Gamma-Ausbruch: Blitz aus dem Dunklen Zeitalter des Alls

Es ist das fernste Objekt, das Astronomen jemals am Nachthimmel entdeckt haben: ein Riesenstern, der vor 13 Milliarden Jahren sein Leben ausgehaucht hat. Der Gammablitz, den er im Todeskampf ins All schleuderte, verrät seltene Details aus dem Dunklen Zeitalter des Universums.

ESO / A. Roquette

Sie sind die gewaltigsten Eruptionen im Universum: Gammablitze, die in wenigen Sekunden so viel Energie freisetzen können wie unsere Sonne in ihrer gesamten bisherigen Existenz von knapp fünf Milliarden Jahren. Ein solches Ereignis hat Astronomen jetzt auf die Spur des ältesten Himmelskörpers gebracht, der bisher jemals beobachtet wurde: Es handelt sich um einen Riesenstern, vor rund 13 Milliarden kollabiert ist. Das Licht der titanischen Explosion war damit fast so lange zur Erde unterwegs wie der Kosmos alt ist, berichten zwei Forscherteams im britischen Fachmagazin "Nature".

Der Stern war demnach einer der ersten überhaupt im Universum - er explodierte bereits etwa 630 Millionen Jahre nach dem Urknall. Damit stammt er aus dem sogenannten Dunklen Zeitalter des Kosmos, als ein undurchdringliches Gemisch aus Wasserstoff- und Heliumkernen, umschwirrt von freien Elektronen, nahezu sämtliches Licht schluckte. Etwa 400 Millionen Jahre nach dem Urknall war das Universum so weit abgekühlt, dass sich die freien Elektronen an Wasserstoff- und Heliumkerne binden konnten. Der Schleier lichtete sich, das Licht konnte sich ausbreiten und formte die kosmische Hintergrundstrahlung, das bis heute messbare Nachglühen des Urknalls.

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Gammablitze: Gigantische Eruptionen im All

"Diese Explosion liefert uns einen beispiellosen Einblick in eine Ära, als das Universum sehr jung und drastischen Veränderungen unterworfen war", sagte Dale Frail vom National Radio Astronomy Observatory in Socorro (US-Bundesstaat New Mexico). "Die ursprüngliche kosmische Finsternis wurde vom Licht der ersten Sterne durchbohrt, und die ersten Galaxien begannen sich zu formen." Der Stern, dessen Gammablitz die Astronomen jetzt analysiert haben, "gehörte zur frühesten Generation von Sternen".

Das Nasa-Satellit "Swift" hatte den Gammastrahlenausbruch mit der Bezeichnung GRB 090423 erstmals am 23. April dieses Jahres entdeckt. Anschließend war das Nachglühen der Explosion von zahlreichen Observatorien im Licht verschiedener Wellenlängen beobachtet worden - vom Röntgen- bis zum Radiobereich. So ließen sich einige der physikalischen Bedingungen der gewaltigen Explosion rekonstruieren, wie Frails Kollege Derek Fox von der Pennsylvania State University erläuterte. "Das Ergebnis ist ein einzigartiger Einblick in das junge Universum, den wir auf keinem anderen Weg bekommen hätten."

"Es ist wahnsinnig aufregend in eine Zeit zurückzublicken, in der die ersten Sterne gerade erst entstanden", sagte Andrew Levan von der britischen University of Warwick, Autor einer der Studien. Die Beobachtungen erlaubten die Erforschung des letzten "weißen Flecks auf unserer Karte des Universums", sagte sein Kollege Nial Tanvier von der University of Leicester. Die bislang älteste beobachtete Gammastrahlenexplosion war mindestens 150 Millionen Jahre jünger als GRB 090423.

mbe/dpa/AFP

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