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Nasa-Spaceport: Raketenstart gelungen, Frosch tot

Nasa-Sonde "Ladee": Start mit Frosch Fotos
REUTERS/ NASA

Die Rakete rauscht gen Himmel, im orangefarbenen Rauch ist ein kleiner Frosch zu erkennen: Seit dem Start einer Nasa-Sonde an der US-Ostküste ist das Tierchen eine Weltberühmtheit - auch oder gerade weil es den Take-off nicht überlebte.

Zur falschen Zeit am falschen Ort war in der vergangenen Woche ein kleiner Frosch auf Wallops Island vor der US-Ostküste. Die Amphibie hatte sich einen Fleck Wasser als Bleibe ausgesucht, der mehr ist als nur ein Tümpel: Er dient als Schutzbecken des Mid-Atlantic Regional Spaceports der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Mit dem Wasser soll die Startrampe der Raketenbasis vor den großen Anschubkräften der Triebwerke geschützt werden, außerdem soll so der Startlärm gedämpft werden.

Dummerweise zieht das Becken auch Wassertiere an. Und so kam es, dass mindestens ein Frosch eine Spur zu nahe am Geschehen war, als am vergangenen Samstag die gewaltigen Kräfte der "Minotaur V"-Rakete die Nasa-Sonde "Ladee" in die Luft katapultierte. Durch die Wucht des Antriebs wurde das Tier mit in die Höhe gerissen. Eine der ferngesteuerten Kamera der Nasa, die Starts von Weltraummissionen generell in vielen Aufnahmen verewigen, machte die ungewöhnliche Aufnahme des Froschs neben der rund 30 Meter hohen Rakete.

Im Internet wurde der unfreiwillige "Frogonaut" bereits herumgeschickt, bevor klar war, ob das Bild auch wirklich echt ist. Ein Sprecher der Nasa hat dies nun mittlerweile bestätigt.

"Ladee" soll Rätsel um Mondstaub lösen

Der Start von "Ladee" war mit Spannung erwartet worden. Die Sonde soll ein Rätsel lösen, das mit Rückkehr der letzten bemannten Mondmission auf die Erde entstanden war. Kurz vor Sonnenaufgang war den Astronauten der "Apollo 17"-Crew auf dem Mond ein sanftes Glimmen hoch über der Oberfläche aufgefallen: Es sah aus, als würde das Sonnenlicht kleine Teilchen in der Atmosphäre des Mondes anstrahlen. Aber wie konnte das sein - wo doch der Mond keine Atmosphäre besitzt?

Um dieses Mysterium zu entschlüsseln, hat die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa nun "Ladee" (für "Lunar Atmosphere and Dust Environment Explorer") ins All geschickt. Viele Zuschauer an der US-Ostküste verfolgten den nächtlichen Start, er wurde zudem live im Internet und unter anderem auch auf einer Leinwand am New Yorker Times Square übertragen. Der Lichtschweif am Himmel war ebenfalls bis in die Millionenmetropole zu sehen.

Die rund 250 Millionen Dollar (etwa 190 Millionen Euro) teure "Ladee"-Mission war aus vielen Gründen besonders: Der Weltraumbahnhof auf Wallops Island ist nur eine Nasa-Zweigstelle, die Trägerrakete vom Typ "Minotaur V" war noch nie zuvor für Weltraum-Missionen genutzt worden. Zudem hatte die Rakete das private Unternehmen Orbital geliefert, das zuletzt für zwei Fehlstarts verantwortlich war.

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Nasa-Sonde "Ladee": Erfolgreicher Start des Mondstaubsaugers

Übrigens: Die unglückliche Amphibie von Wallops Island ist nicht der einzige Frosch mit Raumfahrt-Erfahrung. 2001 schickte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mehrere Frosch-Kaulquappen für zehn Tage zur Internationalen Raumstation ISS. Forscher der Universität Ulm wollten damit die Wirkung der Schwerelosigkeit auf das Schwimmverhalten und auf das Gleichgewichtsorgan der Tiere untersuchen.

Bereits 1993 war Frosch "Manni" mit 149 anderen Kaulquappen an Bord eines US-Space-Shuttles ins All geflogen. Dabei ging es ebenfalls um Grundlagenforschung zur frühen Hirn- und Ohrenentwicklung. Die meisten Versuchstiere starben damals im Dienst der Wissenschaft. Nur der amphibische Raumfahrer "Manni" und drei seiner Artgenossen lebten und entwickelten sich im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln weiter. Sie waren ursprünglich für weitere Experimente im All vorgesehen, doch daraus wurde aufgrund von Budgetkürzungen dann nichts mehr.

nik

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insgesamt 48 Beiträge
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1.
Prokrastes 15.09.2013
Wo auf diesem Planeten wird sowas formuliert? Es heißt "die Amphibie". http://de.wiktionary.org/wiki/Amphibie
2. Tierschutz!
Spiegelleserin57 15.09.2013
kann man das Becken nicht solange abdecken bis es gebraucht wird, würde viele Tiere vor dem grausamen Tod schützen. In Deutschland wird selbst am Flughafen auf den Teirschutz geachtet warum nicht dort?
3.
grobian24 15.09.2013
2. Tierschutz! Spiegelleserin57 heute, 15:06 Uhr kann man das Becken nicht solange abdecken bis es gebraucht wird, würde viele Tiere vor dem grausamen Tod schützen. In Deutschland wird selbst am Flughafen auf den Teirschutz geachtet warum nicht dort? Hoffentlich wird da kein 'Teir' durch die Abdeckung zerquetscht
4. An die Tierschützerin57
frithjs 15.09.2013
Am Flughafen geht es grundsätzlich nicht um den Schutz der Tiere, sondern man vertreibt Vögel etc. von Start- und Landebahnen um das Risiko zu vermindern, dass diese in Turbinen bzw. unter die Reifen kommen, damit ein sicherer Flug gewährleistet werden kann.
5.
tbxi 15.09.2013
Zitat von Spiegelleserin57kann man das Becken nicht solange abdecken bis es gebraucht wird, würde viele Tiere vor dem grausamen Tod schützen. In Deutschland wird selbst am Flughafen auf den Teirschutz geachtet warum nicht dort?
Weil die USA eben nicht Deutschland ist.
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