Flucht in Sojus-Kapsel: Raumstation ISS wegen Weltraumschrotts evakuiert

Alarm auf der Internationalen Weltraumstation: Weil im All herumfliegender Schrott sich der ISS näherte, flüchteten sich die drei Astronauten für elf Minuten in die Sojus-Kapsel. Anlass für die Aufregung war ein ausgedienter Motor.

Die drei Dauerbewohner der Raumstation haben am Donnerstag nach Angaben der US-Weltraumbehörde Nasa vorübergehend Zuflucht in einer Sojus-Rettungskapsel gesucht. So sollten sie sich in Sicherheit vor herannahendem Weltraummüll bringen. Es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, sagte Nasa-Sprecherin Laura Rochon. Es habe nur ein minimales Risiko eines Zusammenstoßes bestanden.

Nach Nasa-Berechnungen näherte sich ein Teil eines ausgedienten Satellitenmotors bedrohlich nahe der Raumstation. Die dichteste Annäherung berechnete die Nasa für 17.39 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Der anfliegende Schrott wurde für eventuelle Ausweichmanöver zu spät entdeckt.

Die Astronauten seien umgehend in die ISS zurückgekehrt, nachdem der Schrott vorbeigeflogen sei. Der russischen Bodenkontrolle zufolge waren die Astronauten nicht in Gefahr. Sie hätten nur rund elf Minuten in der Sojus-Kapsel gesessen und nicht einmal die Einstiegsluke schließen müssen, sagte ein Sprecher. Die Sojus-Kapsel ist für solche Notfälle vorgesehen.

Erst kürzlich hatte russischer Weltraumschrott einen US-Satelliten zerstört. Dabei war der knapp eine Tonne schwere russische Satellit "Cosmos 2251" mit dem rund 600 Kilogramm schweren Iridium-Satelliten kollidiert. Durch den Aufprall hatten sich rund 600 neue Trümmerteile gebildet.

Der stetig zunehmende Weltraumschrott beunruhigt die Weltraumbehörden zusehends. Bis zu 120.000 Objekte ab einem Zentimeter Größe kreisen mittlerweile um die Erde. Die Höhe entscheidet, wie lange der Weltraumschrott im All bleibt: Objekte, die in weniger als 200 Kilometern um den Planeten reisen, verglühen innerhalb weniger Tage in der Atmosphäre. Alles jenseits von 800 Kilometern kann hingegen eine halbe Ewigkeit kreisen. Besonders viele fliegende Schrotteile gibt es in 800, 1000 und 1500 Kilometern Höhe. Die ISS befindet sich in 350 Kilometern Höhe.

Um der Gefahr zu begegnen, plant die europäische Weltraumbehörde Esa daher ein Überwachungssystem für Weltraumschrott: Ein Netzwerk aus mehreren Messstationen soll fliegende Objekte ab zehn Zentimeter Größe erfassen.

lub/chs/AP

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