Flugteleskop "Sofia" Nasa will Loch-Jumbojet retten

Die US-Weltraumbehörde Nasa will das Projekt "Sofia", ein in eine Boeing 747 eingebautes Observatorium, doch nicht beerdigen. Deutsche Forscher dürften aufatmen, schließlich haben sie das teure Infrarot-Teleskop entwickelt.


Die Nachricht im Februar war ein Schock für die Wissenschaftlergemeinde. Die Nasa wollte dem Forschungsteleskop "Sofia" den Geldhahn zudrehen. Das in eine Boing 747 integrierte Superauge sollte niemals fliegen. Das bislang in das Projekt investierte Geld, auch 80 Millionen Euro deutscher Steuermittel, wären in den Sand gesetzt gewesen.

Teleskop-Jumbojet "Sofia": "Das ist die größte Loch, das je in eine B747 gemacht wurde"
NASA/USRA

Teleskop-Jumbojet "Sofia": "Das ist die größte Loch, das je in eine B747 gemacht wurde"

Doch nun hat man sich bei der Nasa noch einmal besonnen: "Sofia" - das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie - soll doch fliegen und aus 13 Kilometern Höhe neue Planetensysteme finden oder gar den Ursprung des Lebens ergründen - allerdings ein paar Jahre später als geplant.

"Die wissenschaftliche Arbeit beginnt später", sagte Ray Taylor, Nasa-Programmdirektor für "Sofia", der Webseite Space.com. Man müsse das umgebaute Flugzeug erst ausgiebig testen, bevor es ab 2012 im Dienste der Forschung abheben könne.

Die Nasa hatte bereits rund 500 Millionen US-Dollar in das fliegende Teleskop investiert. Hinzu kommen rund 80 Millionen Euro aus Deutschland - so teuer waren die hier im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) gebauten Instrumente, vor allem das raffinierte Teleskop.

Die Nasa plant noch zusätzliche 250 bis 350 Millionen Dollar in "Sofia" zu investieren, bevor die wissenschaftliche Arbeit beginnen kann. Als heikel gilt vor allem die große Öffnung im Rumpf, die dem 20 Tonnen schweren Teleskop freien Blick ins All erlauben soll. Der Jumbo-Jet soll während das Flugs ein große Luke im Heck öffnen. "Das ist das größte Loch, das je in eine B747 gemacht wurde", sagte Programmdirektor Taylor.

Derzeit steht der Jumbojet auf einem Flughafen in Waco in Texas, wo weitere Flugtests anstehen, bevor er Ende Februar ins Dryden Flight Research Center der Nasa nördlich von Los Angeles verlegt wird.

Dass die Nasa "Sofia" nun doch nicht beerdigt, dürfte zumindest teilweise auch auf den Druck aus Deutschland zurückgehen. Sigmar Wittig, DLR-Vorstandsvorsitzender hatte nach der Verkündung des Ausstiegs aus dem Projekt sofort Einspruch in Washington eingelegt. "Wir verschwenden keinen Gedanken darauf, dieses Projekt abzubrechen", erklärte Wittig im Februar. Von den USA, sagte er damals, "erwarten wir Verlässlichkeit".

hda



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