Satellitenbild der Woche Ein Berg im Wattenmeer

Im Nordwesten von Frankreich liegt eine mächtige Bucht, hier herrscht ein gewaltiger Tidenhub. Doch berühmt ist das Wattenmeer am Ärmelkanal für einen ganz besonderen Felsen.

ESA


Für den Norddeutschen ist ein Wattenmeer eine ziemlich klare Angelegenheit: Das Meer ist da, wo das Wasser ist. Und das Watt ist da, wenn das Wasser weg ist. Wie ein Berg ins Wattenmeer kommen soll, ist dem Norddeutschen schleierhaft. Denn Berge haben für ihn in einem ordentlichen Wattenmeer nichts zu suchen.

Doch in der Bucht oben auf dem Bild gibt es sogar einen weltberühmten Berg im Wattenmeer. Es handelt sich um die winzige Insel Mont-Saint-Michel an Frankreichs Nordwestküste. Auf dem Bild, aufgenommen von dem Esa-Satelliten "Sentinel-2" ist die Insel kaum zu erkennen, es ist ein winziger Punkt im südöstlichen Bereich der Bucht, ganz am Rand des grauen Watts nahe der Küste.

Jährlich besuchen diesen Punkt Millionen Touristen, bei Ebbe können sie den knappen Kilometer Weg sogar zu Fuß durch das Wattenmeer zurücklegen, zudem führt ein Damm hierher. Auf der Insel müssen sie gerade mal etwas mehr als 800 Meter laufen, um sie zu umrunden.

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Doch die Besucher kommen nicht, um die mehr als 90 Meter hohen Felsen anzuschauen, sie kommen für das kleine Dörfchen und das eindrucksvolle Kloster, das darauf erbaut wurde und das längst zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Die Abtei Mont-Saint-Michel wurde auf dem Eiland im Mittelalter von Benediktinermönchen errichtet - sie sieht aus wie aus einem Fantasy-Film.

Der Legende nach träumte im achten Jahrhundert nach Christus ein Bischof von Erzengel Michael. Der Gottesbote soll ihn mehrfach aufgefordert haben, eine Kirche für ihn zu bauen. Doch erst, nachdem er dem Kirchenmann ein Loch in den Schädel brannte, sei er der Bitte nachgekommen.

Insel mit Dorf und Kloster
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Insel mit Dorf und Kloster

Die Bucht Mont-Saint-Michel, gelegen genau auf der Grenze zwischen der Bretagne im Westen und der Normandie im Osten, ist einer der Orte mit dem stärksten Tidenhub in Europa. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut kann hier bis zu 15 Metern betragen. Wenn die Springfluten ihren Höhepunkt erreichen, zieht sich das Meer etwa 15 Kilometer von der Küste zurück und wenn das Wasser zurückkehrt, geschieht das so schnell, dass Wattbesucher aufpassen müssen, von den Wassermassen nicht eingeschlossen zu werden.

Als das Foto aufgenommen wurde, das die Europäische Weltraumbehörde Esa nun veröffentlicht hat, herrschte gerade Ebbe. Der ausgedehnte Sandboden war freigelegt, er wird von mäandrierenden Kanälen durchzogen.

Neue Fußgängerbrücke zum Klosterberg
DPA

Neue Fußgängerbrücke zum Klosterberg

Die Bucht war jedoch in den letzten Jahrhunderten anfällig für Verlandung. Dass immer mehr Sand angespült wurde, hatte ausgerechnet mit dem Bau des Dammes zu dem berühmten Inselkloster zu tun. Doch ein gezielter technischer Eingriff hat dafür gesorgt, dass der Mont-Saint-Michel seinen maritimen Charakter bewahren konnte. Der Hauptfluss in die Bucht, der Couesnon, wird seit 2009 von einer Schleuse reguliert. Sie sorgt dafür, dass der Fluss größere Mengen des angeschwemmten Sandes wieder abtransportiert.

Zudem gibt es in der Bucht noch einen weiteren Berg aus Felsen, die kleine Gezeiteninsel Tombelaine. Sie ist auf dem Bild etwas weiter nördlich als der Mont-Saint-Michel zu erkennen. Gewissermaßen befinden sich also gleich zwei Berge im französischen Wattenmeer. Da staunt sogar der stoische Norddeutsche.

joe



insgesamt 6 Beiträge
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Affenhauptmann 17.05.2018
1. Hm
Auf dem Bild erkennt man NICHTS. 99% Prozent der Leser werden denken, dass es sich um die Grande Ile handelt.
zeichenkette 17.05.2018
2. Lustig
In dem Artikel sind englische Textreste übriggeblieben, die von einer französischen Tourismusseite kommen. Da hat der Autor offensichtlich Texte zusammenkopiert, teilweise übersetzt, ist dann gestört worden und hat den Text einfach als fertig abgeschickt und keiner hat mehr reingesehen. Ein interessanter Einblick in der Arbeitsweise der Spiegel-Redaktion ;-)
Kamillo 21.05.2018
3.
Es sind sogar drei felsige Hügel. Nur der Dritte muss schon vor Jahrhunderten verlandet sein. Es ist der Mont Dol bei Dol de Bretagne, keine 10 km weg vom Mont Saint Michel. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Mont-Dol
C.Rainers 21.05.2018
4. Wir im Norden
nennen mäandrierende Kanäle, Priele und das wird es da auch sein. Kanal ist künstlich,oder?
widower+2 21.05.2018
5. So ist es!
Zitat von C.Rainersnennen mäandrierende Kanäle, Priele und das wird es da auch sein. Kanal ist künstlich,oder?
Kanäle können und sollen eigentlich auch gar nicht mäandern. "Mäandrieren" ist zudem die bei Weitem ungebräuchlichere Form.
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