Forschungsprojekt "AsteroidFinder": Wie ein deutscher Satellit die Welt retten soll

Aus Bremen berichtet

Asteroiden sind eine Gefahr für die Erde, der Aufprall eines Riesenbrockens könnte das Leben auf dem Planeten auslöschen. Ein neuer Satellit aus Deutschland soll nun rechtzeitig vor den kosmischen Flugkörpern warnen: Er scannt ein Areal, das auf Himmelskarten bislang ein weißer Fleck ist.

DLR

Das Ambiente erinnert an die Kommandobrücke des Raumschiffs Enterprise. Ein Dutzend Arbeitsplätze sind im Halbkreis angeordnet, jeder blaubestuhlte Platz ist mit großem Monitor, Webcam, Kopfhörer und Mikrofon ausgestattet. In der Mitte thront eine zentrale Konsole, direkt im Blickfeld der in der Wand eingelassenen Kamera. Hier würde wohl der Kapitän sitzen und seine Kommandos geben.

Doch weil wir uns am Stadtrand von Bremen befinden, einen Steinwurf von der Autobahn entfernt, und nicht irgendwo in den Weiten des Alls, sucht man Captain Kirk oder Jean-Luc Picard vergebens. An ihrer Stelle sitzen Ingenieure und Naturwissenschaftler. In dem lichtdurchfluteten Erdgeschossraum in der Bremer Außenstelle des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) konstruieren sie Satelliten. Concurrent Engineering Facility nennen die Forscher den futuristischen Raum, in dem sie an einem - möglichen - Weltenretter arbeiten.

Marcus Hallmann zeigt auf einen der drei beeindruckend großen Monitore an der Stirnwand der Planungszentrale. Unter seinen Fingern tanzt buntes Konfetti, jedenfalls sieht es so aus. Rote, grüne, gelbe, weiße Punkte bewegen sich ohne Pause hin und her. Inmitten des Trubels liegen zwei klar eingezeichnete Ellipsen. Es sind die Bahnen von Erde (grün) und Venus (rosa), wie Hellmann erklärt. Und jeder einzelne der Punkte könnte theoretisch der Erde großen Schaden zuzufügen.

Fotostrecke

5  Bilder
"AsteroidFinder": Suche nach der kosmischen Bedrohung
Zu sehen sind Flugkörper, die im Inneren des Sonnensystems ihre Bahnen ziehen. Zur kosmischen Bedrohung für uns könnten sie zum Beispiel dann werden, wenn sie von der Gravitationswirkung der Venus auf eine gefährliche Bahn umgelenkt würden - mit Kurs auf unseren Planeten. Der kurzfristige Einschlag eines größeren Asteroiden auf der Erde ist, das sehen alle Wissenschaftler so, vor allem eine hypothetische Bedrohung. Eine konkrete Gefahr gibt es - nach allem, was die Astronomen wissen - nicht. Doch das Problem ist: Die Erkenntnisse reichen nicht aus, um auch nur ansatzweise genaue Vorhersagen zu treffen. Außerdem wären mögliche Vorwarnzeiten viel zu kurz.

"All diese Asteroiden sind eine potentielle Gefahr für die Erde", sagt Hallmann. Aufgrund statistischer Verteilungsgesetzmäßigkeiten vermuten Forscher rund tausend solcher Objekte innerhalb der Erdbahn, jedes von ihnen mindestens hundert Meter groß. Doch gerade einmal zehn Brocken dieser Art sind bisher bekannt. "Über die Population weiß man so gut wie nichts", sagt Ekkehard Kührt vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin.

Somit gaukelt die Computersimulation mit den vielen bunten Punkten eine Erkenntnistiefe vor, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt - noch nicht. Diese Aufgabe soll der deutsche Satellit "AsteroidFinder" schon bald übernehmen. In Bremen laufen die Fäden für die Planung des Geräts zusammen, das nach den Plänen seiner Erbauer etwa so groß werden soll wie ein Single-Kühlschrank - 80 Zentimeter breit und tief, und 100 Zentimeter hoch.

Pro Tag 14 Gigabyte an Daten

Bisher beschäftigen sich vor allem die Amerikaner mit der Suche nach Asteroiden. Doch erstens fehlt ihnen dafür immer mal wieder das Geld, und zweitens schauen sie nur von der Sonne weg, auf den Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Der Satellit aus Deutschland soll hingegen die sogenannten "Inner Earth Objects" (IEO) beobachten. "Bisher gab es keine Bemühungen, diese Klasse von Asteroiden zu finden", sagt Kührt.

Bei der Suche gibt es gleich mehrere Probleme, das wohl schwerwiegendste lässt sich jederzeit im Alltag erleben: Wer tagsüber in die Sonne blickt, der kann nicht ernsthaft darauf hoffen, Sterne zu beobachten. Unser Zentralgestirn blendet einfach zu stark. Wie soll man da im Gegenlicht ein paar vergleichsweise kleine, lichtschwache Gesteinsstücke erkennen können?

Einigermaßen gute Karten dafür hat der "AsteroidFinder" außerhalb der Erdatmosphäre, auf seiner Umlaufbahn genau an der Tag-Nacht-Grenze, dem sogenannten Terminator-Orbit. Und doch muss das 25-Zentimeter-Teleskop sehr genau hinsehen. Im Prinzip schlummert in ihm ein Chip, wie er auch in handelsüblichen Digitalkameras zum Einsatz kommt. Allerdings muss das Auge des Satelliten auf minus 80 Grad gekühlt werden - und über eine besonders gute Rauschunterdrückung verfügen.

