SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

15. Juni 2004, 10:16 Uhr

Fotos aus dem Orbit

Billig-Satellit schießt scharfe Bilder

Die Esa hatte ihn nur als billige Plattform für Experimente geplant, die nach einem Jahr abstürzen sollte. Doch der Kleinsatellit "Proba" schwebt bereits seit zweieinhalb Jahren um die Erde und schießt beeindruckende Fotos berühmter Sehenswürdigkeiten.

Normandie aus dem Orbit: Die Aufnahme des Satelliten Proba zeigt die berühmte Benediktinerkapelle Mont St. Michel
ESA

Normandie aus dem Orbit: Die Aufnahme des Satelliten Proba zeigt die berühmte Benediktinerkapelle Mont St. Michel

Er sieht aus wie eine Waschmaschine, ist in etwa genauso groß und entstand in ähnlich kurzer Zeit: Der europäische Kleinsatellit Proba (Project for on Board Autonomy) wurde in nur drei Jahren entwickelt, produziert und getestet - und sollte eigentlich nur ein Jahr lang im Einsatz bleiben. Doch die Experimentierplattform für neue Technologien - mit Gesamtkosten von 10 Millionen Euro ein Billig-Satellit - schwebt bereits seit Oktober 2001 um die Erde und liefert beeindruckende Bilder von berühmten Städten und Landschaften.

Das Hauptinstrument an Bord der 80 Zentimeter hohen Kiste ist das Spektrometer Chris (Compact High Resolution Imaging Spectrometer), das aus 600 Kilometern Höhe Bilder mit einer Auflösung von bis zu 18 Metern pro Bildpunkt erzeugt. Die Bilder einer Schwarzweiß-Kamera, die Gebiete von 25 Quadratkilometern zeigen, erreichen sogar eine Auflösung von fünf Metern pro Pixel.

Der Satellit hält seinen Kurs mit Hilfe des Global Positioning System (GPS). Da er sich jedoch im Verhältnis zu den GPS-Satelliten mit hoher Geschwindigkeit bewegt, ist Proba zusätzlich mit einem System namens ASC (Advanced Stellar Compass) ausgerüstet, das die genaue Position des Satelliten anhand von Sternenkarten berechnet.

Proba-Satellit (Simulation): Form und Größe einer Waschmaschine
ESA

Proba-Satellit (Simulation): Form und Größe einer Waschmaschine

Proba kann aus verschiedenen Richtungen fotografieren: Der kleine Kasten dreht sich nicht mit Düsen, sondern mit Rädern, deren Fliehkraft die Veränderung der Lage um bis zu 30 Grad ermöglicht. Während des Fotografierens kompensiert dieses Lageregelungssystem die natürliche Bewegung auf der Erdumlaufbahn, so dass Proba das Ziel auf der Erde unbewegt anpeilen kann.

Allerdings unterlaufen den Forschern bei der Interpretation der Aufnahmen zuweilen auch Pannen. So veröffentlichte die Esa im Mai ein Foto, das angeblich die Große Mauer in China zeigte - und sich anschließend als Aufnahme eines Flusses nordöstlich von Peking entpuppte.

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH