Erfolgreicher Satellitenstart Europas Konkurrenz zu GPS geht in die Erprobung

Da waren es schon vier: Die europäische Raumfahrtagentur hat zwei weitere Satelliten für das Galileo-Navigationssystem ins All geschossen. Mit ihren Signalen können Forscher nun erstmals Tests für das Projekt beginnen, das die Alternative zum amerikanischen Konkurrenten GPS werden soll.

ESA, Stephane Corvaja / dapd

Kourou - Die ersten Funktionstests des europäischen NavigationssystemsGalileo können beginnen: Freitagnacht hob vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana eine Trägerrakete mit zwei weiteren Satelliten des Navigationssystems Galileo an Bord ab. Alle Stufen der "Sojus ST-B" funktionierten planmäßig. Drei Stunden und 45 Minuten nach dem Start setzte sie ihre wertvolle Ladung in etwa 23.200 Kilometern Höhe aus. Benannt sind die europäischen Satelliten nach zwei Kindern aus Dänemark und Tschechien, David und Sif.

Zusammen mit den beiden bereits im All platzierten Satelliten, sie kreisen bereits seit dem 21. Oktober 2011 um die Erde, könne das System nun zum ersten Mal getestet werden, sagte der Leiter des Galileo-Programms bei der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Didier Faivre. Es werden vier Satelliten benötigt, um eine Position auf der Erdoberfläche präzise bestimmen zu können. Frühestens ab Februar kann das Galileo-System laut Faivre in seine Erprobungsphase gehen.

Kontrollzentren weltweit beteiligt

Um für die wichtige Phase des Satellitennavigationssystems gut vorbereitet zu sein, wurden die Esa-Mitarbeiter in Simulationen des Satellitenbetriebs mit künstlichen Fehlern auf die Probe gestellt - aber zum Glück ging alles gut, berichtet Walter Päffgen, Geschäftsführer der Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen (GfR) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Damit das Zusammenspiel der "Galileo"-Satelliten funktionierte, waren weltweit gleich mehrere Kontrollzentren an der Mission beteiligt.

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Galileo-System: Start frei für die Weltraum-Wegweiser

In sieben Tagen werden die Wissenschaftler in Oberpfaffenhofen im Auftrag der Europäischen Kommission und der europäischen Weltraumorganisation Esa die Verantwortung für die beiden zusätzlichen Satelliten übernehmen und diese endgültig auf der korrekten Umlaufbahn positionieren. Anschließend werden die Navigationsgeräte in Betrieb genommen: Das Galileo-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen aktiviert die Atomuhren an Bord der Satelliten, die Signalgeneratoren und die Übertragungsgeräte für das Senden und Empfangen. In der anschließenden Betriebsphase überwacht das deutsche Kontrollzentrum den Zustand der Satelliten und der Instrumente an Bord sowie die Flugbahnen.

Präzise Positionierung im Orbit

Das Kontrollzentrum im italienischen Fucino ist für die Synchronisierung der Atomuhren und für die Produktion der Navigationsdaten zuständig, eine Antennenstation im belgischen Redu unterstützt das deutsche Galileo-Kontrollzentrum während der kommenden mehrmonatigen Testphase.

Aber erst wenn die insgesamt 30 Satelliten in drei Umlaufbahnen um die Erde kreisen, kann Galileo dem amerikanischen GPS-Netz mit kostenlosen Navigationsdiensten Konkurrenz machen. Nach Angaben des Galileo-Programmleiters bei der Europäischen Kommission, Paul Flament, soll das Navigationssystem von 2014 an zuverlässig arbeiten.

Ab dem Jahr 2020 soll das europäische System dann mit weiteren Funktionen voll einsatzfähig sein. Das aus Steuermitteln finanzierte Programm ist nach europäischen Angaben präziser und zuverlässiger als das GPS-System, das bereits von vielen Navigationsgeräten genutzt wird.

ore/nik/dapd/AFP

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insgesamt 80 Beiträge
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Seite 1
mm01 13.10.2012
1. Na dann,
Zitat von sysopESA, Stephane Corvaja / dapdDa waren es schon vier: Die europäische Raumfahrtagentur hat zwei weitere Satelliten für das Galileo-Navigationssystem ins All geschossen. Mit ihren Signalen können Forscher nun erstmals Tests für das Projekt beginnen, das die Alternative zum amerikanischen Konkurrenten GPS werden soll. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/galileo-mission-esa-schickt-zwei-weitere-satelliten-ins-all-a-861108.html
können wir ja in ca. 15 - 20 Jahren mit dem Einsatz rechnen...
Augustusrex 13.10.2012
2. Ist besser?
"Das aus Steuermitteln finanzierte Programm ist nach europäischen Angaben präziser und zuverlässiger als das GPS-System" Richtiger müsste es heißen: "Soll besser sein" Um wieviel besser? 0,5 m? 10 cm? und GPS bekomme ich kostenfrei..
sam_sonight 13.10.2012
3. optional
das hatte ich ja schon abgeschrieben... was lange währt..
rudi_1957 13.10.2012
4. @ mm01
Dann müssen Sie aber noch 5 Jahre draufrechnen, bis es kommerzielle Empfänger zu GPS - Preisen gibt :)
vhe 13.10.2012
5. Ist das immer noch nicht tot?
Das Teil wurde ja mal mit dem expliziten Ziel entwickelt, von den Amis nicht störbar zu sein. Seit dieses Ziel auf Wunsch der Amis aufgegeben wurde, ist die ganze Aktion aus meiner Sicht völlig sinnlos. Das Geld ließe sich wirklich besser verwenden.
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