Foto-Vergleich Junge Wasserspuren auf dem Mars entdeckt

Forscher haben neue Hinweise für flüssiges Wasser auf dem Mars gefunden. Fotos einer US-Sonde zeigen, dass die Veränderungen auf der Oberfläche des Planeten aus den vergangenen sieben Jahren stammen.

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Eiskalt, staubig und knochentrocken wirkt der Mars auf den ersten Blick. Doch der Eindruck täuscht, wie Forscher schon seit längerer Zeit vermuten: Nicht nur unter der Oberfläche schlummern möglicherweise gewaltige Reservoirs gefrorenen und flüssigen Wassers, auch das Gesicht des Roten Planeten könnte sich ständig verändern. Spektakuläre Fotos von Eisschollen und Schluchten sowie Radarbilder vom Inneren des Mars haben diesen Verdacht bestärkt. Möglicherweise, vermuten Wissenschaftler, finde diese Aktivität bis in die Gegenwart statt.

Unter Gegenwart verstehen Planetenforscher und Geologen allerdings mitunter etwas anderes als ihre Zeitgenossen. Bisher bedeutete das eher die geologisch jüngste Vergangenheit, was immer noch einen Zeitraum von vielen Zehntausend Jahren umfassen kann. Jetzt aber haben Wissenschaftler Hinweise dafür gefunden, dass innerhalb der letzten sieben Jahre Wasser auf der Mars-Oberfläche geflossen ist.

Spuren von Wasser wahrscheinlich

Die US-Sonde "Mars Global Surveyor" hat seit 1999 einige Stellen auf dem Mars mehrfach fotografiert - und erstaunliche Veränderungen sichtbar gemacht. Die spektakulärsten Fotos zeigen eine Rinne im Rand eines Kraters. Auf einem Bild von 2004 sind dort helle Ablagerungen zu erkennen, die auf einem Foto von 1999 noch nicht vorhanden waren. Die Ablagerungen "besitzen Eigenschaften, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von Fließvorgängen stammen", schreiben die Forscher um Michael Malin, der für die Kamera an Bord von "Mars Global Surveyor" verantwortlich ist, im Fachblatt "Science". Bei der Flüssigkeit habe es sich wahrscheinlich um Wasser gehandelt.

Oded Aharonson, Planetenforscher am California Institut für Technology, nannte die Interpretation von Malins Team überzeugend. Er wies aber darauf hin, dass Wasser nur eine von mehreren möglichen Erklärungen sei. Es müsse weiter untersucht werden, ob die Ablagerungen vielleicht von Staubmassen zurückgelassen wurden.

Vulkanismus hält Wasser flüssig

Für den deutschen Planetenforscher Gerhard Neukum, Chefwissenschaftler für die hochauflösende Kamera der europäischen Sonde "Mars Express", kommt Malins Foto-Vergleich keineswegs überraschend. Bisher hätten nur nicht genügend Bilder von der Mars-Oberfläche vorgelegen, um ein- und dieselbe Stelle über mehrere Jahre beobachten zu können. "Das ist jetzt anders, und deshalb überrascht mich diese Entdeckung nicht", sagte Neukum im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Es bestätigt unsere bisherigen Erkenntnisse."

Zudem sieht sich Neukum jetzt als Sieger einer teils hitzig geführten Debatte mit US-Forschern. Experten um Alfred McEwan von der University of Arizona in Tucson hatten die von Neukum und seinem amerikanischen Kollegen William Hartmann eingeführte Altersbestimmung von Planetenoberflächen anhand der Zahl von Einschlagskratern angegriffen. McEwan hatte behauptet, dass die Methode zu krassen Fehleinschätzungen führe und die Marsoberfläche in Wahrheit viel älter sei.

Malins "Nature"-Artikel widerlege McEwan nun eindeutig, meint Neukum. "Der Vergleich zwischen Fotos, die nur wenige Jahre auseinanderliegen, gibt uns Recht", sagte der Forscher der Freien Universität Berlin.

Somit bleibe es dabei, dass der Mars mit hoher Wahrscheinlichkeit noch bis in die jüngere Vergangenheit vulkanisch aktiv war und möglicherweise bis heute ist. "Vulkanismus kann das Wasser unter der Oberfläche des Mars flüssig halten", sagt Neukum. An einigen Stellen sei dies auch durch Sonnenlicht möglich. "Wenn es dann zu Beben oder Hangrutschungen kommt, werden die wasserführenden Schichten angezapft. Das Wasser tritt an die Oberfläche aus, wo es schnell überfriert oder wegen des geringen atmosphärischen Drucks verdampft."

Ob Malins Entdeckung aber den Spekulationen über Leben auf dem Mars neuen Auftrieb verleiht, dürfte mehr als fraglich sein. Der Astrobiologe Bruce Jakosky von der University of Colorado in Boulder sagte zwar, die Untersuchung von Malins Team mache deutlich, dass die Suche nach Leben auf dem Mars wichtig sei. Neukum sieht das anders: "Alle bisherigen Indizien für Leben auf dem Mars, wie etwa Methan in der Atmosphäre, können auch rein geologische Ursachen haben."

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