Feuerwerk im All "Deep Impact" schießt Loch in Kometen

Jubel bei der Nasa: Die "Deep Impact"-Mission ist ein glänzender Erfolg. Ein Kupfergeschoss hat den Kometen "Tempel 1" getroffen und einen Krater gerissen. Die Trümmer sollen nun analysiert werden und Aufschluss über die Zusammensetzung des Kometen geben.


"Tempel 1" unmittelbar nach dem Einschlag des "Impactors": Volltreffer für die Nasa
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"Tempel 1" unmittelbar nach dem Einschlag des "Impactors": Volltreffer für die Nasa

Pasadena - Mit rund 37.000 Kilometern pro Stunde ist der 372 Kilogramm schwere "Impactor" gegen 8 Uhr deutscher Zeit auf "Tempel 1" gestürzt und hat ein Loch in den Kometen gesprengt. Das Projektil, das in den letzten zwei Stunden vor dem Aufprall automatisch auf den Kometen zusteuerte, hat noch bis wenige Sekunden vor dem Einschlag hoch auflösende Digitalbilder des kartoffelförmigen Kometen gesendet.

Die Aufprallenergie entsprach rund fünf Tonnen TNT. Der Krater könnte nach Schätzungen der Forscher so groß wie ein Fußballfeld werden. Die Raumsonde "Deep Impact" soll das Spektakel aus sicherer Entfernung beobachten und die von der Explosion aufgewirbelte Wolke aus Eis, Staub und Kometenkern-Material analysieren. Wenn die Wolke verschwunden ist, hoffen die beteiligten Forscher auf einen Blick ins Innere des Kometen.

Wissenschaftler in Euphorie

Im Jet Propulsion Laboratory der Nasa brach nach dem Treffer Jubel aus. "Wir haben genau dort getroffen, wo wir wollten", sagte Nasa-Wissenschaftler Don Yeomans. "Die Wucht des Aufpralls war größer, als ich und die meisten von uns erwartet hatten. Wir haben alle Daten bekommen, die wir uns nur wünschen konnten." Es könne Monate dauern, die Messergebnisse auszuwerten. "Das Wissenschaftsteam ist euphorisch", jubelte Yeomans.

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Zielanflug: Die letzten Sekunden des Impactors

Die von der Muttersonde geschossenen Bilder erreichten die Erde früher als erwartet. Sie zeigten einen hellen Fleck auf dem Kometen, als das Projektil auf der Oberfläche einschlug. Der Aufschlag habe den Kurs des Kometen um die Sonne nicht wesentlich verändert, teilte die Nasa mit.

Zehn Minuten nach dem Aufprall des Geschosses lieferte die europäische Kometensonde "Rosetta" erste Daten zur Erde. "Rosetta" war zu diesem Zeitpunkt nach Angaben des europäischen Raumfahrtkontrollzentrums Esoc in Darmstadt nur 80 Millionen Kilometer von "Deep Impact" entfernt.

In einer beispiellosen weltweiten Beobachtungsaktion waren Observatorien im Weltraum sowie zahllose Sternwarten auf der Erde auf das 134 Millionen Kilometer entfernte Himmelsereignis gerichtet. Die europäische Weltraumorganisation Esa setzte neben "Rosetta" auch das Röntgen-Observatorium XMM-Newton zur Beobachtung des Einschlags ein. Das Weltraumteleskop Hubble war ebenfalls auf den Aufschlag ausgerichtet, genauso wie alle sieben von der Europäischen Südsternwarte Eso an ihren Standorten in Chile. Sie verfügen im Infrarot- und im optischen Bereich über die besten Instrumente auf der Erde.

Ziel der 333 Millionen Dollar teuren "Deep Impact"-Mission ist es, Materialien zu untersuchen, die vor Milliarden von Jahren bei der Entstehung unseres Sonnensystems im Spiel waren. Kometen bestehen aus Gas, Staub und Eis aus den entferntesten Teilen des Sonnensystems. Einige Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass die Bausteine des Lebens von Kometen auf die Erde gebracht wurde.

"Tempel 1", der schon 1867 entdeckt wurde, bewegt sich in einer elliptischen Umlaufbahn zwischen Mars und Jupiter. Mit einer Fläche von 28 Quadratkilometern gehört er zu den kleineren Kometen. Diese aus Eis und Staub bestehenden Himmelskörper wurden vor etwa 4,5 Milliarden Jahren gebildet, also im Anfangsstadium des Sonnensystems.



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