"Galaxy Zoo 2" Neues Futter für Hobby-Astronomen

Fast 200.000 Freiwillige analysieren bei "Galaxy Zoo" Bilder von Galaxien und helfen so der Wissenschaft. In Zukunft sollen sie noch mehr Aufgaben übernehmen, weil die Astronomen herausgefunden haben, dass sie ihren Hobby-Kollegen bisher zu wenig zugetraut haben.

Galaxie Messier 83: "Die öffentliche Beteiligung war absolut überwältigend"
AFP / ESO

Galaxie Messier 83: "Die öffentliche Beteiligung war absolut überwältigend"

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Es geht nicht um verteiltes Rechnen wie bei der heimischen Aliensuche des Projekts "Seti@home", sondern um verteilten Verstand. Teilnehmer am Projekt " Galaxy Zoo" können sich Bilder von Galaxien im Internet ansehen und diese anschließend klassifizieren: Ist die abgebildete Sternenansammlung rund? Zeigt sie besondere Merkmale wie Spiralarme oder Ausbeulungen? Stoßen auf dem Bild vielleicht sogar zwei Galaxien zusammen? Menschlicher Sachverstand kann die Bilder deutlich effektiver bewerten als Computer, davon ist Kevin Schawinski überzeugt.

Er hat das Projekt ins Leben gerufen, als er für seine Doktorarbeit fast 50.000 Galaxien klassifizieren und katalogisieren musste. Für die wichtige, aber manchmal auch recht stupide Arbeit, rekrutierte er Freiwillige über das Internet. Das Projekt, so stellte sich heraus, konnte viel mehr Menschen begeistern, als Schawinski zunächst erwartet hatte. "Die öffentliche Beteiligung war absolut überwältigend", sagt der Forscher, der mittlerweile an der Yale University arbeitet.

Eine der Teilnehmerinnen, die Niederländerin Hanny van Arkel, hat inzwischen sogar eine neue Klasse von Himmelskörpern entdeckt: Im Sternbild Kleiner Löwe stieß sie auf ein mysteriöses Objekt. Es sah aus wie eine Gaswolke, die sich um einen riesigen Hohlraum schließt. Zunächst erschien das mysteriöse Fundstück blau, später stellte sich heraus, dass es grün leuchtete.

Nun geht "Galaxy Zoo" in eine neue Phase. Die Wissenschaftler haben inzwischen verstanden, dass sie ihren freiwilligen Helfern im Web durchaus auch komplizierte Aufgaben zumuten können. "Wir wussten bei der ersten Version von 'Galaxy Zoo' nicht, wie gut die breite Öffentlichkeit sein würde", beschreibt Steven Bamford von der University of Nottingham im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE das Problem. Deswegen habe man die Fragen zur Bildauswertung besonders einfach gehalten.

Es habe sich aber herausgestellt, dass die Hobby-Astronomen "großartige Ergebnisse" geliefert hätten. Deswegen habe man sich entschlossen, die fast 200.000 Beteiligten stärker zu fordern: "Wir haben festgestellt, dass wir nach vielen Sachen mehr fragen können", sagt Bamford.

Zum Beispiel nach dem Inneren der jeweiligen Galaxie: Ist das Zentrum besonders groß, deutet das darauf hin, dass die Galaxie zahlreiche kosmische Kollisionen hinter sich haben könnte. Oder hat die Sternenansammlung vielleicht einen Balken in der Mitte? Und wie dicht liegen die Spiralarme beieinander? Oder gibt es vielleicht sogar ungewöhnliche Objekte wie die Gaswolke der Hanny van Arkel?

Unter anderem haben die Nutzer von "Galaxy Zoo" bereits 3000 Kollisionen von Galaxien beobachtet. Besonders reizvoll für die Hobby-Astronomen ist, dass viele der Bilder niemals zuvor von einem Menschen betrachtet wurden. Die Aufnahmen stammen vom vollautomatischen Sloan Digital Sky Survey Telescope am Apache Point Observatory im US-Bundesstaat New Mexico. Allerdings werden die Galaxiefotos jeweils von mehreren Nutzern klassifiziert, um Fehler zu vermeiden. Mit der neuen Version kommen auch alte Fotos noch einmal auf den Schirm. Hobby-Forscher sollen nun zusätzliche Informationen eintragen.

Selbst fünf Minuten Arbeit an "Galaxy Zoo 2" würden der Wissenschaft bereits einen großen Dienst erweisen, werben die Organisatoren. Doch ihre Fans brauchen sie kaum zu überzeugen. Kurze Zeit nachdem die neue Website frei geschaltet wurde, ging der Server erst einmal wegen des zu großen Ansturms in die Knie. Doch mittlerweile ist das riesige Galaxien-Fotoalbum wieder da, umgezogen auf einen leistungsfähigeren Rechner.

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