Kurze Verschlusszeiten sollen außerdem dabei helfen, dass die Bilder nicht verwackeln wie ein Urlaubsschnappschuss einer schummerigen Hafenpromenade. Aus zahlreichen Einzelaufnahmen berechnet der fliegende Späher deswegen seine Himmelsbilder. Pro Tag soll "AsteroidFinder" rund 14 Gigabyte an Daten zur DLR-Bodenstation nach Neustrelitz schicken.

"Wir müssen extrem kleine Signale detektieren", sagt Peter Spietz. Erst aus den Aufnahmen mehrerer aufeinanderfolgender Tage lasse sich die Bahn von sonnennahen Asteroiden überhaupt berechnen, erklärt der Physiker.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Endlich!
hansglueck 20.03.2010
Endlich wird gegen die seit langer Zeit äußerst akute Gefahr eines Asteroiden-Einschlags gehandelt! Wenn jetzt noch das Verschieben von Erdachsen durch Erdbeben verhindert wird, kann ich endlich wieder ruhig schlafen. Bis dahin bleibt mir nur eines - PANIK!!!
2. sind wir alle Gallier ?
Fackus 20.03.2010
Asterix und Co hatten ja immer die Angst, daß ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Dann war 2000 Jahre Ruhe mit dem Thema. Nu gehts also wieder los. Und ein paar Astrofreaks und Satellitenschrauber haben wieder mal ihre Show. Nachdem Joachim Bublaths Bum-Bum - Weltraum-Apokalypsen aus dem ZdF verschwunden sind müssen se sich halt wieder mal was ausdenken, um das Volk in esoterischem Horror zu halten - letzlich um ihre Jobs zu rechtfertigen. Wenn so ein Brocken fällt, dann fällt er eben. Wozu Vorwarnung? Mit Raumschiffen ablenken ? Tolle Idee bei einer Technologie, die schon Mühe hat ihre paar ISS-Mannen rechtzeitig mit Milupabrei zu versorgen ...
3. Risiko
Relation 21.03.2010
Zitat von FackusWenn so ein Brocken fällt, dann fällt er eben. Wozu Vorwarnung? Mit Raumschiffen ablenken ? Tolle Idee bei einer Technologie, die schon Mühe hat ihre paar ISS-Mannen rechtzeitig mit Milupabrei zu versorgen ...
Zunaechst mal folgendes: ein Risiko setzt sich zusammen aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshoehe. Ersteres ist vermutlich sehr gering aber das wird durch letzteres wieder wett gemacht. Also ich finde es nicht falsch wenigstens warnen zu koennen. Evtl. kann man dann ja noch ein paar Leute evakuieren, wenn es sich nicht um einen riesiger Brocken handelt bei dem eh alles zu spaet ist. Und wenn man das mit dem Warnen/Entdecken mal im Griff hat, hat evtl. jemand ne Idee was man tun koennte ausser nur zu warnen.
4. ..
tylerdurdenvolland 21.03.2010
Zitat von hansglueckEndlich wird gegen die seit langer Zeit äußerst akute Gefahr eines Asteroiden-Einschlags gehandelt! Wenn jetzt noch das Verschieben von Erdachsen durch Erdbeben verhindert wird, kann ich endlich wieder ruhig schlafen. Bis dahin bleibt mir nur eines - PANIK!!!
Sie sind ein böser, böser Mensch. Wahrscheinlich nicht mal ein Christ! Liebe Wissenschaftler! Bitte nehmt den Foristen der diesen zitierten Beitrag geschreiben hat nicht ernst! Er weiss es halt nicht besser. Wir anderen sind euch ewiglich dankbar, dass ihr die Mesnchheit mit eurer Arbeit vor dem Aussterben bewahrt. Man muss sich ja nur auf dem Planeten umschauen um zu sehen wie segensreich die Existenz des Homo Sapiens für die ganze Welt ist. Und wir alle versprechen auch ganz hochheilig, dass wir brav auf ewig unsere Steuern zahlen, dammt man euch für eure ungeheuer entscheidende Forschung damit bezahlen kann.
5. Gutes Programm
Nordluchs 21.03.2010
Wer die Gefahr durch Asteroideneinschäge vernachläsigt ist töricht, jeder mit logischem Menschenverstand weiss das! Es gilt bei allen Risiken: Eintrittwahrscheinlochkeit vs. Schaden. Auch wenn die EIntrittwahrscheinlichkeit sehr niedrig ist, ist der Schaden ein Total Loss, deshalb muss man sich dagegen mit entsprechenen Kosten/Nutzen absichern. Es ist ja hier nicht so, das Mrd. ausgegeben werden, sondern gerade soviel um gerademal das nötigste abzusichern. Einer der wenigen Felder, wo mal weitsichtig gedacht wird und gleich kommen die "Heuler" daher. Kein Wunder dass in der Politik nur diese kurzfristigkeit vorherrscht. Hatte es 1908 Westeuropa erwischt, hätten wir jetzt bereits ein Abwehrschild mit hunderten Mrd. finanziert...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Asteroiden
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 10 Kommentare

Esa
Forschen im freien Fall: Kommt ein Bumerang in der Schwerelosigkeit zurück? Was passiert mit einem aufgeschlagenen Ei? SPIEGEL ONLINE hat es für Sie bei einem Parabelflug der Esa ausprobiert. Rätseln Sie mit - und sehen Sie die Antworten im Video.