Weltraum-Crash: Gigantische Gaswolke umhüllt kollidierte Galaxien

Halo (violett) um NGC 6240: Heißes Gas Zur Großansicht
NASA/ CXC/ SAO/ STScI

Halo (violett) um NGC 6240: Heißes Gas

7,5 Millionen Grad heiß und viel größer als die Milchstraße: Ein Galaxien-Duo wird von einer riesigen Gaswolke umschlossen. Gewaltige Kräfte, die beim Crash der beiden Galaxien freigesetzt wurden, haben die Wolke wachsen lassen.

Eine gewaltige Menge heißen Gases umgibt zwei Galaxien, die rund 330 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt miteinander kollidiert sind. Die beiden Spiralgalaxien werden sich wahrscheinlich zu einer elliptischen Galaxie vereinen und dann werden wohl auch die beiden Schwarzen Löcher in ihren Zentren zu einem einzigen, riesigen Schwarzen Loch fusioniert sein.

Doch während Astronomen über die Zukunft des Systems NGC 6240 nur Vermutungen anstellen können, verrät eine Analyse von Teleskopaufnahmen sehr viel über seinen aktuellen Zustand - oder genauer gesagt den Zustand, in dem es ein Beobachter auf der Erde momentan sehen kann.

Außerdem sind Rückschlüsse auf die Vergangenheit von NGC 6240 möglich. Weil galaktische Kollisionen wie diese im jungen Universum häufig vorkamen, kann das Studium von NGC 6240 zudem einiges über ähnliche Ereignisse in der Frühphase des Alls verraten, die deutlich schwerer direkt zu beobachten sind.

Astronomen um Emanuele Nardini von der Keele University, Großbritannien, haben das Galaxien-Paar mit Hilfe des Röntgenteleskops "Chandra" genauer untersucht. Auf der Aufnahme ist die von "Chandra" gemessene Röntgenstrahlung violett dargestellt. Kombiniert wurde das Bild mit einer Aufnahme im sichtbaren Licht, die vom Weltraumteleskop "Hubble" stammt. Hier zeigen sich die teilweise verschmolzenen Galaxien, welche von der viel größeren Gaswolke, dem Halo, umgeben sind.

Masse von 13 Milliarden Sonnen

7,5 Millionen Grad heiß ist der Halo, wie die Forscher im "Astrophysical Journal" berichten. Er erstreckt sich über rund 300.000 Lichtjahre. Zum Vergleich: Die Milchstraße dehnt sich über 100.000 bis 120.000 Lichtjahre aus. Die in der Wolke enthaltene Materie entspricht der Masse von etwa 13 Milliarden Sonnen. Wie hat sich dieses riesige Gebilde geformt? Und wieso ist die Temperatur dort so hoch?

Die Theorie, die die Forscher bevorzugen, ist folgende: Als die Galaxien ineinander rasten, wurde das in beiden vorhandene Gas aufgewühlt. Dies führte zu einer Art Baby-Boom, vermuten die Forscher. Über einen Zeitraum von mindestens 200 Millionen Jahren entstanden in dem System laut ihrem Bericht ungewöhnlich viele neue Sterne.

Die massereichen Exemplare, die eine kürzere Lebensdauer haben, sind bereits als Supernovae verglüht, so dass bei den Explosionen die Gaswolke mit neuem Material gefüttert wurde. Weil die sterbenden Sterne dabei Elemente wie Sauerstoff und Magnesium ins All bliesen, reicherte sich der Halo damit an, der durch die Supernovae zusätzlich aufgeheizt wurde.

Ob der gigantische Halo noch in voller Pracht existieren wird, wenn NGC 6240 seine Metamorphose zur einer einzigen Galaxie abgeschlossen hat, können die Astronomen nicht sagen. Allerdings braucht dieser Prozess auch noch viele Millionen Jahre.

wbr

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