Fluffiger Riese Planet würde in Wasser schwimmen

Er ist der größte seiner Art und dennoch ein Leichtgewicht: Astronomen haben einen gigantischen Planeten im Orbit um einen fernen Stern entdeckt. Der Riese ist so locker und leicht, dass er in Wasser schwimmen würde.


Über 200 Planeten haben Wissenschaftler schon außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt, doch ein solches Exemplar ist ihnen noch nie untergekommen: Der Planet mit der Bezeichnung HAT-P-1 ist nicht nur der größte bisher bekannte Exoplanet, sondern auch der mit der geringsten Dichte. "Wenn man ihn in ein kosmisches Wasserglas steckte, würde er schwimmen", meint Robert Noyes, Astrophysiker am Smithsonian Astrophysical Observatory in den USA.

Planet HAT-P-1 (Simulation): Zu groß und zu leicht für die bisherigen Theorien zur Planetenentstehung
David A. Aguilar (CfA)

Planet HAT-P-1 (Simulation): Zu groß und zu leicht für die bisherigen Theorien zur Planetenentstehung

HAT-P-1 besitzt den 2,76-fachen Durchmesser des Jupiters, hat aber nur die Hälfte von dessen Masse, schreiben die Wissenschaftler in einem Artikel, der demnächst im "Astrophysical Journal" veröffentlicht werden soll.

"Dieser Planet hat etwa ein Viertel der Dichte von Wasser", sagte Gaspar Bakos, einer der beteiligten Wissenschaftler. "Er ist leichter als ein gigantischer Korkball." Wie auch Saturn würde HAT-P-1 deshalb in Wasser schwimmen - vorausgesetzt, man hätte ein Glas mit einem Durchmesser von 400.000 Kilometern, in dem der Planet ziemlich genau Platz fände.

Leichtgewicht im Sternbild Eidechse

HAT-P-1 dreht rund 450 Lichtjahre von der Erde entfernt seine Runden um einen Stern im Sternbild Eidechse. Der Gasgigant umkreist seinen Heimatstern extrem eng und schnell: Die Entfernung beträgt nur ein Zwanzigstel der Distanz zwischen Erde und Sonne, und für eine Umrundung des Sterns braucht der HAT-P-1 statt eines Erdenjahrs nur viereinhalb Tage.

Die Forscher des Smithsonian Astrophysical Observatory glauben, dass für HAT-P-1 sogar eine neue Planeten-Kategorie eröffnet werden könnte. "Wir könnten hier eine völlig neue Klasse von Planeten vor uns haben", sagte Bakos. Denn auch ein weiterer, bereits früher entdeckter Planet namens HD 209458b ist 20 Prozent größer, als die bestehenden Theorien vorhersagen. Bei HAT-P-1 beträgt die Abweichung gar 24 Prozent.

Bisher haben Astrophysiker vergeblich versucht, die Übergröße von HD 209458b zu erklären. "Damit haben schon zwei bekannte Planeten eine geringere Dichte als vorhergesagt", sagte Noyes. "Die neue Entdeckung könnte bedeuten, dass in unseren Theorien über die Entstehung von Planeten etwas fehlt."

mbe



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