Galaxien: Astronomen erspähen bisher älteste Sterne

Rekordentdeckung im All: Astronomen meinen, die ältesten Sterne aufgespürt zu haben. Ihr Licht durchbrach einst die Finsternis im Kosmos - bereits kurz nach dem Urknall.

Licht aus der Tiefe des Alls: Älteste Sterne in der Gravitationsline Zur Großansicht
DPA/ NASA

Licht aus der Tiefe des Alls: Älteste Sterne in der Gravitationsline

Paris - Die ersten Galaxien entstanden früher als angenommen. Die Sterne einer nun entdeckten Galaxie bildeten sich nur 200 Millionen Jahre nach dem Urknall. Diese Schlüsse ziehen Astronomen der amerikanischen und europäischen Weltraumorganisationen Nasa und Esa aus Daten des Weltraumteleskops "Hubble". Die Sterne entstanden demnach vor 13,5 Milliarden Jahren.

Erst im Januar hatte "Hubble" eine Galaxie gefunden, die rund 13,2 Milliarden Jahre alt ist. Und im Oktober hatten Forscher den Fund einer Galaxie bekanntgegeben, die 13 Milliarden Jahre alt ist. Astronomen erscheinen die neue Entdeckungen sensationell: "Die ersten Galaxien müssen schon viel länger da sein, als wir zunächst dachten", erklärte Dan Stark vom internationalen Forscherteam.

Die bislang unbekannte, weit entfernte Galaxie war für die Wissenschaftler nur mit Hilfe einer kosmischen Lupe zu sehen, einer sogenannten Gravitationslinse. Das Sternsystem liegt hinter einem Galaxiehaufen namens Abell 383, der mit der Kraft seiner Masse - der Gravitation - Lichtstrahlen ablenkt und damit verstärkt. Selbst die größten heute verfügbaren Teleskope hätten nach den Expertenangaben die lichtschwache Galaxie ohne den Gravitationslinsen-Effekt nicht wahrnehmen können.

Dunkles Zeitalter

Die Astronomen untersuchten das Lichtspektrum der Galaxie und konnten so ihre Entfernung und das Alter ihrer Sterne ermitteln. Je weiter sich eine Galaxie durch die Ausdehnung des Universums entfernt, desto weiter wird ihr Licht in den roten Wellenbereich verschoben. Zwar sei die Rotverschiebung nur mit 6 gemessen worden, was einem Alter von etwa 12,8 Milliarden Jahren entspricht. Doch die Untersuchung der lichtschwachen Sterne habe gezeigt, dass das Sternsystem bereits etwa 750 Millionen Jahre früher angefangen haben muss, sich zu formieren.

Mit der Erforschung der ersten Galaxien hoffen die Wissenschaftler auch das Rätsel zu lösen, wie sich nach dem Urknall ultraviolettes Licht im finsteren Weltraum ausbreiten konnte. Davor - im sogenannten Kosmischen Dunklen Zeitalter - schluckte ein diffuser Nebel aus Wasserstoffgas nahezu jedes Licht. Die Astronomen vermuten, dass die ersten Sternsysteme mit ihrer Strahlung das Gas ionisiert und damit den Nebel gelichtet haben. Endgültige Erklärungen erwarten sie mit der Technik des "Hubble"-Nachfolgers "James Webb", der frühestens 2014 ins All gebracht werden soll.

