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Falsche Umlaufbahn: EU-Kommission fordert Aufklärung nach "Galileo"-Debakel

Galileo: Europas eigenes Navigationssystem Fotos
ESA/ P. Carril

Das Schicksal der beiden "Galileo"-Navigationssatelliten, die auf falsche Umlaufbahnen gebracht wurden, bleibt ungewiss. Jetzt fordert die Europäische Kommission eine Untersuchung, wie es zu der teuren Panne kommen konnte.

Kourou/Brüssel - Nach dem Pannenstart zweier "Galileo"-Satelliten verlangt Brüssel Aufklärung. "Die Europäische Kommission wird sich mit der Europäischen Raumfahrtorganisation Esa an einer Untersuchung beteiligen, um die Ursachen für den Vorfall zu verstehen und zu klären", sagte EU-Industriekommissar Ferdinando Nelli Feroci am Montag in Brüssel. Er nimmt das Amt übergangsweise wahr, nachdem sein Vorgänger Antonio Tajani ins Europaparlament gewechselt ist.

Feroci sagte, es sei auch zu klären, in welchem Umfang die beiden Satelliten nun noch für das "Galileo"-Programm genutzt werden könnten. Er verlangte zudem Pläne, wie das Problem der falschen Umlaufbahnen behoben werden könne. Feroci betonte, er sei weiterhin von der "strategischen Bedeutung" des Programms überzeugt.

Die beiden Satelliten waren am Freitag vom Raumfahrtzentrum in Französisch-Guayana ins All gestartet, dann aber an einer falschen Stelle ausgesetzt worden. Aus dem Esa-Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt hieß es, an der Untersuchungskommission sei neben der Esa, der EU und der Industrie vor allem der Raketenhersteller Arianespace beteiligt. Der Fehler liege nicht bei den Satelliten.

Als Trägersystem diente eine russische "Sojus"-Rakete. Bereits 1966 eingeführt und bis heute kontinuierlich verbessert, gilt das "Sojus"-Tägersystem mit mehr als 1800 Starts als besonders zuverlässig. Arianespace nutzt das System zum Transport mittlerer Nutzlasten.

Das europäische Navigationssystem "Galileo" macht schon seit längerem Probleme. Das Prestigeobjekt sollte ursprünglich bereits 2008 an den Start gehen. Wegen Streitigkeiten unter den Partnerländern gab es aber immer wieder Verzögerungen.

Dümpeln in der Umlaufbahn

Die beiden Satelliten, die nun in einer falschen Umlaufbahn dümpeln, wurden in Bremen gebaut und sollten als "Galileo" Sat-5 und Sat-6 Teil des europäischen Navigationssystems werden. Bis 2020 soll "Galileo" Europa unabhängig von fremder Navigationstechnik machen. Laut Plan hätten die Satelliten in 23.522 Kilometern Höhe ausgesetzt und im Herbst ihren Betrieb aufnehmen sollen.

Aktuell verfügen nur die USA mit GPS (Global Positioning System) sowie Russland mit Glonass ("Globales Satellitennavigationssystem") über satellitengestützte Navigationssysteme. Beide werden vom Militär betrieben und können bei Bedarf - zum Beispiel aus sicherheitspolitischen Gründen - verfälscht oder sogar abgeschaltet werden.

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"Ariane"-Raketen: 200 Starts, ungewisse Zukunft

nik/dpa/afp

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1. Die EU Kommission erwartet Auskunft
hermannheester 25.08.2014
Als selbst NICHT Fachleute auf ihren jeweiligen Gebieten kennen sie sich selbst allenfalls im Kassieren überhöhter Bezüge aus. Nun aber wollen sie von ihrer "Kompetenz" doch noch Gebrauch machen und respektvollen Bericht von anderen versagern fordern?
2. Na?
hajode 25.08.2014
Da hat doch sicher der Putin seine Finger mit im Spiel oder in der Sojusrakete, irgend so ein Trojaner halt.
3.
mm71 25.08.2014
Zitat von hermannheesterAls selbst NICHT Fachleute auf ihren jeweiligen Gebieten kennen sie sich selbst allenfalls im Kassieren überhöhter Bezüge aus. Nun aber wollen sie von ihrer "Kompetenz" doch noch Gebrauch machen und respektvollen Bericht von anderen versagern fordern?
Wer sich über das Verplempern von Geld (zurecht) aufregt, hat sehr wohl ein Interesse daran, dass geklärt wird, wie es zu solchen Fehlleistungen gekommen ist. Dies steht letztendlich den Geldgebern, also der europäischen Bevölkerung, auch als "Nicht-Fachleuten" zu. Dass die Kommission diesen Maßstab auch mal an sich selbst anlegen sollte, stimmt allerdings. Normalerweise stünde dies dem Wähler zu, dank des Konstrukts Europa ist es aber nicht möglich, die Kommission oder einzelne Kommissare abzuwählen.
4. Umrechnungsfehler?
dr.notes 25.08.2014
Mein Tipp: Die Satelliten sollten auf 14600 Meilen gebracht werden, aber es wurden dann halt nur 14600km.
5. Was dem Wowereit sein BER....
tennislehrer 25.08.2014
....ist, ist das das Galileo-Projekt für die Esa.
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"Sojus"-Start in Kourou


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