Rekord: Galaxie gebiert jeden Tag zwei Sterne

Das Zentrum eines Galaxienhaufens ist zu neuem Leben erwacht, es produziert im Rekordtempo neue Sterne. Forscher staunen über den Phoenix-Cluster - und über das Schwarze Loch in seinem Zentrum, das sich ganz untypisch verhält.

Ungewöhnlicher Galaxienhaufen: Phoenix-Cluster entpuppt sich als Sternenkinderstube Zur Großansicht
NASA; NASA / M.Weiss

Ungewöhnlicher Galaxienhaufen: Phoenix-Cluster entpuppt sich als Sternenkinderstube

5,7 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt haben US-Forscher einen Galaxienhaufen entdeckt, der ihren Aussagen zufolge gleich mehrere astronomische Rekorde bricht. Beobachtet haben die Forscher den offiziell als "SPT-CLJ2344-4243" bezeichneten Galaxienhaufen unter anderem mit dem "Chandra"-Röntgenteleskop der Nasa. Im Wissenschaftsmagazin "Nature" berichtet das Team, dass im Zentrum der Struktur im Jahr zwischen 580 und 900 Sonnenmassen entstehen - also gut zwei Sterne pro Tag. Das Objekt sei außerdem der stärkste Röntgenwellen-Strahler aller bekannten Galaxienhaufen und zählt zu den massereichsten Clustern.

Zum Vergleich: In der zentralen Region des sogenannten Perseus-Cluster, die ebenfalls als sehr aktive kosmische Kinderstube gilt, bilden sich pro Jahr knapp 40 neue Sterne mit je einer Sonnenmasse. Allerdings gebe es andere kosmische Strukturen, in denen sich noch schneller Sterne formen, etwa in kollidierenden Galaxien, schränken die Forscher ein.

Für Beobachter auf der Erde ist "SPT-CLJ2344-4243" rund sechs Milliarden Jahre alt. Eigentlich passiere in solchen Galaxienhaufen nicht viel Neues. "Wir nennen sie rot und tot", sagt Michael McDonald vom Massachusetts Institute of Technology, der Hauptautor der Studie. Aber: "Während die Galaxien in den meisten beobachteten Galaxienhaufen seit Milliarden von Jahren ruhig sind, ist das Zentrum dieses Clusters mit einer neuen Phase der Sternenentstehung wieder aufgelebt", erklärt er.

Sternenbildung kaum von Schwarzem Loch blockiert

Die Forscher bezeichnen den Galaxienhaufen daher nicht nur wegen seiner scheinbaren Lage im gleichnamigen Sternbild als Phoenix-Cluster. Das Wiederaufleben seines Zentrums erinnere an den mythischen Vogel Phoenix, der aus seiner Asche auferstehen kann.

Wie andere Galaxienhaufen auch enthält der Phoenix-Cluster große Mengen heißen Gases, die sich mit dem Röntgenteleskop "Chandra" beobachten lassen. Das Gas kühle sich insbesondere im Zentrum des Galaxienhaufens sehr schnell ab, was die Sternenbildung vorantreibt.

Astronomen vermuten, dass supermassive Schwarze Löcher in der zentralen Galaxie eines Clusters die Entstehung neuer Sterne blockieren. Sie versorgen ihre Umgebung mit Energie - und verhindern somit das Abkühlen der Gaswolken. Im Phoenix-Galaxienhaufen scheint das aber nicht der Fall zu sein.

Dabei ist das Schwarze Loch alles andere als klein: Es habe 20 Milliarden Sonnenmassen, berichten die Forscher - und würde pro Jahre um etwa 60 Sonnenmassen wachsen. Dass es irgendwann anfängt, die Sternenbildung in seiner Nähe zu drosseln, ist daher anzunehmen.

wbr/Reuters/AP

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