boj/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
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1. Bin ja mal gespannt,...
Emmi 12.04.2011
Bin ja mal gespannt, wann der erste Stern gefunden wird, der älter ist als das Universum. Fehlen ja nur noch läppische 200 Mio. Jahre...
2. Fermi Paradox
timewalk 12.04.2011
Zitat von sysopRekordentdeckung im All: Astronomen meinen, die ältesten Sterne aufgespürt zu haben. Ihr Licht durchbrach einst*die Finsternis im Kosmos - bereits kurz nach dem Urknall. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,756560,00.html
Wieviel Zivilisation wurde durch Fossilmobilmachung ausgelöscht? Anyone? Hellloooo?
3. ...
unifersahlscheni 12.04.2011
...nach meiner persönlichen Theorie gab es überhaupt keinen Urknall. Aber das habe ich noch nicht bis zum letzten durchgerechnet.
4. saumäßig spannend.
albert schulz 12.04.2011
Das All soll vierzig oder sechzig Milliarden Lichtjahre lang oder breit sein. Diese Information scheint nicht von der Spiegel - Redaktion zu sein, also womöglich ernst zu nehmen. Dummerweise gibt es die Welt erst seit ca. 14 Milliarden Jahren (Urknall). Und demnach können wir nur erkennen, was sich in vierzehn Milliarden Lichtj
5. saumäßig spannend.
albert schulz 12.04.2011
Das All soll vierzig oder sechzig Milliarden Lichtjahre lang oder breit oder beides sein. Diese Information scheint nicht von der Spiegel - Redaktion zu sein, ist also womöglich ernst zu nehmen. Dummerweise gibt es die Welt erst seit ca. 14 Milliarden Jahren (Urknall). Und demnach können wir nur erkennen, was sich in vierzehn Milliarden Lichtjahren Entfernung abspielt (besser: abgespielt hat). Bei einem Fixstern, der vor vierzehn Milliarden Jahren vierzehn Lichtjahre von uns entfernt war, erfahren wir also heute, nach vierzehn Milliarden jahren, wie es dort vor vierzehn Milliarden Jahren ausgesehen haben könnte. Und das ist saumäßig interessant und sensationell. Sozusagen voll am Pu
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"Hubbles" bewegte Geschichte
April 1990
An Bord der Raumfähre "Discovery" wird "Hubble" ins All geschossen. Benannt ist das Teleskop nach dem 1953 gestorbenen US-Astronomen Edwin Hubble.
Juni 1990
"Hubble" sorgt zunächst für eine große Enttäuschung. Das Gerät liefert nur unscharfe Bilder. Der Hauptspiegel des Teleskopes war defekt. Durch einen falsch geschliffenen Messstab kam es zu einer Abweichung von 1,3 Millimetern - für optische Präzisionsgeräte fatal. Der Fehler verhinderte die Fokussierung, so dass die lang ersehnten Bilder aus dem All zunächst völlig nutzlos waren. John Campbell, Chef des Flug-Direktoriums, erinnerte sich später: "Die Häme ging so weit, dass man damals nicht zugab, Mitarbeiter der Hubble-Mission zu sein."
1993
Die Reparaturarbeiten beginnen. Astronauten der Raumfähre "Endeavour" installieren Linsen, die "Hubbles" Sehschwäche korrigieren. Fünf Tage lang reparierte die Besatzung und verhinderte so, dass der sehschwache Krüppel zum Milliarden-Flop wurde. US-Astronom Edwin Turner nannte die Mission damals "ein gewaltiges Vabanquespiel".
1995
"Hubble" liefert sensationelle Bilder aus dem sogenannten Adlernebel. Nie zuvor gab es so genaue Einblicke in die Geburt von Sternen.
1997-2002
Drei weitere Instandsetzungsmission finden statt.
2004
Die fünfte und letzte geplante Instandsetzungsmission wird nach der Explosion der "Columbia" abgesagt. Das "Hubble"-Projekt wird ausgesetzt.
2006
Die NASA nimmt das Projekt wieder auf und plant zunächst eine Roboter-Mission, um "Hubble" auf den neuesten Stand zu bringen.
2008
"Hubble" fällt aus und sendet vorübergehend keine Bilder. Durch den Ausfall verzögert sich der letzte Flug zu dem Teleskop um sieben Monate.
2009
Die lange umstrittene Reparatur von "Hubble" wird im Mai endlich durchgeführt. Astronauten der Raumfähre "Atlantis" ersetzen kaputte Teile und rüsten das Teleskop auf. Die Operation war ein voller Erfolg: Im September veröffentlichen Astronomen die ersten Fotos nach der Reparatur -: sie sind spekakulär.
Nach 2020
Mit einem Sturz in den Pazifik soll die Geschichte des "Hubble"-Teleskops enden.