Simulierte Marsmission Ein Schnuffeltuch für Astronauten

Wissenschaftler haben in der Wüste von Oman getestet, wie sich eine Marsmission anfühlen könnte. Dabei haben sie auch ein wichtiges Utensil ausprobiert, das Astronauten in unangenehmen Situationen helfen soll.

Florian Voggeneder / ÖWF / dpa

Von einem Moment auf den anderen wurde der 3D-Drucker dann doch ziemlich praktisch. Die Bauchschnalle des Mars-Anzugs von Carmen Köhler war bei einem Außeneinsatz in Staub und Geröll kaputtgegangen. Der Drucker zauberte passgenau einen neuen Verschluss.

Köhler, 37, Mathematikerin und promovierte Physikerin aus Berlin, war zwar nicht auf dem echten Mars unterwegs. Doch sie hat im Februar als Wissenschaftlerin eine Mission zum Roten Planeten mit simuliert - mitten in der Wüste des Sultanats Oman. Bei fast 40 Grad Hitze trug sie einen 50 Kilo schweren Raumanzug. "Das war mehr als Spielerei", sagt sie. "Es fühlte sich an wie eine andere Welt."

Die Mars-Crew testete unter anderem ein aufblasbares Gewächshaus, die zeitversetzte Kommunikation mit der simulierten Missionskontrolle auf der Erde und Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Die Simulation mit dem Namen "Amadee 18" kostete rund 1,5 Millionen Euro.

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Eine Reise zum Mars - davon träumen Wissenschaftler schon lange. Der Nachbarplanet der Erde, durchschnittlich rund 200 Millionen Kilometer entfernt, fasziniert Forscher vor allem wegen einer Frage: Gibt es dort zwischen Kratern, Canyons, Geröll und Staub Leben - oder ist die Erde in unserem Sonnensystem einzigartig?

"Was macht man, wenn die Nase juckt?"

Bislang gibt es vom Mars Bilder von Raumsonden und Roboter-Messungen am Boden. Ein genaueres Bild könnte eine bemannte Mission zeichnen. In der Theorie würde sie bis zu 1000 Tage dauern.

Im Video: Nasa-Forschungsdirektor Zurbuchen über den Mars

NASA, SPIEGEL ONLINE

Es könnten allerdings noch viele, viele Jahre vergehen, bis ein Raumschiff samt Astronauten zum Mars fliegt. Die Herausforderungen seien immens - nicht nur technisch, sondern auch für die Astronauten selbst, sagte jüngst Jan Wörner, Chef der Europäischen Weltraumagentur (Esa). Die Probleme heißen dann zum Beispiel Strahlung und Muskelschwund.

Gernot Grömer schreckt das alles nicht. "Heute heißt die Frage nicht mehr, ob wir zum Mars fliegen, sondern wann", sagt der Leiter des "Österreichischen Weltraum Forums". Der 43-Jährige hat die jüngste Simulation in der Wüste Omans geleitet. Die Experimente haben - wie andere und weitaus längere Simulationen zuvor - der internationalen Marsforschung einige neue Erfahrungen beschert.

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Simulation: Der Mars im Sultanat Oman

Zum Teil ging es um sehr praktische Dinge: In einem modernen Raumanzug kann man essen, trinken und auf die Toilette gehen. "Aber was macht man, wenn die Nase juckt?", fragt Grömer. Den Helm abnehmen und kurz mal kratzen - das geht ja schlecht im All oder auf dem Mars. Grömer weiß nun, was hilft: ein Schnuffeltuch, eingebaut in die Unterseite des Helms.

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Praktische Erkenntnisse brachte auch die Sache mit dem Rettich. Die Astronauten in der Wüste haben es geschafft, in einem aufblasbaren Gewächshaus in 15 Tagen bis zu fünf Kilo des vitaminreichen Gemüses auf einem Quadratmeter zu kultivieren. Daraufhin bekam das Saatgut den Namen "Rambo-Rettich".

"Es ist gut zu wissen, wer ein Scherzkeks ist und wer nicht."

In der Wüste hat das Team Elektrofahrzeuge getestet, die wie Quads mit Panzerketten über das Geröll rattern. Carmen Köhler hat bei solchen Ausflügen in ihrem Raumanzug zum Beispiel die Strahlung gemessen. "Es dauert zwei Stunden, diesen Anzug anzuziehen", berichtet sie. "Darin habe ich mich wie in einem eigenen Raumschiff gefühlt." Und jede Bewegung habe unglaublich schwerfällig gewirkt. "So als ob eine Kaffeetasse plötzlich fünf Kilo wiegt." Das runde Visier habe die Sicht zu einem Fischaugen-Effekt verzerrt.

Wichtig war Köhler aber auch, auf Effekte auf die Psyche zu achten. Bei der Simulation, isoliert vom Rest der Welt, wurde geschaut, ob sich das Stresslevel der Crewmitglieder allein schon an ihrer Wortwahl oder ihrem Tonfall ablesen lässt. Es sei wichtig, dass sich das Team zu Beginn einer solchen Mission gut kenne, sagt Köhler. "Es ist gut zu wissen, wer ein Scherzkeks ist und wer nicht."

Ulrike von Leszczynski, dpa/chs

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