Forschungszentrum Cern Physiker wollen Schwarze Löcher herstellen

Ab 2006 soll der neue Teilchenbeschleuniger des Cern verwegene Physiker-Träume wahr werden lassen. Neuen Berechnungen zufolge kann der Large Hadron Collider jede Sekunde ein Schwarzes Loch erzeugen.


Large Hadron Collider (Montage): Jede Sekunde ein Schwarzes Loch?
CERN

Large Hadron Collider (Montage): Jede Sekunde ein Schwarzes Loch?

Viele Teilchenphysiker werden diesem Datum schon entgegen fiebern: Am 1. April 2006 werden die ersten Probeläufe des Large Hadron Collider am europäischen Zentrum für Teilchenphysik (Cern) bei Genf beginnen. Beschleunigt in einem 27 Kilometer langem Tunnel, sollen in der unterirdischen Anlage Protonen mit bislang nicht erreichter Energie aufeinander prallen. Dabei werden sich nach den Hoffnungen der beteiligten Forscher jene Reaktionen beobachten lassen, die auch einen winzigen Sekundenbruchteil nach dem Urknall stattfanden.

Doch damit nicht genug: Die bei diesen Kollisionen erzielte Energie könnte ausreichen, um rund einmal pro Sekunde ein winziges Schwarzes Loch zu erzeugen, haben Savas Dimopoulos von der Stanford University und Greg Landsberg von der Brown University in Providence, Rhode Island, ermittelt. Ihre Berechnungen stellen die Wissenschaftler in der kommenden Ausgabe der Fachzeitschrift "Physical Review Letters" vor.

Schwarze Löcher galten noch bis vor kurzem als ein eher astrophysikalisches Phänomen - die ultramassiven Objekte könnten, wie man glaubte, nur bei gewaltigen Katastrophen wie etwa dem Kollaps eines Sternes entstehen. Neuere Modelle, die von einem Universum mit zusätzlichen räumlichen Dimensionen ausgehen, erlauben allerdings auch bei relativ niedrigen Energien die Entstehung sehr kleiner Schwarzer Löcher.

Ein im Large Hadron Collider erzeugtes Schwarzes Loch wäre etwa eine Million Mal kleiner als ein Atomkern und würde nur einen Augenblick existieren, bevor es in einem Energieblitz verschwindet. Dieses Schicksal hatte der Physiker Stephen Hawking bereits in den siebziger Jahren prophezeit: Seiner Vorhersage zufolge können ab und zu Partikel den Ereignishorizont des Schwarzen Lochs überwinden und entkommen als Strahlung. Große Objekte würden sich so äußerst langsam auflösen, bei extrem kleinen Schwarze Löchern würde dieser Prozess hingegen schnell ablaufen.

Wenn das von Dimopoulos und Landsberg ausgemalte Szenario eintritt, könnte der Large Hadron Collider Forschern die Möglichkeit eröffnen, erstmals Schwarze Löcher anhand der so genannten Hawking-Strahlung nachzuweisen. Zudem könnte die Strahlung den Physikern noch mehr verraten - nämlich die Existenz der von der Theorie vorhergesagten zusätzlichen Raumdimensionen.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.