei München mitteilte.

Superscharfe Aufnahme: Das neue "Hubble"-Foto zeigt das Galaxienpaar Arp 147
AFP

Superscharfe Aufnahme: Das neue "Hubble"-Foto zeigt das Galaxienpaar Arp 147

Wie die Welle eines ins Wasser geworfenen Kiesels breitet sich seitdem ein Blau strahlender Ring intensiver Sternentstehung vom Kollisionszentrum aus. Vom Kern der getroffenen Galaxie ist ein staubiger, rötlicher Knoten geblieben, während die durchquerende Galaxie den Zusammenstoß offensichtlich nahezu unverändert überstanden hat.

Ein schwerwiegender Elektronikfehler bei dem 18 Jahre alten Weltraumteleskop hatte es zuvor erforderlich gemacht, dass die gesamten wissenschaftlichen Beobachtungen des Teleskops im Oktober auf Reserveelektronik umgeschaltet werden mussten. Das Hochfahren der zuletzt vor dem Start in den Orbit getesteten Reserveschaltkreise hatte mehrere Tage in Anspruch genommen und war anfangs fehlgeschlagen. Seit dem 25. Oktober ist das Teleskop aber wieder in Betrieb.

Auch wenn die jetzige Fernwartung erfolgreich war, muss das Weltraumteleskop baldmöglichst generalüberholt werden, damit es für weitere Jahre Daten liefern kann. Unter anderem sollen zwei Kameras, Batterien und Gyroskope ausgetauscht werden, die "Hubble" zur Lageregelung benötigt.

Der nach langem Hin und Her für den 14. Oktober geplante Reparaturflug der US-Raumfähre "Atlantis" musste jedoch verschoben werden, nachdem das Teleskop Ende September plötzlich komplett ausfiel und überhaupt keine Daten mehr zur Erde funkte.

Technische Pannen gab es bei "Hubble" in den vergangenen Jahren immer wieder. 1993 musste die Optik repariert werden, weil das Teleskop unscharfe Bilder lieferte. 1999 fiel das Superauge im All für sechs Wochen aus, weil es Schwierigkeiten mit einem Gyroskop gab.

Der für 2009 geplante Reparaturflug ist nicht ungefährlich. So hat die Nasa ein Risiko von eins zu 60 berechnet, dass die Raumfähre "Atlantis" auf dem Flug zu "Hubble" durch die Kollision mit Weltraumschrott verlorengeht. Der Vergleichswert auf Reisen zur Internationalen Raumstation ISS beträgt eins zu 300. Auch aus diesem Grund wollte die Nasa "Hubble" ursprünglich gar nicht reparieren. Nach Protesten von Wissenschaftlern wurde die Entscheidung revidiert, wohl auch weil der "Hubble"-Nachfolger, das James-Webb-Teleskop, erst 2013 ins All gebracht werden soll.

hda/AP/Reuters

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