Feurige Abschiedsbilder "Galileo" fotografierte ferne Vulkane

Die Nasa hat die letzten Dokumente einer heißen Begegnung veröffentlicht: Bei seinen finalen Vorbeiflügen am Jupitermond Io hat der Kundschafter "Galileo" noch einmal 13 neue Vulkane entdeckt.


Heiße Flecken: Auf diesem Infrarotbild entdeckten die Forscher neun neue Vulkane
NASA/ JPL

Heiße Flecken: Auf diesem Infrarotbild entdeckten die Forscher neun neue Vulkane

Im kommenden Jahr hat "Galileo" endgültig ausgedient: Die Nasa will die altersschwache Sonde in der Jupiteratmosphäre entsorgen. Als vorgezogenes Abschiedsgeschenk hat die US-Raumfahrtbehörde nun noch einmal Bilder veröffentlicht, die der Kundschafter Ende vergangenen Jahres bei den letzten erfolgreichen Vorbeiflügen an seinem feurigsten Studienobjekt, dem Jupitermond Io, aufgenommen hatte.

Wie frühere Daten enthüllen auch die letzten "Galileo"-Aufnahmen eindrucksvoll den explosiven Charakter des Mondes, der als geologisch aktivste Welt im Sonnensystem gilt. Die Raumsonde fotografierte bei ihren finalen Einsätzen die unterschiedlichsten vulkanischen Erscheinungsformen: Dazu zählen Krater, die beim Einbruch von Magmakammern entstanden sind, oder Schildvulkane, die an irdische Exemplare auf Hawaii erinnern.

Variabler Vulkanismus: Eine Patera, vermutlich durch ein eingestürztes unterirdisches Magmabecken entstanden (l.), neben einem Schildvulkan (r.)
NASA/ JPL

Variabler Vulkanismus: Eine Patera, vermutlich durch ein eingestürztes unterirdisches Magmabecken entstanden (l.), neben einem Schildvulkan (r.)

Anhand von Wärmebildern konnten die Forscher gleich 13 bislang noch nicht beobachtete aktive Vulkane auf der Mondoberfläche identifizieren. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der bekannten "Hot Spots" des Trabanten auf 120, 74 davon wurden von "Galileo" entdeckt. "Wir hatten vielleicht mit ein oder zwei dutzend gerechnet", erinnert sich Projektwissenschaftler Torrence Johnson vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa.

Für die Planetologen ist die sich rapide verändernde Kruste des Mondes ein vulkanisches Labor, mit dem sie auch exotische Ausbrüche studieren können. "Die Vulkane auf Io bieten eine ganze Sammlung unterschiedlicher Eruptionstypen", erklärt Alfred McEwen von der University of Arizona. Hohe Vulkanberge wie auf der Erde und dem Mars sind dabei vergleichsweise selten - auf Io liegen die meisten Krater und Lavaseen in flachen Regionen.

"Io ist eine seltsame Welt", resümiert Johnson. "Wir wussten das schon vor der 'Voyager'-Mission, doch mit jeder näheren Beobachtung durch 'Galileo' kamen neue Überraschungen." Allerdings setzten die insgesamt sechs Io-Besuche der Sonde stark zu: Die intensive Strahlung in der Nähe des Jupiter schädigte die Bordelektronik. Beim letzten Vorbeiflug in diesem Januar verweigerte das ramponierte Raumfahrzeug schließlich den Dienst und schaltete in den Standby-Modus.

Ganz beendet ist die Karriere von "Galileo" jedoch noch nicht. Der Weltraumveteran wird im November noch einmal an einem Jupitermond vorbeifliegen, dem kleineren inneren Trabanten Amalthea. Von diesem Rendezvous wird die Sonde aber keine Bilder liefern: Stattdessen muss sie Treibstoff sparen für die letzten Kursänderungen, die sie schließlich im September 2003 in die Gashülle des Jupiter führen werden.



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